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Skulpturen und Grafik: Werkschau von Friedrich Heißmeyer

Symbole des Lebendigen im Kunstkreis

HAMELN. Friedrich Heißmeyer ist einer der bedeutenden Hamelner Künstler von Düne über Lange bis zu den Appos. Ein Künstler, der unterschiedlichste Materialien, Formen und Formate geschaffen hat – und mit allen anderen Künsten kommuniziert. Heißmeyer hat im Kunstkreis seine Werkschau „Skulpturen und Grafik“ eröffnet.

veröffentlicht am 12.11.2017 um 17:24 Uhr

Bloß keine Harmonie: Friedrich Heißmeyer lässt Materialien ihren spezifischen Ausdruck, ihre Ursprünglichkeit. Foto: Dana
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Autor

Richard Peter Reporter
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„Bescheidener Titel“, so Dr. Martin Hellmold in seiner Einführung. Und „Einfachheit“ als Generalthema – frei nach Brancusi: „Sobald man sich dem tieferen Sinn der Dinge nähert, gelangt man, ohne es zu wollen, zur Einfachheit“. Was nicht schlicht bedeutet. Bei Heißmeyer eher irritierende Komplexität. Ein Künstler, der eigentlich Landwirt werden sollte – sich aber für alles Künstlerische interessiert, sich universell inspirieren lässt. Und eigenwillig umsetzt. Plastiken in Holz, Stein, Eisen, Ton – und Holz nicht einfach Holz. Umgestaltung – und Stein in seiner Vielfalt, formbarer Ton und die Raku-Technik exzessiv ausgeschöpft. Worauf es Heißmeyer ankommt: Materialien ihren spezifischen Ausdruck zu lassen. Gewissermaßen: Ursprünglichkeit. Keine Glätte – keine Harmonie. Bewusst Sprödigkeit, wie sie seine Arbeiten dominiert. Die beiden öffentlich in Hameln präsentierten Skulpturen „Friedenstor“ am Einstein-Gymnasium und, ähnlich archaisch, sein „Trigon“ am Weserufer. Und immer wieder, geradezu lustvoll komponiert, unterschiedlichste Materialien, die sich gegenseitig ergänzen – manchmal auch seltsam fremd bleiben.

Die Werkschau als Dokumentation – und wie so oft auch bei dieser „Jubiläumsausstellung“, wenn Regionales auf Weltkunst trifft: rappelvolles Haus. So dominant die so eigenwilligen Skulpturen, die abstrakten nicht weniger als der „Januskopf“ oder die aufgebrochene „Alabasterkugel“ – vor allem die „Vier kleinen Wagen“, Terrakotta, weiß mit Bronze-Blume, ebenfalls geweißt als reizvolles Ensemble. Und an den Wänden vorzugsweise Grafik mit typischer Motivwahl: Ei, Kugel, Vogel, Fisch, Auge, Rad, Rose – und immer wieder: Wagen. Alles „Symbole des Lebendigen“, wie Hellmold formuliert.

Intensität der Poetik – auch in der Optik. 15 Rosenaquarelle mit Dichtertexten – vom Kunstkreisvorsitzenden Klaus Arnold in seiner Begrüßung als Gabe unterm Weihnachtsbaum wärmstens empfohlen. Alles gewissermaßen Selbstporträts ihres Schöpfers, wie es Joseph Brodsky einmal formulierte – und auch Friedrich Heißmeyer meint, dessen Kunst in Lachem wurzelt, sich aber künstlerisch, philosophisch, kulturell die Welt erobert – den Kosmos Kunst in sich aufgenommen hat.

Keine Heißmeyer-Ausstellung ohne Musik. Diesmal zarte Gitarrenklänge von Steve Sachs mit einem Ausschnitt aus dem Kultfilm „Amélie“ und Chi Mai von Enrico Morricone. Und Multi-Kulti selbst am Buffet: Weißwürste mit süßem Senf.

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