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Boote werden überholt / Geschäft lokal rückläufig

Winter am Meer: Hochsaison für die Werft

Auf dem Steinhuder Meer gilt derzeit das Winterfahrverbot. Viele Schiffseigner nutzen die segelfreie Zeit, um ihre Boote auf Vordermann bringen zu lassen. Für die Werften rund ums Meer herrscht Hochsaison.

veröffentlicht am 03.01.2018 um 17:37 Uhr
aktualisiert am 03.01.2018 um 18:12 Uhr

Boote werden gesäubert, lackiert und ausgebessert. Foto: pr

Autor:

Christiane Lange-Schönhoff und Leon Denecke
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Für Christian Dietrich, Eigentümer der Bootswerft Bopp & Dietrich, steht jede Menge Arbeit im Auftragsbuch. Der 65-Jährige führt seit mehr als 30 Jahren sein Geschäft am Fischerweg in Steinhude. Dietrich und seine Mitarbeiter reparieren nicht nur Boote und lagern Schiffe ein, sie bauen auch welche. „Ein bis zwei im Jahr schaffen wir. Wir verkaufen unsere Schiffe bis nach Österreich“, sagt der Bootsbauer. Generell sei das Geschäft am Steinhuder Meer nämlich rückläufig. Darum sucht und findet Dietrich schon seit Jahren Kunden in Süddeutschland. Dort mache er den meisten Umsatz: „Seit vielen Jahren bauen wir für eine Werft am Starnberger See Rumpfschalen.“

Als Gründe für den Umsatzrückgang nennt Dietrich zunehmende Verschlammung und Reglementierungen auf dem Meer sowie Nachwuchsmangel in eigentlich allen Segelvereinen. Auch gebe es im Osten Deutschlands mittlerweile bessere Segelgebiete.

Obwohl Dietrich das Rentenalter erreicht hat, denkt er noch nicht ans Aufhören. Die Werft wurde 1985 eröffnet. 2003 trennten sich die beiden Gründer. Weil sich Bopp & Dietrich auf dem Markt etabliert hatte, behielt sie den Namen. Seitdem führt Dietrich das Geschäft. Unterstützt wird er von sechs Bootsbauern, davon vier Auszubildende. Lehrlinge zu bekommen, sei keine Schwierigkeit. Die Ausschreibungen liefen bundesweit und seien bei den Handwerkskammern einsehbar, sagt Dietrich. „Leider kommen die Leute oft mit romantischen Vorstellungen vom Beruf zu uns und merken dann schnell, dass es viel Arbeit ist“, hat der Bootsbauer festgestellt.

Hinterlassenschaften von Sturm Xavier: Christian Dietrich hat im Herbst und Winter viel zu tun. Foto: pr
  • Hinterlassenschaften von Sturm Xavier: Christian Dietrich hat im Herbst und Winter viel zu tun. Foto: pr

Gerade zum Saisonende fange die arbeitsreiche Zeit an. Im Spätsommer sei es etwas ruhiger, weil die Segler auf dem Wasser sind, berichtet Dietrich. Bei Bopp & Dietrich ist Platz für 120 Boote, aber auch diese Zahl ist rückläufig. Auf dem 2000 Quadratmeter großen Werftgelände gibt es trotzdem jede Menge Arbeit. Schiffe müssen aus dem Wasser gezogen, gesäubert, neu lackiert und ausgebessert werden. Je nachdem, was der Kunde wünscht, dauern die Ausführungen bis ins neue Jahr. Beim Sturm Xavier sei zum Beispiel ein 100 000 Euro teures Boot mit einem Pfeiler kollidiert. Ein großes Loch im Rumpf war die Folge. So ein Schaden belaufe sich schnell auf 10 000 Euro. Ein großes Stück der Schale müsse erneuert werden, und die bestehe aus mehreren Schichten.

Auch das 30 Jahre alte Segelschiff von Bernhard Wolff steht zurzeit aufgebockt in einer der Hallen. Der Wolfsburger lobt den Werftbesitzer: „Dietrich macht tolle Arbeit.“ Einen seltenen „Gast“ hat Christian Dietrich auch. Ein Auswanderer-Boot steht zur Überholung bereit. Darüber freut sich der Bootsbauer besonders. „Die Kapitäne bringen nur selten ihre Boote in die Werft. Oft reparieren sie selbst“, erzählt er.

Beim Schiffsbau verwendet die Werft Hölzer wie Teak, Mahagoni, Kiefer oder Eiche. „Früher hatten wir die Hölzer im Lager, heute bestellen wir sie nach Bedarf. Für Ausbesserungsarbeiten haben wir aber immer Material vor Ort“, versichert Dietrich. Das längste Boot, das in der Steinhuder Werft vom Stapel lief, hatte eine Länge von 12,80 Metern. „Das war in den Neunzigerjahren. Damals stießen wir damit eigentlich an unsere Grenzen. Aber wir waren jung und ehrgeizig“, sagt er schmunzelnd.

Zurzeit arbeitet Dietrich wieder an einem Eigenbau. Es ist ein Prototyp eines Elektrobootes, das die Werft auch auf ihrer Internetseite präsentiert. In etwa einem Vierteljahr soll es fertig sein.

Es gibt auch noch weitere Werften am Steinhuder Meer. Der Seglerservice Linnekuhl lagert Boote, pflegt und repariert sie. Die Winterlager sind in Sachsenhagen und Steinhude. Außerdem hat der Seglerservice zwei Holzstege mit 140 Liegeplätzen, Elektro-Anschlüssen, Frischwasser-Zugang, sanitären Räumen und Parkplätzen. Die Bootsoase Porsch überholt und repariert ebenfalls Boote und lagert sie für den Winter ein. Außerdem bietet sie einen An- und Verkauf an. Ihr Spezialgebiet sind nach eigenen Angaben Holzarbeiten sowie GFK- und Lackierarbeiten.

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