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Charmanter Wortwitz und viel Unfug

Hennes Bender – seltsame Geräusche im Schlafzimmer

HAMELN. „Ich habe keine Botschaft. Oft werde ich gefragt, was die Leute mitnehmen sollen aus meinem Programm. Dann sage ich: ihre Jacken.“ Hennes Bender präsentiert an diesem Abend in Hamelns Sumpfblume einen bunten Strauß aus Alltäglichem und Weltgeschehen.

veröffentlicht am 10.09.2017 um 18:39 Uhr
aktualisiert am 10.09.2017 um 21:50 Uhr

„Menschen machen Fehler.“ Hennes Bender – auch von der Bühne aus stets dicht am Publikum. Fotos (3): mm

Autor:

Meike Münck
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Das Programm mit dem Titel „Luft nach oben“ bedeutet für den quirligen Komiker aus dem Ruhrgebiet, dass immer noch was geht, längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, immer noch reichlich Spiel ist an der Stellschraube des täglichen Irrsinns.

Bender fing mit Theater an und war dann zusammen mit einem Kollegen als Kabarett-Duo unterwegs. Seit 1999 tritt er erfolgreich mit seinem Soloprogramm auf. „Ich will alle zwei Jahre ein neues Programm machen. Die Zeit verändert sich schnell“, sagt Bender. „Ich erzähl, was mir gerade einfällt.“ 1999 erhielt er den Kurt-Magnus-Preis der ARD. Der Komiker aus Bochum trat mehrfach in den Fernsehsendungen „Zimmer frei“, „Nightwash“ und „Quatsch Comedy Club“ auf, präsentierte sein Stand-Up-Programm auch bei der „Wochenshow“ und bei „TV total“. 2004 erhielt er den Deutschen Comedypreis in der Sparte „Bester Newcomer“.

2002 war er schon einmal in Hameln. Diesmal folgen ihm treue Fans auch aus Potsdam. Hennes Bender interagiert mit dem Publikum, an manchen Stellen wird es auch politisch: „Uns geht es so gut! Wir haben die Wahl zwischen Merkel und Schulz. Die Türkei nur zwischen Erdogan und Erdogan und Amerika zwischen Trump und Clinton.“

Mit charmanten Wortwitz erzählt Hennes Bender vom Älterwerden und seiner Frau, die ihm oft als Inspirationsquelle dient: „Menschen machen Fehler. Als meine Frau das Klo geputzt hat, hat sie vergessen, die Klobürste wieder rauszuziehen. Ich kam spät abends nach Hause, musste echt dringend und setzte mich hin …“ Bender spricht über seine Fans, Facebook und die unterschiedlichen Gemüter der Menschen in den Regionen, in denen er auftritt. Dabei stellt er fest, dass die Menschen in Hamburg eher kühl sind und die Höflichkeit in Berlin nicht grade erfunden wurde. Kölner hätten nach eigenen Aussagen Herz. Der Komiker powert und pulvert ganz nah am Publikum, mit beiden Beinen auf der Bühne und dem Kopf in den Wolken. Dabei hat er einen latenten Hang zum Unfug. Er imitiert Dialekte und erzählt von seinen Erfahrungen beim Film, als er beim Sandmännchen einen Müllmann gespielt hat. Witze über die Bahn verkneift er sich, die seien zu abgelutscht. Manche Durchsagen des Bordpersonals von Flugzeugen seien auch komisch: „Bleiben Sie bitte sitzen, bis das Flugzeug gelandet ist, danach können sie wieder wie gewohnt drängeln und schubsen.“

Der Bochumer berichtet von mysteriösen Dingen in seinem Leben: über seltsame Geräusche im Schlafzimmer, die sich auf eine Sodaflasche zurückführen lassen, oder Erbrochenes unter der Schulbank, das sich als Kokosmakrone entpuppt. Zu guter Letzt feiert er seine Helden David Bowie und Queen – und singt voller Inbrunst a cappella die deutsche Übersetzung des Queen-Songs „Bohemian Rhapsody“. Dabei steht er im Tanktop mit Union Jack auf der Bühne und bewegt sich dramatisch hin und her. Das Publikum ist begeistert, kann sich kaum halten vor Lachen. Zum krönenden Abschluss erscheint der Künstler in königlicher Montur. Ein gekonnter Auftritt.

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