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Bislang 424 000 Dateien erfasst

Digitalisierung im Hubschraubermuseum

Seit mehr als einem Jahrzehnt beschäftigen sind Mitarbeiter des Hubschraubermuseums mit der Digitalisierung des museumseigenen Archivs beschäftigt. Unter der Leitung von Wolfgang Gastorf ist der Bestand mittlerweile auf kaum vorstellbare 424 000 Dateien (Stand 1. Juli 2017) angewachsen.

veröffentlicht am 06.11.2017 um 19:03 Uhr

Nachschub aus der Schweiz: Das Archiv ist Erbe des Helikopter-Fachmanns Peter Wernli. Foto: bus
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Autor

Herbert Busch Reporter
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„Das entspricht 437 Gigabyte“, verdeutlicht der Fachmann, der seit dem am 23. Juni 2006 erfolgten Start für die Überführung der Bestände ins digitale Zeitalter verantwortlich zeichnet. Das Museum gilt als Heimstatt des weltweit größten Drehflügler-Archivs. In den Ordnern finden sich Unterlagen, die vom Beginn des Traums vom Fliegen bis in die heutige Zeit reichen. Im ersten Ordner liegt unter der Nummer 00001-0002 obenauf der Beitrag „Der Flug in der Legende“, in dem der Traum bis hin zu Pegasus und dem Feuerwagen des Propheten Elia zurückverfolgt wird. Im zweiten seinerzeit eingescannten Dokument geht es um die Raumschiffe des Propheten Ezechiel und deren Bestätigung durch modernste Technik. „Da tat sich der Himmel auf“, zitiert der Autor den Propheten.

In der Zwischenzeit wurden 2111 Hängemappen (insgesamt 180 000 Dateien), 2233 Ordner (230 000 Dateien) und 3500 Bücher (8067 Dateien) bearbeitet. Die elektronische Archivierung erfordert zwar eine zeitintensive Vorarbeit, bietet aber gegenüber der zuvor praktizierten Methode mehrere Vorteile. „Absolute Sicherung sämtlicher Dokumente, sofortige Auskunft über Exponate, schnelle Reaktionsmöglichkeit bei Anfragen sowie schnelle Änderungen und Verfügbarkeit der Dateien“, führt Gastorf an.

Die elektronische Archivierung erfolgt mit einem ausgeklügelten, auf zehnstelligen Nummern basierenden System. Die Methode berücksichtigt Hängemappen (derzeit etwa 2100), Ordner (derzeit etwa 1250), Bücher (rund 3500), Medien (rund 550 Filme, CDs und DVDs), die Geschichte der Heeresflieger, Welt- und Deutsche Hubschraubermeisterschaften sowie die etwa 3000 Dateien und Fotos der aktuellen Ausstellung.

Auf 600 Quadratmeter wird die Entwicklung des Fluggeräts von seinen Anfängen bis heute gezeigt. Foto: dpa
  • Auf 600 Quadratmeter wird die Entwicklung des Fluggeräts von seinen Anfängen bis heute gezeigt. Foto: dpa
Wolfgang Gastorf (li.) und Roland Oster kümmern sich im Hubschraubermuseum um die elektronische Erfassung des Bestandes. Foto: bus
  • Wolfgang Gastorf (li.) und Roland Oster kümmern sich im Hubschraubermuseum um die elektronische Erfassung des Bestandes. Foto: bus

Aus der Nummernfolge sind zudem Inhalte hinsichtlich Land, Hersteller, Modell, Ordnungsbuchstaben, Titel, Quelle oder Foto, Negativ-Nummer, Erscheinungsjahr und Seitenzahl zu entnehmen. Bei Büchern gibt die Datenbank Auskunft über Titelseite, Inhaltsverzeichnis und die einzelnen Buchseiten.

Alles in allem verfügt das System über eine Speicherkapazität von 99 980 001 Dateien. Bei der Reihenfolge des Einscannens wird aktuellen Anfragen und Aufträgen Vorrang eingeräumt, es folgen historische Ordner, Hängemappen, Bücher und Akten. Alle Scans werden auf einer externen Festplatte und auf einem Server gespeichert.

Wir scannen auf Teufel komm raus, weil es uns Spaß macht, die Ergebnisse dieser Arbeit zu sehen.

Wolfgang Gastorf, Hubschraubermuseum

Hier findet sich auch das von Roland Oster verantwortete Filmmaterial. Der Luftfahrt-Journalist und Buchautor („Luftrettung“, ISBN 978-3-613-02846-3, Internet www.aviationpicture.de) kümmert sich schwerpunktmäßig um die Auflistung und Bearbeitung alter Filme, die Umwandlung von auf DVD gespeicherten Filmen, das Überspielen historischer Filmaufnahmen und die Erstellung eines inhaltsrelevanten Nachweises.

Das System hat sich Schilderungen der Experten gemäß durchaus bewährt. „In der Praxis können wir über unsere Nummern auf Rückfragen schnell reagieren“, erläutern die Experten. Das Hubschraubermuseum unternehme als eines der ersten technischen Museen den Versuch, sein Archiv über die elektronischen Medien der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Wozu allerdings noch eine Freigabe erforderlich sei. „Aber die Sicherung der Dokumente gegen die Folgen der Alterung respektive eines Totalverlusts ist schon jetzt gewährleistet“, betont Gastorf.

Die Tätigkeit der Archivmitarbeiter erschöpft sich unterdessen nicht in der systematischen Erfassung und Betreuung von Dokumenten. Als weitere Beschäftigungsfelder nennt Gastorf unter anderem: Betreuung von Anfragen, Hilfe bei Diplomarbeiten, Scans für Firmenjubiläen und Doktorarbeiten, Unterstützung verschiedener Fernsehsender und Filmemacher für diverse

Sendungen und Filme, Betreuung von Journalisten und Buchautoren, Übersetzungen von Dokumenten und Schriftverkehr, Kontaktaufnahme zu anderen Museen, Mitgliederwerbung und die Bearbeitung von Nachlässen aller Art.

Apropos „Nachlässe“: Das Museum hat jüngst einen Teil des Erbes des schweizerischen Hubschrauber-Fachmanns Peter Wernli erhalten. Dessen „Heli-Archiv“ enthält seltene Bücher und Periodika, Herstellerunterlagen, Betriebs- und Wartungsmanuale, Berichte zu Drehflüglertypen aus der ganzen Welt, Korrespondenzen mit Sachverständigen, Pionieren und Fachbuchautoren, Filmaufnahmen, Lichtbilder und Poster. Nach Bückeburg wurden 14 Laufmeter Material transportiert.

„Die Arbeit nimmt kein Ende“, meint Gastorf nicht nur mit Blick auf die auf rund 45 Gigabyte und etwa 35 000 Dateien geschätzte Hinterlassenschaft des Eidgenossen. Allein deren Bearbeitung werde wohl bis zu fünf Jahre in Anspruch nehmen. Seine persönlichen Planungen reichen – „wenn Ehefrau und Gesundheit mitspielen“ - bis zu einer Million Dateien. „Dann bin ich knapp 80 Jahre alt“, gibt der Archivleiter zu verstehen, der als Fluglehrer bei den Heeresfliegern rund 12 000 Stunden in der Luft gewesen ist.

Wichtig sei, dass das gesamte Team mit ungebrochenem Engagement und mit viel Freude bei der Sache ist. „Wir scannen auf Teufel komm raus, weil es uns Spaß macht, die Ergebnisse dieser Arbeit zu sehen“, erklärt Gastorf. Und: „Das Hubschraubermuseum wird hierdurch der Öffentlichkeit besser präsentiert.

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