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Die vergessene Kasematte an der St. Sturmius-Kirche – kein Geheimgang

Düsteres Überbleibsel der Festung

Rinteln (who). An der Südseite des Kirchenschiffes von St. Sturmius lugt am Kapellenwall der Rest einer groben Mauer aus dem Erdboden der angrenzenden Grünanlage mit Kinderspielplatz. Das kellerartige Gewölbe hinter der Mauer mit dem vergitterten Zugang beflügelt seit Generationen vor allem die Fantasie von Kindern und Jugendlichen. Denn es gibt immer jemand, der meint, gehört zu haben: „Das ist ein Geheimgang, der bis zum Kloster Möllenbeck führen soll.“

veröffentlicht am 17.12.2011 um 00:00 Uhr

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Dem ist natürlich nicht so, wissen die älteren Rintelner, denn das Gewölbe ist eine sogenannte Kasematte und damit ein Rest der Festungsvergangenheit der Weserstadt (1665 bis 1806).

Die kleine, etwa 15 Quadratmeter große und zwei Meter hohe Kasematte dürfte ein Schutzraum im Festungswerk gewesen sein – ein Modell im Museum in der Eulenburg zeigt dessen imposante Dimensionen. Früher bildete sie den Anfang eines Verbindungsgangs zum Steg der sogenannten Gouvernementsinsel im Festungssystem, so lautet die Beschreibung von Ullrich Künkel in seinem „Stadt Rinteln-Lexikon“ von 2011.

Die Rintelner Historie belegt, dass die Kasematte beim Schleifen (so der Fachbegriff für das Zerstören einer Festung) der Wehrmauern zu Napoelonischer Zeit im Jahr 1806 schlichtweg vergessen worden sein muss, „weil sie vermutlich früher auch schon unbedeutend war“, so Ullrich Künkel. Der Gang zur Insel wurde zugeschüttet und 1886/1888 beim Bau der Sturmiuskirche vermauert.

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Die Kasematte im Kapellenwall blieb bis Ende der 1960er Jahre zugänglich und diente den Kindern der nahen Altstadt als Spielgelegenheit für Jungenabenteuer. Schließlich wurde der enge Zugang zum Gewölbe durch Gitter verschlossen, was bis heute offenbar kein Hindernis ist, dass sich nicht irgendwer trotzdem Zugang zur Kasematte verschafft und dass das junge Volk anschließend die Gelegenheit nutzt, sich den Raum von innen anzusehen. „Wir waren da schon öfter drin zum Chillen“, outen sich jugendliche Insider.

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So wie Bianca Eikermann und Kevin Tietz fühlten sich schon Jugendliche früherer Generationen angezogen von der kleinen Kasematte an der St. Sturmius-Kirche, die beim Schleifen der Festungsbauwerke im Jahr 1806 vergessen wurde. Foto: who




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