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Die „Wundertüte“ der Leipziger Shortlist

Anspruch statt Popularität

LEIPZIG. Tausende Seiten hat die Jury für den Preis der Leipziger Buchmesse gelesen, wochenlang diskutiert und verworfen – jetzt hat sie sich auf eine Shortlist verständigt. Die Belletristik-Liste ist eine „Wundertüte“, die Literaturkritiker nicht unbedingt erwartet haben: Isabel Fargo Cole mit „Die Grüne Grenze“, Esther Kinsky mit „Hain. Geländeroman“, Georg Klein mit „Miakro“ sowie Matthias Senkel mit „Dunkle Zahlen“

veröffentlicht am 08.02.2018 um 16:33 Uhr

Eine Frau steigt in der Glashalle der Neuen Messe in Leipzig eine Treppe mit dem Logo der Leipziger Buchmesse hinauf. Die Entscheidung über die Preisträger fällt am 15. März. Foto: dpa

Autor:

André Jahnke

Als Überraschung auf der Liste für den renommierten Buchpreis geht der Debütroman von Anja Kampmann („Wie hoch die Wasser steigen“) ins Rennen.

Von populären Autorennamen oder Bestsellerlisten lässt sich auch in diesem Jahr die Jury nicht verleiten. „Unsere Kriterien sind: Was macht der Autor mit der Sprache, wie originell sind Thema und Gestaltung, wie hoch sind der literarische Anspruch und das intellektuelle Niveau“, betont die Vorsitzende der siebenköpfigen Jury, Kristina Maidt-Zinke. Die Juroren seien bemüht, den Kunstaspekt im Blick zu behalten. Nicht selten sei man, wie schon im Vorjahr, von renommierten Autoren enttäuscht. Dennoch freue man sich, „wenn einer unser Preisträger auf die Bestsellerliste kommt, aber das ist nicht unser vorrangiges Ziel.“

Der Leiter des Literaturhauses Hamburg, Rainer Moritz, ist von der Ausgewogenheit der Shortlist angetan: „Die Liste der Jury ist eine Wundertüte, in die bewusst viel Überraschendes hineingeworfen wurde.“ Es sei eine ausgewogene Auswahl, die nicht langweilig erscheine.

Der Literaturkritiker Hubert Winkels, der bis 2015 selbst Jury-Chef in Leipzig war, bezeichnet die Belletristikliste gar als wagemutig. „Bei drei nahezu Neulingen kommt der Mut der Jury durch, etwas Neues zu entdecken.“ Lediglich Georg Klein mit „Miakro“ sei keine Überraschung, schließlich habe der Augsburger bereits 2010 den Leipziger Buchpreis gewonnen.

Winkels‘ Favorit ist jedoch Esther Kinsky mit „Hain. Geländeroman“. „Es ist eine Italienreise als Requiem.“ Darin macht die Hauptfigur, nach dem Tod ihres Mannes, die Reise durch Italien, die das Paar gemeinsam nie geschafft hatte. „Sie bewegt sich durch das Land wie durch einen großen Friedhof. Ein todtrauriges, aber wunderschönes Buch“, schwärmt Winkels. Das Alleinstellungsmerkmal des Leipziger Buchpreises ist laut Winkels jedoch die Hervorhebung der Sachbücher und Übersetzungen.

Der Preis der Leipziger Buchmesse ist mit insgesamt 60 000 Euro dotiert, die Sieger in den drei Kategorien erhalten je 15 000 Euro. „Die Jury wird sich nun in die Shortlist-Titel vertiefen. Die Entscheidung über die Preisträger fällt dann kurz vor der Verleihung am 15. März“, erläutert die Jury-Vorsitzende Maidt-Zinke.

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