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„Zur königlichen Eiche“

Hamelner Freimaurerloge wird 240 Jahre alt

Mit einem Alter von 240 Jahren zählt die Freimaurerloge „Zur königlichen Eiche“ zu den ältesten Vereinen der Hamelner Stadtgeschichte. Sechs Offiziere des Königreichs England waren es, die gemeinsam mit vier städtischen Beamten am 25. März 1778 in einem Raum im Haus Osterstraße 12 die Loge „Zur Eiche“ gegründet hatten und den Pyrmonter Freimaurerbruder Gottlieb Johann Heinrich Brauns zu ihrem ersten Meister vom Stuhl wählten.

veröffentlicht am 10.03.2018 um 08:30 Uhr

Drei Säulen stehen im Tempel als Symbole für Weisheit, Schönheit und Stärke. Martin Bauer, der momentane Meister vom Stuhl, beantwortet Fragen der Gäste. Foto: wft
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Wolfhard F. Truchseß Reporter
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Der Oberamtmann des Amtes Aerzen hatte die Hammerführung bis 1783 inne. Doch überlebte die maurerische Organisation zunächst nur ganz fünf Jahre, weil schon 1783 die Offiziere auf Befehl von Georg III. nach Ostindien abkommandiert wurden, und die „Arbeit“ der Loge, wie die Zusammenkünfte bezeichnet wird, mangels Beteiligung einschlief.

Es sollte 77 Jahre dauern, bis Hamelner Freimaurer, die in der Zwischenzeit ihre Heimat in der hannoverschen Loge „Zur Ceder“ gefunden hatten, wieder einen Freimaurerverein in der Stadt an der Weser gründeten. In der Chronik der Loge „Zur königlichen Eiche“, die sich im Namen den Zusatz „königlich“ gegeben hatte, weil der hannoversche König Georg V. zu ihrer Einweihung nach Hameln gekommen war, ist genau verzeichnet, wie das maurerische Leben in Hameln anwuchs, viele Vorträge gehalten wurden, die nach der alten Sitte der Dombauhütten als „Zeichnung“ bezeichnet werden. Selbst der Bau eines Logenhauses auf dem Grundstück Mühlenstraße 4 wurde während dieser Zeit beschlossen und in die Tat umgesetzt – es steht noch heute, wurde aber während der Nazizeit nach der Auflösung der Logen von den Nationalsozialisten enteignet und zu einem Wohnhaus umgebaut.

Den bevorstehenden Termin des 240-jährigen Jubiläums nutzte die Loge in dieser Woche für eine Vortragsveranstaltung über die Freimaurerei und ihre Ziele. Den Vortrag hielt ein profunder Kenner der Logen-Geschichte – der Pyrmonter Titus Malms, selbst ehemaliger Meister vom Stuhl der Pyrmonter Loge „Friedrich zu den drei Quellen“. Was also ist der Inhalt der freimaurerischen Arbeit? Malms schildert ihn so: „Die Freimaureri ist eine Vereinigung, die ihre Mitglieder auf sittlicher Grundlage zu der Vervollkommnung des eigenen Ichs zur Ausbildung einer selbstständigen Persönlichkeit führen will.“ Sie strebe dies auf der Grundlage des Brauchtums an, wie es durch die Bauhütten des Mittelalters herausgebildet worden sei. Als diese Tradition zu versiegen drohte, da kaum noch Dome gebaut worden seien, hätten sich in London im Jahr 1717 vier Bauhütten zu einer Großloge zusammengeschlossen, um das jahrhundertealte Ideal des brüderlichen Umgangs in die neue Zeit zu retten. 20 Jahre später wurde in Hamburg bereits die erste deutsche Loge gegründet. „Thron und Altar – beides Verkörperungen der real existierenden Mächte – sahen in diesem die Nationen übergreifenden Bund irrigerweise eine ernste Gefahr für ihre eigene Existenz“, schildert Malms das Misstrauen der weltlichen und kirchlichen Obrigkeiten. Dies sei die „erste entscheidende Wurzel für die noch anzutreffenden Vorurteile gegen die Freimaurerei“ gewesen. Es sei zugleich der Ursprung jener unheilvollen Verschwörungstheorie, die sich die Freimaurerei als eine stramm auf einen unbekannten Vordermann ausgerichtete Gemeinschaft vorstellte.

