weather-image
15°
Rätselraten über Vermessungsarbeiten vor den Weihnachtstagen bei Anwohnern und der Stadt

Bahnhof wird vermessen – und weiterverkauft?

Rinteln (wm). Die Luxemburger Firma Patron S.a.r.l., die im Jahr 2007 bei einer Einkaufstour durch die ganze Bundesrepublik Bahnhofsgebäude aufgekauft hat, war Januar 2008 auch in Rinteln angekommen. Womit sich weder der Zustand des Bahnhofs noch des Geländes verändert, geschweige denn verbessert hat. Wie Anwohner berichteten, haben vor Weihnachten rund um das Bahnhofsgebäude großflächige Vermessungsarbeiten durch das Vermessungsbüro Dr. Ing. Mark Hampe aus Garbsen stattgefunden. Begründet wurde das damit, dass das Gelände weiterverkauft werden sollte – Auskünfte gebe hier Bernhard Wessels von der Deutschen Bahn AG mit Sitz in Hamburg. Wessels bestätigte telefonisch die Vermessungsarbeiten – was es nicht zu bestätigen gab, denn Anwohner wie Peter Reich hatten es sogar schriftlich und die Markierungsstöcke findet man heute noch auf dem Gelände, nähere Auskünfte wollte er aber nicht geben.

veröffentlicht am 20.01.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 07:21 Uhr

270_008_4235423_r_bahn_2_2.jpg

Ein Rechercheversuch bei der Firma Patron, deren Großeinkauf von ehemaligen Bahn-Immobilien kein Geheimnis ist, scheiterte gestern ebenfalls – dort war niemand zu erreichen, der legitimiert gewesen wäre, Presseauskünfte zu geben.

Die RGM Gebäudemanagement GmbH in Dortmund vertritt die Firma Patron in Deutschland. Der dortige Ansprechpartner kam gerade aus der Mittagspause, war außerordentlich freundlich, doch zu konkreten Informationen sah auch er sich nicht in der Lage und verwies auf die PropertyFirst GmbH in Bochum, die für die Rintelner Immobile zuständig sei.

Doch die Fragen, ob denn nun das Rintelner Bahnhofsgebäude samt umliegender Fläche an wen auch immer weiterverkauft worden ist, wie also die Zukunft der Immobilie aussehen könnte oder warum sonst die Vermessungen vorgenommen worden sind – diese Fragen bleiben weiter offen. Weder ein Pressesprecher noch Dietrich Schulz, seit September vorigen Jahres Geschäfter der PropertyFirst GmbH in Bochum konnten sie gestern beantworten. Der Abstieg des Bahnhofs begann schon 1998, als die Deutsche Bahn AG ihre Bahnhofsgrundstücke ausgegliedert und an das Tochterunternehmen DB Station & Service AG übergeben hat.

270_008_4235418_r_bahn_1_2.jpg
270_008_4235524_r_bahn_4_2.jpg
270_008_4235517_r_bahn_7_2.jpg

Die Bahnimmobilie, Baujahr 1978, ist übrigens, bevor sie nach Luxemburg ging, 2008 auch der Stadt Rinteln angeboten worden – die hat damals abgewinkt, einfach deshalb, weil das große Gebäude zu weit weg liegt von der Innenstadt und es für kommunale Zwecke keine sinnvolle Verwendung gibt.

Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz hatte schon die Idee, das Gebäude wäre als zentrale Anlaufstelle für alle Taxiunternehmen denkbar – doch die Rintelner Taxiunternehmen winkten ab. Am Bahnhofsgebäude stehen nicht nur die Bahnhofsuhren still. Obwohl bei der Inbetriebnahme des Informationsbandes auf dem Bahnsteig im August vorigen Jahres durch die Bahn in Gegenwart des Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy zugesichert worden ist, eingeschlagene Scheiben würden ausgewechselt, die Uhr käme wieder in Gang, ist nichts geschehen. Die Bahn hat sich nur vor dem Termin aufgerafft, das Unkraut zwischen den Gleisen und am Bahnsteig zu entfernen.

Einen völlig anderen Aspekt in die Diskussion um Bahnhofsgebäude hat am Dienstag ein TV-Beitrag von Plusminus im Ersten aufgedeckt: Nämlich, warum die Deutsche Bahn horrende Summen für die Nutzung ihrer Bahnhöfe kassiert, doch die Hunderte Millionen Euro nicht in Erhalt und Modernisierung maroder Bahnhöfe investiert, sondern damit die Bilanz auffrischt.

Nach Plusminus-Recherchen zahlt der Steuerzahler über die Subventionen der Bundesländer für jeden Zug, der an einem Bahnhof hält, eine sogenannte Stationsgebühr zwischen 3 und 6 Euro. Damit sollen die Kosten für den Unterhalt und Betrieb der Bahnhöfe gedeckt werden.

Ein Jubiläum gibt es am Rintelner Bahnhof in diesem Jahr übrigens auch: Der Fußgängertunnel vom Bahnhof zum Gleis wurde 1910 gebaut und im April eingeweiht.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare