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Callcenter für Notlagen

Seit zehn Jahren kooperieren Polizei und Feuerwehr in der Hamelner Leitstelle

Wer die 110 wählt, landet beim Notruf der Polizei, wer die 112 wählt, bei Feuerwehr und Rettungsdienst. In den meisten Regionen sind beide Leitstellen voneinander getrennt – in einigen jedoch arbeiten sie gemeinsam, etwa in Hameln, von wo aus die Landkreise Hameln-Pyrmont und Holzminden abgedeckt werden. Läuft dort nun alles besser?

veröffentlicht am 12.02.2018 um 14:35 Uhr

Die Kooperative Leitstelle von Polizei und Feuerwehr in Hameln besteht seit zehn Jahren. Sie ist die erste ihrer Art in Niedersachsen und zudem für zwei Landkreise zuständig. Foto: ube

Autor:

Elmar Stephan
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HAMELN/OSNABRÜCK. Ein Großraumbüro, rechts und links Schreibtische mit Monitoren. Konzentrierte Arbeitsatmosphäre, die Mitarbeiter haben Headsets auf. Kein Klingeln ist zu hören, es ist unerwartet leise. Ein junger Polizist schaut aufmerksam auf seinen Monitor und spricht in sein Mikrofon: „Ich habe Ihren Namen nicht richtig verstanden, könnten Sie ihn noch mal wiederholen?“ Was aussieht wie ein großes Callcenter, ist in gewisser Weise auch eins – nur, dass hier keine Kunden von Versandunternehmen anrufen, sondern Menschen in Not. Gleich zwei Leitstellen arbeiten hier direkt neben- und miteinander: Die der Polizeidirektion Osnabrück und die der Feuerwehr und des Rettungsdienstes in Stadt und Landkreis Osnabrück.

In Niedersachsen gibt es fünf solcher Kooperativer Regionalleitstellen: Neben Osnabrück sind sie in Hameln, Oldenburg, Lüneburg und Wittmund eingerichtet worden. In Oldenburg und Osnabrück startete der Betrieb 2012. Zwei Jahre später folgte die Leitstelle in Wittmund, die die Notrufe für die Landkreise Aurich, Leer und Wittmund und die Polizeieinsätze für die Stadt Emden koordiniert. 2015 nahm die Kooperative Leitstelle in Lüneburg ihre Arbeit auf. Am längsten kooperieren Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei im Weserbergland: In Hameln wurde die erste derartige Regionalleitstelle Niedersachsens bereits im Jahre 2008 eingerichtet.

Wie sieht die Arbeit in einer solchen Leitstelle aus? „Auf der linken Seite sitzen bei uns die Kollegen der Polizei, auf der rechten die der Feuerwehr“, sagt Phil Havermann, Leiter der Osnabrücker Regionalleitstelle. Nach wie vor laufen die Notrufe für 110 (Polizei) und 112 (Feuerwehr und Rettungsdienst) an unterschiedlichen Arbeitsplätzen auf. Aber sie können ganz leicht von einem Tisch zum anderen weitergeleitet werden. Eindeutige Feuerwehrnotrufe, die bei der Polizei auflaufen, werden per Mausklick und einem Winken an die richtigen Adressaten umgeleitet, umgekehrt ebenso. „Früher mussten wir noch zum Telefon greifen und die Feuerwehr verständigen“, sagt Dietmar Stattkus, Leitender Beamter vom Dienst.

Hand in Hand arbeiten – besonders, wenn es schnell gehen muss: Das ist auch das Prinzip der kooperativen Leitstelle in Osnabrück. Foto: dpa
  • Hand in Hand arbeiten – besonders, wenn es schnell gehen muss: Das ist auch das Prinzip der kooperativen Leitstelle in Osnabrück. Foto: dpa

Experten sehen Vorteile in diesem Modell: Die Zusammenarbeit von Polizei und Feuerwehr laufe deutlich schneller und koordinierter ab als in getrennten Leitstellen, sagt Mathias Kutzner, Sprecher der Polizeidirektion Oldenburg. Die Einsätze könnten auch deutlich professioneller geführt werden. Insbesondere die GPS-Ortung der Einsatzkräfte und der Einsatzfahrzeuge steigere die Effizienz und Sicherheit, sagt Mathias Fossenberger von der Polizeidirektion Lüneburg. Größere Einsatzlagen bis hin zu möglichen terroristischen Szenarien seien durch die gebündelte Kompetenz und permanente Fortbildung eher zu beherrschen.

Wohin man schaut: Dort, wo es Kooperative Leitstellen gibt, sind die Erfahrungen positiv. Aus Sicht des Landesinnenministeriums haben sie die in sie gesetzten Erwartungen mehr als erfüllt. Aber trotz der guten Erfahrungen sind neue Kooperative Leitstellen erst einmal nicht geplant, sagt ein Sprecher.

Im Bereich der Polizeidirektion Oldenburg hat die eine große Regionalleitstelle sieben Einsatzleitstellen der Polizei und sechs Leitstellen für Feuerwehr und Rettungsdienst der kommunalen Kooperationspartner abgelöst. Das ist aber nicht überall so. In Lüneburg wird seitens der Polizei der gesamte Bereich der Polizeidirektion abgedeckt und seitens von Feuerwehr und Rettungsdienst der Bereich von Stadt und Landkreis Lüneburg. Rettungsdienste und Feuerwehren der anderen Landkreise im Bereich der Polizeidirektion sind hingegen nicht dabei.

In Osnabrück gehören auch Stadt und Landkreis Osnabrück zu den Trägern der Regionalleitstelle, Polizeinotrufe aus den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim laufen dort ebenfalls auf, Feuerwehr- und Rettungsdiensteinsätze aus den beiden genannten Kreisen aber nicht. Im nördlichen Teil der Direktion Osnabrück wurde letztlich die Kooperative Leitstelle in Wittmund gegründet.

Nach wie vor gibt es in Niedersachsen also einen bunten Flickenteppich bei den Leitstellen. Das spiegelt sich auch bei den Trägern wider: Für die Polizei ist das Land, für Feuerwehr und Rettungsdienst die kreisfreien Städte und Kreise zuständig, erklärt der Osnabrücker Regionalleitstellen-Vorstand Bärbel Rosensträter.

Im Landkreis Emsland sieht man es als wichtig an, eine eigene Leitstelle in der Region zu haben. Der offiziell seit 2014 betriebene Leitstellenverbund mit der Grafschaft Bentheim funktioniere sehr gut, sagt Kreissprecher Udo Mäsker.

„Man kann nicht alles über eine gemeinsame große Leitstelle betreiben. Manchmal braucht man auch noch Menschen mit Ortskenntnis“, sagt der Sprecher des Kreises Grafschaft Bentheim, Jürgen Hartmann. Solches Insiderwissen könne auch eine noch so gute Computerunterstützung nicht bieten.

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