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1300 Journalisten arbeiten weltweit für die Deutsche Presseagentur (dpa)

Die Nachrichtenmacher

Die Presse, der Journalismus, die Medienwelt – was darf man darunter verstehen? Unsere Zeitung macht ihr tägliches Tun für einen Monat zum öffentlichen Serienthema: den Journalismus. Heute gibt es einen Blick hinter die Kulissen einer Nachrichtenagentur – wie arbeitet die Deutsche Presseagentur (dpa)? Wie entsteht eigentlich eine Nachricht? Was sind die Quellen der dpa?

veröffentlicht am 15.05.2017 um 08:18 Uhr
aktualisiert am 13.06.2017 um 14:32 Uhr

Damals, wie Heute: Ohne Journalisten gibt es keine fundierten Nachrichten. Arbeitspensum, Schnelligkeit und die Technik haben sich allerdings stark verändert. Foto: Pixabay
Kerstin Hasewinkel

Autor

Kerstin Hasewinkel Stv. Redaktionsleiterin zur Autorenseite

Die Deutsche Presse-Agentur sendet täglich in allen deutschsprachigen Diensten rund 1800 Texte, davon allein mehr als 800 in ihrem überregionalen Basisdienst. Für die Agentur arbeiten weltweit 1300 Journalisten. Sie recherchieren Themen, sie beobachten Ereignisse, sie sammeln Informationen, sie interviewen Menschen, sie überprüfen Behauptungen, und sie halten die Ergebnisse in Wort, Bild und Ton fest.

„Sie beschreiben aber nicht nur, was passiert, sondern erklären auch, warum es passiert und warum es wichtig ist, darüber zu berichten“, erklärt dpa-Nachrichtenchef Froben Homburger und betont: All das machen sie in absoluter Unabhängigkeit und Überparteilichkeit. Sie dürfen sich in der Berichterstattung nicht beeinflussen lassen von Parteien, Verbänden oder sonstigen Interessengruppen.

Doch wer entscheidet eigentlich, welche Nachricht verbreitet wird und welche möglicherweise auch nicht? Homburger antwortet: „Das ist eine ebenso wichtige wie schwierige Frage. Und umso banaler mag erst einmal die Antwort klingen: Informationen, Ereignisse, Themen werden zu Nachrichten, wenn sie von einem gewissen Interesse sind oder eine gewisse Bedeutung erreichen.“

Tatsächlich aber sei diese Antwort überhaupt nicht banal, denn sie werfe viele weitere Fragen auf: Wo liegt der Schwellenwert, ab dem eine Information so interessant oder bedeutsam ist, dass dpa darüber berichtet? Wer definiert das? Verändern sich nicht auch Interesse und Bedeutung – zum Beispiel je nach Ort und Zeit? Sind Interesse und Bedeutung also nicht immer auch eine Frage der Perspektive?

Ohne Zweifel, so der Nachrichtenchef, gebe es Themen und Ereignisse von objektiv großer Bedeutung: Wenn der Bundestag ein Gesetz zur Anpassung der Renten in Ost- und Westdeutschland beschließt, ist das für Millionen Menschen eine extrem wichtige Information. Und daher berichte dpa auch sehr ausführlich darüber, zeige die Hintergründe auf, beschreibe die nächsten Schritte, erkläre, wie das alles finanziert werden soll, setze sich mit den Einwänden von Kritikern auseinander.

„Auch bei Wahlen, bei einem Terroranschlag in Deutschland, bei Streiks von Lokführern oder Piloten, bei einem schweren Unwetter ergibt sich der hohe Nachrichtenwert schon alleine dadurch, dass sehr viele Menschen direkt oder mittelbar von den Folgen betroffen sind“, sagt Homburger.

Aber natürlich seien viele andere Themen und Ereignisse weit weniger eindeutig: Muss dpa wirklich über die Schwangerschaft einer TV-Moderatorin berichten, wirft Homburger selbst als Frage auf? Objektiv wichtig sei das nur für einen sehr kleinen Personenkreis: für die Moderatorin selbst, ihre Familie und ihren Arbeitgeber. Doch eine Nachricht müsse nicht immer wichtig sein, sie könne auch einfach unterhalten. Viele Menschen nehmen am Leben Prominenter intensiv Anteil. Andererseits haben auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ein Recht auf Privatsphäre, und auch das muss bei der Frage berücksichtigt werden, ob und wann aus der Schwangerschaft eines Fernsehstars eine dpa-Nachricht wird.

Das Promi-Beispiel zeigt, wie komplex der Prozess sein kann, an dessen Ende die Entscheidung steht, eine Information als Nachricht zu verbreiten oder eben nicht. Bei der Deutschen Presse-Agentur wird darüber laut Homburger jeden Tag von neuem intensiv diskutiert: in den Auslandsbüros ebenso wie an den Regiodesks der einzelnen Bundesländer und natürlich auch in der Zentrale in Berlin.

In dem 3800 Quadratmeter großen Newsroom arbeiten insgesamt mehr als 300 Menschen. Hier läuft die gesamte dpa-Berichterstattung in Texten, Fotos, Videos, Radiobeiträgen und Grafiken zusammen. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.

Homburger: „Ob und wie ein Thema zur Nachricht wird, besprechen die Redakteure in den Ressorts wie Politik, Panorama, Wirtschaft oder Sport oft zunächst mit Fachkorrespondenten oder Reportern – manchmal viele Wochen im Voraus, wenn ein Termin oder Ereignis schon so frühzeitig bekannt ist. Anschließend gibt es Diskussionen in größeren Runden: Jedes Ressort hat dafür eigene Teamsitzungen, ehe dann in zentralen Newsroom-Konferenzen unter Leitung der dpa-Nachrichtenchefs die Berichterstattung über die wichtigsten Themen ein weiteres Mal erörtert und festgelegt wird.“

Aber auch damit sei keineswegs schon das gesamte dpa-Programm in Stein gemeißelt. Jeden Tag kommen nahezu minütlich weitere Informationen hinzu – und wollen bewertet werden.

Quellen dieser Informationen können zum Beispiel die sozialen Medien sein, also auch Privatpersonen, die via Twitter oder Facebook auf ein Ereignis aufmerksam machen. Oft kommen wichtige Hinweise zudem von den dpa-Kunden, also sämtlichen Tageszeitungen in Deutschland, vielen Radio- und Fernsehsendern, Onlineportalen, Zeitschriften, Magazinen.

„Auch Redakteure der Deister- und Weserzeitung bitten uns immer wieder, bestimmte Informationen zu prüfen oder ein Ereignis noch besser zu erklären oder über ein Thema größer zu berichten – und zwar, weil es ihre Leser interessiert. Das heißt: Auch Dewezet-Leser sind daran beteiligt, dass aus einem Thema eine dpa-Nachricht wird“, sagt Homburger.

Nächster Teil: dpa-Nachrichtenchef Froben Homburger im Interview: Falsche Meldungen und wie es dazu kommen kann.

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