Titus Malms, ein profunder Kenner der Freimaurerei. Foto: wft
  • Titus Malms, ein profunder Kenner der Freimaurerei. Foto: wft
Der Grundstein des 1960 erbauten neuen Logenhauses mit Winkel und Zirkel, den beiden Freimaurersymbolen. Foto: Loge
  • Der Grundstein des 1960 erbauten neuen Logenhauses mit Winkel und Zirkel, den beiden Freimaurersymbolen. Foto: Loge
Mit dem Winkel findet der Steinmetz das rechte Maß. Foto: Loge
  • Mit dem Winkel findet der Steinmetz das rechte Maß. Foto: Loge
Das Zeichen der Loge „Zur königlichen Eiche“. Foto: Loge
  • Das Zeichen der Loge „Zur königlichen Eiche“. Foto: Loge
Titus Malms, ein profunder Kenner der Freimaurerei. Foto: wft
Der Grundstein des 1960 erbauten neuen Logenhauses mit Winkel und Zirkel, den beiden Freimaurersymbolen. Foto: Loge
Mit dem Winkel findet der Steinmetz das rechte Maß. Foto: Loge
Das Zeichen der Loge „Zur königlichen Eiche“. Foto: Loge

Was diesen Ruf verstärkt haben mag, ist die absolute Vertraulichkeit, die unter den Logenmitgliedern herrscht. Kein Wort über das im Tempel Gesprochene soll nach außen dringen. Jeder Bruder, gleich ob Lehrling, Geselle oder Meister – dies sind die drei Stufen innerhalb der Bruderschaft – soll die Möglichkeit haben, sich im Gespräch innerhalb der Loge weiterzuentwickeln, sich selbst zu erkennen.

Wie aber wird man Freimaurer. Auf jeden Fall nicht durch das schlichte Ausfüllen eines Beitrittsformulars. Freimaurer schauen sich selbst genau an, wen sie in ihrer Runde haben wollen. In der Regel wird man darauf angesprochen, ob man sich vorstellen könne, die Gemeinschaft näher kennenlernen zu wollen, wird durch einen Bürgen als Gast eingeführt und eine überschaubare Zeit, in der Regel ein Jahr, an den Veranstaltungen teilnehmen. Hat man sich näher kennengelernt, entscheidet die Loge, ob das neue Mitglied dazu passt, ob die Chemie stimmt und die Lehrzeit kann beginnen.

Von den im Tempel zelebrierten Ritualen reden die Freimaurer nicht. „Das können Sie alles im Internet nachlesen“, erklärt Hubert Volkmer, ehemaliger Meister vom Stuhl der Loge, „aber das nützt Ihnen auch nichts. Denn nur, wenn Sie die Rituale, unsere festen Abläufe, miterleben, werden Sie verstehen, warum sie uns so wichtig sind und welche Bedeutung sie für uns haben.“ Einen kleinen Einblick erlaubt die Pyrmonter Loge jedes Jahr mit dem Brudermahl, zu dem viele Gäste eingeladen werden. Dort lässt dann der Meister vom Stuhl als Eröffnungszeremoniell den Hammer fallen und weist den ersten und den zweiten Aufseher an, ihres Amtes zu walten. Aufseher? Ja so nennen die Freimaurer die beiden Stellvertreter des Meisters vom Stuhl, die dieses Amt auch als die beiden stellvertretenden Vorsitzenden im Vereinsvorstand bekleiden. Und dann gibt es noch den ersten und den zweiten Schaffner. Der erste Schaffner hat die Tafel zu organisieren, an dem die Freimaurer nach der Tempelarbeit speisen, der zweite hat darauf zu achten, dass die Loge „gedeckt“ ist und sich wirklich nur Freimaurer im Tempel aufhalten.

Auch der Begriff „gedeckt“ stammt aus der jahrhundertealten Tradition der Bauhütte. Denn wenn sich die Baumeister in der Bauhütte trafen, gingen sie nicht etwa durch eine Tür in den Raum, sondern stiegen von oben in die Bauhütte und deckten sie wieder mit Schindeln ab, um ihre Gespräche wirklich in aller Abgeschiedenheit führen zu können. Ebenso, wie sie heute zwar Gästen auch das Tempelinnere zeigen, aber grundsätzlich kein Nichtmitglied an der Arbeit im Tempel oder der Tafel danach teilnehmen lassen.

Was aber ist die Arbeit im Tempel? Jeweils für einen bestimmten Zeitraum werden feste Redner bestimmt, die nach der Begrüßung durch den Meister vom Stuhl zu einem bestimmten Thema zu sprechen, den Freimaurer im Tempel die „Zeichnung“ zu geben, wie diese Vorträge genannt werden. Mehr aber geben die Freimaurer auch an diesem Vortragsabend ihren Gästen nicht preis.

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