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Einmal straffen, bitte

Zahl der Schönheits-OPs steigt auch in Hameln

Ob Lidstraffung, Fettabsaugung oder Brustvergrößerung: „Was machen lassen“ war lange tabu. Das war Sache der Reichen und Prominenten, vorzugsweise in Hollywood. Inzwischen scheint der Trend in Deutschland in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein. Immer mehr Leute tun es und sprechen sogar darüber, sagt Dr. Sixtus Allert, Chefarzt der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie im Hamelner Sana- Klinikum. Im Büro und mit Freunden. Jüngere laden die Ergebnisse sogar bei Instagram hoch.

veröffentlicht am 04.11.2017 um 16:46 Uhr
aktualisiert am 05.11.2017 um 17:10 Uhr

Der Plastische Chirurg hat in der Moderne jede Menge zu tun: Die Zahl der Schönheits-OPs steigt. Foto: Desunderdiek.de / PR
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Werden wir also amerikanischer? „Definitiv“, sagt Allert. OPs seien zunehmend ein Thema. „Aber wir sind noch lange nicht so weit wie die Amerikaner, wo es nicht darauf ankommt, dass man beim Plastischen Chirurgen war, sondern bei wem.“ In Südamerika gehöre es inzwischen gar zum guten Ton, dass die jungen Mädchen ihre Po-Implantate bekommen. Auf die USA und Brasilien entfällt ein knappes Drittel der weltweit durchgeführten Schönheitsoperationen. Ganz vorn liegt die Brustvergrößerung mit rund 1,49 Millionen Eingriffen. „Die meisten Nasen werden allerdings nicht in Nord oder Südamerika gemacht, sondern im Iran, der Türkei und Israel“, sagt Allert.

In Deutschland haben Mitglieder der Ärzteverbände VDÄPC und DGÄPC 2016 insgesamt 47 698 Eingriffe ästhetisch-plastische Operationen durchgeführt, 10 Prozent mehr als 2015. Die Zahl der Eingriffe dürfte in Deutschland aber doppelt so hoch sein. Auch die Nachfrage nach minimal-invasiven Eingriffen bleibt ungebrochen: Die Anzahl dieser Behandlungen stieg um 20 Prozent an und liegt bei 51 500 im vergangenen Jahr.

Auch im Hamelner Sana-Klinikum haben die „Ästhetiker“ inzwischen deutlich mehr zu tun. Bei 10 bis 15 Prozent lag die Zahl der Schönheits-Operationen in der Plastischen Chirurgie im Jahr 2006. Inzwischen liegt sie in der Abteilung bei 30 Prozent. Bei Dr. Sixtus Allert, Chefarzt der Abteilung, liegt die Quote noch wesentlich höher: Fast 65 bis 70 Prozent seiner Zeit widmet er inzwischen ästhetischen Operationen. Dass die ästhetische Chirurgie ein wachsender Zweig im Sana ist, liegt auch daran, dass sich Hameln schon seit Längerem zu einem zugkräftigen Zentrum für Wiederherstellungschirurgie, also zum Beispiel Brustaufbau nach Krebsoperation, entwickelt hat. Ihr Anteil bildet mit 70 Prozent noch immer klar den Schwerpunkt der Abteilung. Denn dort, wo man gut wiederherstellen kann, liegt die Schönheitschirurgie nicht fern.

Dr. Sixtus Allert
  • Dr. Sixtus Allert

Am beliebtesten sind im Sana Oberlid- und Unterlidstraffungen, es folgen Brustoperationen und Bauchdeckenstraffungen. Auch Fettabsaugung steht hoch im Kurs. Und seit Allert die „funktionellen Nasen“ macht, also, die, die aufgrund einer medizinischen Diagnose operiert werden, steigt auch in diesem Bereich die Nachfrage nach Schönheits-OPs.

Information

Top 5 der Schöhneits-OPs

Frauen:

1. Fettabsaugung

2. Brustvergrößerung

3. Oberlidstraffung

4. Bruststraffung

5. Intimchirurgie

Männer:

1. Fettabsaugung

2. Gynäkomastie (Brustentfernung)

3. Oberlidstraffung

4. Unterlidstraffung

5. Nasenoperation

Es gibt aber auch einen Abwärtstrend: „Facelifts werden interessanterweise kaum noch nachgefragt“, erläutert Allert. Der Grund sind die vielen anderen Methoden, um die Haut im Gesicht zu straffen, so der Mediziner. „Das Resultat hält zwar nicht solange wie ein Facelift, doch dafür gibt es weniger Risiken, die Eingriffe erfolgen meistens ambulant.“ Bei der ersten Alternative wird ein Faden mit einer Nadel unter die Haut der Wange gezogen. Mit kleinen Widerhaken wird der Faden unter der Haut verankert: „Die Haut wird quasi am Faden aufgefädelt“, erklärt Allert. Rund zwei Jahre wirkt der Realzauber. Bei der zweiten Methode wird mit Eigenfett gearbeitet. Im Fett sind Stammzellen, das in Wangen und auch unter Verbrennungsnarben gegeben wird. Die Stammzellen werden mit der Zeit zu normalen Hautzellen.

Ziemlich neu und derzeit in aller Munde ist das „Vampirlift“: Beim sogenannten „PRP“ wird mit angereichertem Plasma gearbeitet. Dabei wird Eigenblut zentrifugiert, dann mit chemischen Wachstumsfaktoren versetzt, und unter die Haut gespritzt. „Es entsteht ein ähnlicher Effekt wie bei Stammzellen, nur, das noch Wachstumsfaktoren dabei sind. Die Methode ist teurer, aber sehr beliebt“, so Allert.

