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Querdenker mit kreativer Energie

Star-Regisseur Wedel wird Sonntag 75 Jahre alt

BAD HERSFELD. Es ist verblüffend: Dieter Wedel arbeitet mit den berühmtesten Schauspielern und Branchen-Größen, aber vergisst manchmal ihre Namen. „Ach, wie heißt der noch gleich?“ Es will dem Star-Regisseur dann im Gespräch partout nicht einfallen. Doch krumm nehmen ihm das wohl nur wenige. In einer Welt, in der alles perfekt sein muss, macht ihn diese Eigenart sympathisch. Am morgigen Sonntag, 12. November wird Wedel, der in Hamburg und auf Mallorca lebt, 75 Jahre alt.

veröffentlicht am 10.11.2017 um 16:51 Uhr

Regisseur und Festspiel-Intendant Dieter Wedel gibt bei Dreharbeiten in Bad Hersfeld (Hessen) für das Drama „Hexenjagd“ Anweisungen. Sein Vertrag läuft noch bis 2022. Foto: dpa

Autor:

Jörn Perske

75 – ein Alter, um sich mehr auf Mallorca mehr in die Sonne zu setzen, statt auf den Regiestuhl? Mitnichten, der stete Wechsel sei fein, sagt der umtriebige Jubilar der Deutschen Presse-Agentur: „Das Alter sagt nichts über den Kilometerstand aus. Ich fühle mich jünger und nicht am Lebensabend angekommen.“ Dabei hat Wedel längst Fernsehgeschichte geschrieben.

Berühmt machen Wedel seine Mehrteiler im Fernsehen. Mit spannenden Storys lockte er erst ein Millionen-Publikum vor die TV-Geräte und heimste reihenweise Auszeichnungen ein. Nach seinen Frühwerken startet Wedel in den 1990er Jahren durch. Ein Erfolg jagt den nächsten: „Der große Bellheim“ (1993), „Der Schattenmann“ (1996), „Der König von St. Pauli“ (1998) und „Die Affäre Semmeling“ (2002). Wedel arbeitet mit den deutschen Schauspiel-Stars.

Nach seiner Fernsehzeit zieht es Wedel zurück zur Schauspielbühne, wo für den promovierten Theaterwissenschaftler aus Frankfurt alles begann. Er führt Regie bei den Nibelungenfestspielen Worms (2002/2003), übernimmt von 2004 bis 2014 die Intendanz dort. Dann wechselt er im Herbst 2014 zu den Bad Hersfelder Festspielen. Unter seiner Intendanz hebt er das Freilicht-Theaterfestival auf ein neues Qualitäts- und Bekanntheitslevel.

Sein Vertrag läuft noch bis 2022. Er will arbeiten, bis er umfällt. „Ich lese immer, ich sei ein Workaholic. Das stimmt aber nicht. Wenn es Spaß macht, ist es ja keine Arbeit.“

Wedel ist als Intendant nicht nur fürs Gesamtkunstwerk zuständig. Er eröffnet die Festspiele auch stets mit eigenem Stück. In diesem Sommer präsentierte er eine von der Kritik hochgelobte Inszenierung über den Kirchen-Reformer, der 2017 in aller Munde ist. Titel: „Martin Luther – der Anschlag.“ Noch bevor die Schauspieler-Namen bekanntgegeben wurden, waren die Vorstellungen ausverkauft.

Wedel ist in der Branche hoch geachtet. Holk Freytag, sein Vorgänger als Intendant in Bad Hersfeld, sagt: „Er hat Fernsehgeschichte geschrieben und gehört zu den besten Fernsehautoren in Deutschland.“ Nico Hofmann, Ufa-Chef und Intendant der Festspiele in Worms, sagt: „Er ist ein Mann mit einer unglaublichen kreativen Energie, auch mit großer Jugendlichkeit.“ Und er sei „auf tolle Weise ein Querdenker“.

Für Schauspieler Mathieu Carrière ist Wedel ein „liebenswerter Wüterich“ und ein „charismatischer Tausendsassa“. Wedel selbst sagt: Manchmal, wenn er bei Proben im Stress sei, könne er auch mal zur zickigen Diva werden. „Dann denke ich: Du ist ja unerträglich, aber trotzdem komme ich da nicht raus.“

Nicht gerade konventionell, sondern eher turbulent ging es in Wedels Privatleben zu. Er hat sechs Kinder von sechs Frauen – und führte auch Parallel-Beziehungen. Mittlerweile gehöre seine Liebe ausschließlich Uschi Wolters, sagt Wedel. Kennengelernt hat er sie bereits mit 27.

Seine Verbindung zum Fernsehen will er nicht abreißen lassen. Die spannende Frage lautet: Wann gibt’s den nächsten Wedel im TV? „Ich habe ein Projekt mit dem Titel „Die Piraten-Insel““, sagt er. Es handele von der Mafia auf Mallorca. „Der erste Teil ist fertig. Zwei weitere Teile müsste ich noch schreiben.“ Bad Hersfeld habe jedoch Vorrang. „Was mir dort als Nächstes vorschwebt, wird wieder schwierig genug. Aber was Leichtes kann jeder.“

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