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Beth Hart rockt das Theater am Aegi

Das Energiebündel

HANNOVER. Am Ende ihres über zweistündigen Auftritts sitzt Beth Hart am Klavier und singt ohne ihre Band die Pianoballade „No Place Like Home“. Eine Reflexion über das unruhige Tourleben und Ausdruck einer 45-Jährigen, die die wilden Drogenzeiten hinter sich weiß und als verheiratete Frau einen Heimathafen zu schätzen weiß.

veröffentlicht am 19.05.2017 um 15:09 Uhr

Beth Hart bescherte ihrem Publikum dank ihrer Stimme einen einem fulminanten Konzertabend. Foto: jed
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Autor

Martin Jedicke Reporter
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„Sister Heroine“ erzählt von der Abhängigkeit und dem Scheitern ihrer Schwester, die sie als ihre Heldin bezeichnet. Dies sind die besinnlichen Augenblicke an einem fulminanten Konzertabend mit einer Sängerin, die Rock, Blues, Soul und Singer/Songwriter-Pop ineinanderfließen lässt, die aber vor allem mit einer Stimme glänzt, die sowohl an Aretha Franklin als auch an Janis Joplin, die sie in einem Musical verkörperte, erinnert. Und diese Stimme droht das gediegene Theater am Aegi in Schutt und Asche zu legen, wenn sie schreit, kreischt und heult. Da ist Hart ganz das Energiebündel, die sich auch von beeindruckenden Plateau-High-Heels und einem verrutschten Minikleid nicht bremsen lässt.

Das Dekolleté gerichtet, das Kleid heruntergezupft, kniet sie an der Rampe, singt sich auf dem Boden liegend die Seele aus dem Leib. Besonders eindrucksvoll bei der jazzigen Phrasierung in „Caught Out in the Rain“ oder dem riffrockigen „Fat Man“. Ob als Animateurin oder etwas zurückgenommen mit Akustikgitarre auf einem Hocker sitzend – für Abwechslung ist gesorgt. Und Hart ist eine prima Pianistin.

Mal klingt der Anschlag nach einer vergessenen Elton-John-Perle und in „Love Is a Lie“ meint man Rick Davies‘ perkussiv-bombastischen Tastendruck für einen Supertramp-Song wiederzuerkennen. Doch bei allen Schubladen erweist sich die Amerikanerin als eigenständige Künstlerin, deren Bühnenpräsenz und Stilvielfalt kaum Grenzen kennt. Ganz wunderbar der Novelty-Spaßmacher „Jazz Man“, aber auch das Leonard Cohen gewidmete „Love Gangster“. Die rund 1000 Gäste lassen sich schnell zum Mitsingen und -klatschen hinreißen und immer wieder zu stehenden Ovationen.

Für die Zugaben bittet Hart ihren Support Gary Hoey auf die Bühne. Der hatte zu Beginn ein knackiges 30-Minuten-Set hingelegt, das anschließend für reichlich Andrang am Merchandising-Stand sorgt. Sein Rock`n`Roll-infizierter Blues-Rock erfindet das Genre nicht neu, bietet aber allerbeste Unterhaltung. Was für ein Klasse-Gitarrist Hoey ist, zeigt sich im Zusammenspiel mit Beth Hart – und lässt bei Fans die Vorfreude auf Harts nächste Koproduktion mit Joe Bonamassa steigen. Der Blues-Gitarrist hatte bereits letzten Sonntag seine Visitenkarte abgegeben. Warum also beim nächsten Mal nicht ein gemeinsames Gastspiel?

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