Zu den „Burnern“ im wahrsten Sinne des Wortes gehört die „Kryolipolyse“, eine Kältetherapie, die das Fett quasi abschmilzt. Dazu werden die anvisierten Bereiche, zum Beispiel die Innenseiten der Oberschenkel, mit Applikatoren – nie mehr als zwei auf einmal – abgedeckt. Dann gibt es Kälte satt. Und zwar mit Apparaten, die – im Gegensatz zu Kosmetikinstituten – nur unter ärztlicher Aufsicht genutzt werden dürfen. Das sowieso schlecht durchblutete Fett stirbt durch die Kälte ab, und wird dann vom körpereigenen Müllabfuhrsystem, den Makrophagen abtransportiert. Der Prozess dauert sechs bis acht Wochen und „es zwiebelt“ schon. Das Ergebnis: maximal 30 bis 35 Prozent Umfangreduktion.

Information

So viel kosten die OPs

Durchschnittliche Kosten für beliebte Eingriffe:

Brustvergrößerung mit Implantat: 5500 Euro bis 7500 Euro

Augenlidkorrektur: 2000 Euro je Lid

Fettabsaugung: ab 1000 Euro bis zu 10 000 Euro

Facelift: ab 5000 Euro

Botulinumbehandlung (auch Botox genannt): 300 bis 600 Euro

Bruststraffung: 5000 bis 8000 Euro

Stirnlift: ab 3000 Euro

Quelle: DGÄPC

„Mit der Fettabsaugung schafft man viel mehr, aber das ist wieder operativer Eingriff“, sagt Dr. Sixtus Allert. Zu dem Plastischen Chirurgen kommen vor allem Frauen, um wieder straffer und frischer auszusehen. Wenn Männer den Schritt wagen – im Moment sind es rund 10 Prozent, Tendenz steigend – wollen sie meist, dass das Fett abgesaugt oder die Männerbrust entfernt wird. Das entspricht dem Bundestrend. In Praxen sei der Anteil der Männer schon höher, sagt Allert.

Einige Bereiche gibt es in der Abteilung, die sich in der Grauzone zwischen plastischer und ästhetischer Chirurgie bewegen. Zum Beispiel die Bauchdeckenstraffung bei Patienten, die zwischen 60 bis 150 Kilo Gewicht verloren haben und mit entsprechend übergroßer Haut kommen. Bei ihnen muss Allert oft genauso mit den Krankenkassen um die Kostenübernahme kämpfen wie bei Brust-OPs. Der Klassiker: Brust, sowohl Verkleinerungen, als auch Vergrößerungen. Straffen ja, Volumen nein. Also bezahlen die Patienten die Implantate zum Teil selbst, „das sind dann Mischkalkulationen“, sagt Allert. Ein Problem sei, dass es keine allgemeingültige Definition gibt, ab wann Brust-OPs gezahlt werden und wann nicht.

Information

Schwerpunkt Wiederherstellung

Schwerpunkt Wiederherstellung: Rund 700 Operationen werden in der Abteilung Plastische und Ästhetische Chirurgie sowie Handchirurgie im Sana-Klinikum Hameln pro Jahr durchgeführt. Der Schwerpunkt liegt mit 70 Prozent bei der Wiederherstellungschirurgie. Dazu gehören zum Beispiel Straffungsoperationen nach Gewichtsverlust oder Geburt, Wiederaufbau der Brust nach Krebsoperation oder die Versorgung frischer und chronischer Wunden. Auch Korrekturen von Veränderungen der männlichen Brust gehören in diesen Bereich. Die Handchirurgie gibt es im Sana seit 2006. Hier werden neben der Versorgung frischer Verletzungen vielfältige Therapien angeboten, wie zum Beispiel Korrekturen bei Fehlbildungen oder auch die Behandlung von Nervenengpässen an Hand und Unterarm. Obwohl der Schwerpunkt der Abteilung nach wie vor bei der Wiederherstellungschirurgie liegt, ist der ästhetische Anteil der Operationen höher als in anderen Kliniken. Das liegt daran, dass Chefarzt Dr. Sixtus Allert eine breite Ausbildung hat und sein Team entsprechend weiterbilden kann.

Und kann man vor der OP auch eine Computersimulation machen? Dr. Sixtus Allert macht das nur noch bei Nasen. „Alles andere führt zu unrealistischen Erwartungen, trotz super Software.“ Das habe die Erfahrung gezeigt. Und manchmal erzeuge man Wünsche, die gar nicht die Wünsche der Patientin sind.

Zur Person

Dr. Sixtus Allert ist seit 2001 Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Von 2001 bis 2003 arbeitete er als Oberarzt in Hameln, danach führte er für eine Klinikkette rein ästhetisch Operationen durch. Anschließend machte er eine Ausbildung zum Handchirurgen im Friederikenstift Hannover. 2006 kehrte er als Chefarzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie sowie Handchirurgie ins Sana zurück. Seit 2005 hat er zudem eine Zusatzbezeichnung für Handchirurgie. Allert ist seit 2014 im Focus für die Bereiche Brustchirurgie und Bodylift als „Top-Mediziner“ gelistet und hat die Qualifikation über die vergangenen Jahre halten können. Kürzlich erhielt er die Nachricht, dass er auch für Bauchdeckenstraffung gelistet werden soll.

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