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Künstler des Weserberglandes im Porträt – heute: Friedrich Heißmeyer aus Lachem

Skulpturen, Malerisches und mehr

Früher grasten hier Kühe, jetzt steht hier Kunst. Kleine Objekte, verteilt über die weitläufige, frisch gemähte Wiese, aber auch monumentale Werke, wie etwa die Skulpturen, aus Baumstämmen geschaffen, die ein Sturm umgeknickt hat. Und nicht nur auf der Grünfläche, die mit ihrem alten Baumbestand eher einem Park gleicht, befinden sich die verschiedenen Skulpturen aus Holz, Stein und Bronze. Kunst lauert auch an anderen Stellen des ehemaligen Bauernhofes in Lachem.

veröffentlicht am 09.10.2017 um 09:00 Uhr

Friedrich Heißmeyer in seiner zum Atelier ausgebauten Scheune. Foto: amg
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Alda Maria Grüter Reporterin
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In der Scheune etwa, die zum Atelier ausgebaut wurde. Hier arbeitet Friedrich Heißmeyer seit 1969. „Ich fühle mich überwiegend als Bildhauer, arbeite andererseits auch vielfältig. Mache nicht nur Plastiken, sondern auch Malerisches, Graphisches, Drucktechnisches.“

Die Inspirationen, sagt Heißmeyer weiter, kämen im Arbeitsprozess, wobei er eigentlich ständig mit dem beschäftigt sei, was ihn für sein künstlerisches Schaffen anrege: Blätter, der Wind, der Himmel, der Vogelflug – Dinge, die ihn im Alltag begleiten. Der von Hand gesäte Keimling, ein weiteres Motiv, das aus seiner „bäuerlichen Vorzeit“ stamme, sagt Heißmeyer.

Die Landwirtschaft sei freilich längst aufgegeben worden. „Aber zu Zeiten meines Großvaters, hatten wir hier Kühe, Schweine Rinder, Pferde. Und ich habe auf dem Hof geholfen“, erinnert sich Friedrich Heißmeyer. Alles habe er mitgemacht, vom Treckerfahren über Kartoffelpflanzen bis hin zur Zuckerrübenernte. Doch dass seine berufliche Zukunft woanders liegen sollte, das sei ihm sehr früh bewusst gewesen. Der Hof habe sowieso nicht genug Land besessen, als dass man später daraus seine Existenz finanzieren könnte, erläutert Heißmeyer weiter.

Überall auf dem ehemaligen Bauernhof ist Kunst zu finden. Foto: amg
  • Überall auf dem ehemaligen Bauernhof ist Kunst zu finden. Foto: amg
Mehr als mannshoch: die Pendelskulptur mit dem poetischen Titel „Der Wunsch nach dem erblauenden Herzen“. Foto: amg
  • Mehr als mannshoch: die Pendelskulptur mit dem poetischen Titel „Der Wunsch nach dem erblauenden Herzen“. Foto: amg

Wie auch immer – seine Leidenschaft, das war die Kunst. Diese zum Beruf zu machen, ein Ziel, von dem sich Friedrich Heißmeyer nicht abbringen ließ. „Obwohl mich meine Eltern deswegen sogar enterben wollten, weil: Der Sohn, ein Künstler – das war gegen jegliche Vorstellungen in ihrem Leben.“

Der Sohn, ein Künstler – das war gegen jegliche Vorstellungen in ihrem Leben.

Friedrich Heißmeyer, Bildhauer

Seine eigenen Vorstellungen allerdings sollte Friedrich Heißmeyer letztlich doch umsetzen: 1959 nahm er sein Studium der Bildhauerei auf, besuchte die Folkwangschule in Essen, die École des Beaux-Arts in Paris und die Hochschule für bildende Künste in Berlin, wo er Meisterschüler bei Professor Gonda wurde. „Mein Professor sagte immer: Nur in der Großstadt kannst du bekannt und berühmt werden. Sicher ist da etwas dran, dass man in der Stadt ganz andere Hebel in Bewegung setzen kann als auf dem Land.“ Die Förderung sei hier eher unattraktiv. Andererseits: Die Konkurrenz sei damals in Berlin groß gewesen, es habe viele Künstler gegeben, die auf Aufträge warteten.

„Ein Bildhauer braucht ja Aufträge, wenn er Geld in die Hand kriegen möchte, um arbeiten und leben zu können. Da passte es gut, dass das elterliche Haus zur Verfügung stand: Heißmeyer zog mit Frau und zwei Kindern zurück nach Lachem. Von 1970 bis 2000 unterrichtete er hauptberuflich als Kunstlehrer in Rinteln am Ernestinum und in Hameln am AEG. Seit dem Eintritt in die Rente, 2003, widmete er sich voll seiner Arbeit als freischaffender Künstler.

Seine Werke waren in Ausstellungen in der Region zu sehen, unter anderem in Hameln in der Arche und im Kunstkreis, aber auch im Ausland, wie etwa in Holland. Die Welt verbessern wolle er nicht. Statt sich der „politischen Kunst“ zu widmen, bleibe seine Arbeit im „Rahmen des Philosophisch-Ästhetischen“.

Viele Motive greift Heißmeyer konstant wieder auf: So etwa den Apfel als Symbol des Lebens, der Liebe, der Erkenntnis und der Pendel, „der sinnbildlich für etwas steht, das sich zum Erdmittelpunkt neigt, sich aber trotzdem in verschiedene Richtungen bewegt und auch das, was darunter ist, umkreist und markiert.“

Blau ist die Farbe des Verwandelns, des Geheimnisses.

Friedrich Heißmeyer, Künstler

Der Mensch, deutet Heißmeyer das Pendel-Motiv weiter, sei nicht in der Lage, sich absolut zu bestimmen: „Es sind immer Zufälle, die uns treiben und oft in ganz andere, unerwartete Richtungen stupsen. Eine seiner „Pendel-Skulpturen“ trägt den poetischen Titel „Der Wunsch nach dem erblauenden Herzen“. Sie ist, wie viele seiner Arbeiten, mehr als mannshoch. Farblich sticht hier der Blauton hervor: „Blau“, erklärt Heißmeyer, „ist die Farbe des Verwandelns, des Geheimnisses“. Dem Geheimnis des Lebens versucht er auf die Spur zu kommen, in dem er beispielsweise auch Aspekte aus der buddhistischen Philosophie in seine Arbeiten einfließen lasse, entsprechend auch Materialien und Techniken, wie etwa die Raku-Technik, anwende. Dazu inspiriert habe ihn seine erste Japanreise 1990. Zurzeit bereitet Friedrich Heißmeyer eine Ausstellung vor, die im November im Kunstkreis zu sehen sein wird. Das sei erst mal die letzte Präsentation in diesem Jahr, „denn im Alter lassen die Kräfte allmählich nach“.

Gleichwohl: „Ich freue mich über jede gelungene Arbeit und, das ist irgendwo auch eine Art Sucht – im positiven Sinne – die mich antreibt.“ Im Übrigen, fügt Heißmeyer schmunzelnd hinzu, erreichen nicht wenige Künstler ein ziemlich hohes Alter: „Das spricht dafür, dass man durch den Arbeitseinsatz auch Positives für sich, für Körper und Psyche erfährt.“

Also dürften künftig wohl noch weitere Kunstwerke Heißmeyers auf dem Hof stehen: Denn, auch mit 80 Jahren sei da „ein undefinierbarer Antrieb“, der ihn zum Weitermachen bewege.

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