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Niedersachsens wichtigste literarische Auszeichnung für Wiener Autor

Franzobel erhält Nicolas-Born-Preis

HANNOVER. Eine weitere Ehre für einen bereits vielfach Geehrten: Der Schriftsteller Franzobel wird mit dem Nicolas-Born-Preis ausgezeichnet, der wichtigsten literarischen Auszeichnung, die das Land Niedersachsen zu vergeben hat. Am 14. September wird er den mit 20 000 Euro dotierten Preis im hannoverschen Sprengel-Museum entgegennehmen.

veröffentlicht am 10.08.2017 um 18:42 Uhr

Der österreichische Schriftsteller Franzobel (Stefan Griebl). Foto: Gert Eggenberger/APA/dpa

Autor:

Ronald Meyer-Arlt

Die Jury (der neben den früheren Trägern des Born-Preises Lukas Bärfuss und Daniela Krien auch die Journalistinnen Sandra Kegel und Ulrike Sárkány sowie der Literaturwissenschaftler Alexander Košenina angehören) begründete ihre Entscheidung so: „Franzobel ist trotz Auszeichnung mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis 1995 und dem Arthur-Schnitzler-Preis 2002 ein noch viel zu wenig geehrter Schriftsteller deutscher Sprache. Wucht und Virtuosität wohnen seiner Schaffensvielfalt inne, die Prosa, Drama und Lyrik ebenso umfasst wie Krimis oder Kinderbücher. All das würdigt der Nicolas-Born-Preis.“


Bestätigen statt Entdecken

Weil man Schriftsteller natürlich grundsätzlich gar nicht genug ehren kann, ist die Aussage, Franzobel sei „ein noch viel zu wenig geehrter Schriftsteller“ schon irgendwie richtig. Andererseits: Neben dem Ingeborg-Bachmann-Preis und dem Arthur-Schnitzler-Preis hat Franzobel auch den Wiener Werkstattpreis für Literatur, den Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis der Stadt Darmstadt, den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor, die Bert-Brecht-Medaille, den Nestroy-Theaterpreis und einige andere Literaturpreise erhalten. Darüber hinaus war er Stadtschreiber in Linz und Split, Residenzschreiber in Sarajewo und Inselschreiber auf Sylt.

Falls die Auszeichnung auch dazu dienen soll, einen Schriftsteller ins Rampenlicht zu rücken: Das ist hier eigentlich nicht nötig. Da steht Franzobel längst. Gerade wieder bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt. Da hat er eine bemerkenswerte Rede gehalten, in der auch die Sätze vorkamen: „Literatur ist Kampf! Kampf für Unterdrückte, für unangenehme Wahrheiten, unkonventionelles Denken, neue Formen, das Unmögliche.“ Das gilt natürlich für Literatur, nicht für literarische Auszeichnungen.

Ein Entdeckerpreis ist der Nicolas-Born-Literaturpreis jedenfalls nicht. Und Impulse setzt er auch nicht. Er ist ein Bestätigerpreis. Ausdrücklich hebt die Jury Franzobels Roman „Das Floß der Medusa“ hervor.

Darin geht es um eine Schiffskatastrophe aus dem Jahr 1816, bei der anfangs 147 (später viel weniger) Menschen auf dem Meer vor der Westküste Afrikas treiben. „Nicht belehrend, sondern behutsam aufzeigend lässt er unter anderem auch daran denken, dass damals schiffbrüchige Europäer in Afrika auf Hilfe und Fürsorge hofften“, heißt es in einer Mitteilung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur.

Das Buch hat viele gute Kritiken bekommen – eine davon auch von Jurymitglied Alexander Košenina in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Am heutigen Freitag wird „Das Floß der Medusa“ auch im Literarischen Quartett im ZDF besprochen. Viel mehr Aufmerksamkeit kann ein Buch kaum finden.

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