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„Himmlische Nacht“ im Hamelner Münster – ein musikalischer Leckerbissen

Mythos „drei Tenöre“

veröffentlicht am 01.01.2018 um 18:24 Uhr

Drei Männer – drei kraftvolle Stimmen: Zur „himmlischen Nacht der Tenöre“ kamen viele Zuhörer in das Hamelner Münster. foto: dana
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Autor

Richard Peter Reporter
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HAMELN. Sie gelten, liebevoll als „Goldkehlchen“ tituliert, als gleichermaßen seltene wie begehrte Spezies. Stimmartisten im hohen Bereich. Am liebsten Belcanto – und seit den drei legendären Tenören Pavarotti, Domingo und Carreras, die alle Dimensionen sprengten, egal ob in Roms Caracalla-Thermen oder unterm Eiffelturm in Paris, ein Mythos. Seitdem sind sie unterwegs, die Tenöre aller Nationen – manchmal auch im Zehnerpack – die noch immer Hallen und Kirchen füllen. Zuletzt auch das Hamelner Münster am Abend vor Silvester.

Schon eine halbe Stunde vor Beginn: proppenvoll. „Die himmlische Nacht der Tenöre“ auch in Hameln ein Erfolg, bevor auch nur ein Ton erklungen wäre. Tenöre als schillernde Solitäre – und nur mit ihnen vorstellbar. Eine Nacht der drei Soprane – undenkbar. Was die hohen Männerstimmen auszeichnet: Sie gelten schlicht als sexy, selbst bei einer Figur à la Luciano. Eine Stimme, die direkt ins Herz und tiefer trifft. Und erst recht die „Hohen C’s“. Erotik pur.

Der Abend beginnt mit kleinstem Kammerorchester – eigentlich einem Quartett. Zwei Geigerinnen, ein Violoncello, eine Pianistin, die auch Orgel beherrscht und Bach mit seiner „Arie“. Sozusagen: der große Bach für alle. Von da an ein musikalischer Leckerbissen an den anderen gereiht und die drei Tenöre nach „Adeste fidelis“ arios auf sich selbst gestellt.

„Ah, si ben mio“ aus Verdis „Troubadour“ und Georgios Filadelfefs mit dem Manrico noch nicht ganz auf Betriebstemperatur. Dann eine der schönsten Arien, des an schönsten Arien so reichen Puccini, Cavaradossis „E lucevan le stelle“ aus der „Tosca“ mit Ivaylo Yovchev. Das klang nach Belcanto und was man sich so an italienischem Schmelz und Strahlkraft vorstellt.

Der Dritte im Bunde, Aleksander Krunev, mit „Non ti scordar di me“ aus einem – übrigens in Bremen gedrehten – Film mit Benjamin Gigli.

Spätestens mit Albinonis noch gar nicht so lange bekanntem Adagio – das Mini-Orchester mit georgeltem Klangteppich auf Höhenflug. Mit dem Intermezzo aus Mascagnis „Cavalleria Rusticana“, Offenbachs „Barcarole“ aus „Hoffmanns Erzählungen“ und vor allem Montis unverwüstlichem Csardas – und bewundernswert, wie Milena Ivanova (1. Geige) zusammen mit Evgenia Palazova (2. Geige), Neli Hazan (Violoncello) und der Pianistin Valentina Vassileva-Fiadelfefs für einen Sound sorgten, der einem kleinen Kammerorchester sehr nahe kam. Lieblinge des Publikums, wie auch die drei Tenöre mit Bach-Gounods „Ave Maria“.

Und plötzlich diese so unterschiedlich timbrierten Stimmen gemeinsam im Aufwind. Auch „La donna e mobile“ aus Vedis „Rigoletto“ jetzt im Dreisatz und dann ein Schmankerl: Verdis „Don Carlo“ mit Aleksander Krunev, der vom Tenor zum Posa-Bariton mutiert, während Yovchev sein „Liberta“ mit strahlendem Tenor in den Kirchenraum schickt.

„Santa Lucia“ – nicht ganz so italienisch wie man das im Ohr hat – dafür perfekt „Occhi chernye“, die so russischen „schwarzen Augen“ und erstes Finale mit „Funiculi, Funicula“ zu dem sich ins Himmlische das Fröhliche mischt.

Zugaben – Weihnachten noch im Ohr: „Es ist ein Ros entsprungen“ und alle drei Strophen „Stille Nacht“ – alle durften mitsingen und auf all die stehenden Ovationen im grellsten Sonnenlicht „O sole mio“, während draußen, naja, halt unser Wetter wartete.

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