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Getanzte Sinnlichkeit

8. Hamelner Tanztheatertage mit vier herausragenden Choreografien

HAMELN. Die vielleicht wichtigste – wenn auch nicht wirklich überraschende – Aussage von Hamelns Theaterchef, Wolfgang Haendeler, anlässlich einer Pressevorstellung zu den 8. Hamelner Tanztheatertagen: sie werden auch in der kommenden Saison wieder für Furore sorgen. Wieder vier Abende – Tanz pur. Und erstmals sozusagen nach Haendelers Pfeife getanzt – denn das Programm, das am 24. März um 20 Uhr mit „Romeo und Julia“ mit dem TanzTheater Münster in der Choreografie von Hans-Henning Paar startet, wurde noch von Dorothée Starke in den Spielplan genommen.

Autor

Richard Peter Reporter

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Für Haendeler ist Tanz für das Theater „ungeheuer wichtig“, wie er sagt, und nachgeschoben: „es hat mich gefreut, dass es sie gibt, die Tanztheatertage, dieses gehätschelte Lieblingskind von Starke, das in der Vergangenheit immer wieder für faszinierendes Tanztheater sorgte. Vor allem auch die Adaption von Kafkas „Das Schloss“, ebenfalls unter Paar, das mit seiner fantasievollen Umsetzung mit einer bezwingenden Bildsprache und Körperlichkeit in Erinnerung geblieben ist.

Jetzt der Shakespeare-Hit „Romeo und Julia“ in der genialen, 1938 in Brünn uraufgeführten Ballettmusik von Sergej Prokofiew. Ein Tanzklassiker, von Paar zeitlos choreografiert, auch wenn die Renaissance-Welt in den Kostümen immer wieder präsent ist. Eine tragische Liebesgeschichte, sozusagen die Liebesgeschichte der Liebesgeschichten, die bei Paar gleichermaßen einfühlsam wie kraftvoll getanzt wird.

Bereits zwei Tage später, schon um 18 Uhr, das NRW Juniorballett – das, so Haendeler, auch für die nächste Spielzeit bereits gebucht ist. Das Besondere dieser Truppe unter Dortmunds Ballettchef Xin Peng Wang – es besteht aus zwölf besonders talentierten Absolventen von Tanzakademien aus aller Welt. Ein Feuerwerk unterschiedlichster Choreografien, das vielleicht vielfältigste Programm der diesjährigen Tanztheatertage, dem ein „sehr hohes Niveau“ bescheinigt wird – Haendeler spricht begeistert von einer „kostbaren Bonboniere“.

  • Auf dem Programm von ,Rioult Dance New York“ stehen Choreografien zu Bachs „Wohltemperierten Klavier“ und Ravels „La Valse“. Foto: Eric Bandiero

Eine fulminante Mischung von Schubert bis Joe Cocker, das mit Bachs Opus Magnum, einem Ausschnitt aus der Matthäuspassion, in der die Passionsgeschichte Christi zur Passionsgeschichte der Menschheit wird, wie es in der Ankündigung heißt.

Nach den beiden „inländischen“ Produktionen, die, was die Besetzung betrifft, allemal international ist, weil Tanz mit seiner Sinnlichkeit über eine eigene globale Sprache verfügt, das „Rioult Dance New York“ – und von Hamlens Dramaturgin Ilka Voss vorgestellt. Wann immer amerikanische Compagnien bei uns zu Gast waren – sie überzeugten durch Ideen-Vielfalt, slapstickartigen Humor und einer absolut perfekten Technik. Auf dem Programm Choreografien zu Bachs „Wohltemperierten Klavier“ und Ravels „La Valse“, das als Metapher für Dekadenz und moralischen Verfall einer Gesellschaft steht. Nach der Pause eine Mischung von Gluck, Mozart, Pärt und Bach - die typische Paarkonstellationen reizvoll choreografiert und auslotet.

Finale an diesem 29. März, Beginn 20 Uhr, mit Tschaikowskys Suite Nr. 2, C-Dur, der „Suite charactéristique“.

Ganz sicher ein aufwühlender Höhepunkt der Tanztheatertage am 1. April, 20 Uhr, mit „Black Diamond“ mit der „Danish Dance Company“, die faszinierend mit den Facetten eines Diamanten spielt, von strahlendem Weiß bis zu tiefstem Schwarz.

In der Choreografie von Tim Rushton verbinden sich klassisches Ballett und Modern Dance, in dem auch virtuos mit Licht gespielt wird. Ein Ballettereignis in seiner schönsten Form: Sinnlichkeit pur.

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