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Schriftsteller Uwe Tellkamp löst mit seinen Äußerungen über Flüchtlinge Diskussionen aus

Die Kultur der rechten Meinung

DRESDEN. Die Leipziger Buchmesse beginnt erst am Donnerstag, aber schon jetzt ist klar, dass es dabei erneut um Rechte gehen wird. Und um den Umgang des Literaturbetriebes mit ihnen: mit rechten Verlagen, rechten Autoren und dem Recht auf freie Meinungsäußerung. Wie schwer dabei eine Grenzziehung fällt, zeigt die Kontroverse um den Schriftsteller Uwe Tellkamp.

veröffentlicht am 13.03.2018 um 17:12 Uhr
aktualisiert am 13.03.2018 um 20:30 Uhr

Schriftsteller Uwe Tellkamp sorgt mit seinen Äußerungen für kontroverse Diskussionen. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Autor:

Martin Fischer

Im Diskurs mit dem Lyriker Durs Grünbein hatte Tellkamp seine Nähe zur AfD und der ausländerfeindlichen Pegida in Dresden offen zur Schau gestellt. Bei diesem Thema geht schon lange ein Riss quer durch die sächsische Gesellschaft und zuweilen auch die Staatsregierung.

Wohlgemerkt: Der Streit der Literaten im Dresdner Kulturpalast war so geplant und so gewollt und im Titel schwarz auf weiß zu lesen: „Streitbar! Wie frei sind wir mit unseren Meinungen?“ – insofern eigentlich auch alles gut gelaufen. Mit der Veranstaltung Ende vergangener Woche präsentierte sich Dresden im Rahmen der Bewerbung um den Titel „Kulturhauptstadt Europas“. Sowohl Tellkamp als auch Grünbein stammen aus Dresden.

Die Empörung und die Empörung über diese Empörung setzte erst richtig ein, als der Suhrkamp-Verlag am Freitag auf die umstrittenen Äußerungen Tellkamps reagierte und sich von seinem Autor distanzierte. Der Erfolgsroman „Der Turm“ (2008) war bei Suhrkamp erschienen. Bei der Debatte vor mehreren Hundert Zuschauern hatte der 49-jährige Tellkamp zu den Motiven von Flüchtlingen unter anderem gesagt: „Die meisten fliehen nicht vor Krieg und Verfolgung, sondern kommen her, um in die Sozialsysteme einzuwandern, über 95 Prozent.“

Nach dem Suhrkamp-Tweet – zum Aufbau der Distanz reichten knapp 150 Zeichen – sah sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer genötigt, Tellkamp zur Seite zu springen. Der CDU-Politiker weiß um den schwierigen Umgang mit rechten Meinungen und der von Populisten so gern selbst inszenierten Opferrolle in der rechten Ecke: Wird Tellkamp, dessen politische Position spätestens seit Unterzeichnung der „Charta 2017“ eigentlich deutlich sein sollte, auf einer Welle der Empörung dort hineingespült, schnappt die Falle zu.

Der 42 Jahre alte Regierungschef wünscht sich eine Diskussion in der Sache und warnt: „Wenn ein Streitgespräch zur Verurteilung einer Person führt, darf man sich nicht wundern, wenn keine offene Debatte mehr geführt wird.“ Allerdings vergisst Kretschmer auch nicht zu betonen, dass er Tellkamps Meinung zu Flüchtlingen und Fluchtgründen zumindest in Teilen teilt.

Sachsen Kunstministerin Eva-Maria Stange sieht das mit dem sachlichen Diskurs im Fall „Tellkamp“ anders. Zwar handele es sich um des Schriftstellers „Privatmeinung, die ich nicht teile“, stellt die SPD-Politikerin klar. Aber: „Verallgemeinerungen dieser Art geben denen Futter, die mit ausländerfeindlichen Parolen das gesellschaftliche Klima vergiften.“

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