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Rucksackreisende aus Krankenhagen organisieren private Spendenaktion für burmesische Waisenkinder

Eine Armut, die fast schon peinlich berührt

Krankenhagen. Schon viele Male, mitunter sogar mehrmals im Jahr, ist Fanny Schmidt mit ihrem Ehemann bereits in Asien auf Reisen gewesen. Ohne jeden Luxus, nur mit einem Flugticket in der Tasche und einem mit dem Notwendigsten gefüllten Rucksack, waren sie unterwegs. Vietnam, Kambodscha und Thailand sind einige der Länder, die sie auf diese Weise kennengelernt haben – intensiver als es All-Inklusive-Pauschaltouristen jemals könnten: Übernachtet wurde für ein paar Euro pro Nacht in einfachen Gästehäusern, gegessen an primitiven Verkaufsständen auf der Straße und Strecke gemacht mit Bussen und billigen Taxis. Nur wenn mal größere Entfernungen überbrückt werden mussten, wurden auch schon mal Inlandsflüge genutzt.

veröffentlicht am 22.02.2011 um 17:17 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 09:41 Uhr

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Am nachhaltigsten aber waren von all ihren Reiseerlebnissen bislang die Erfahrungen, die sie in dem von einer Militärdiktatur beherrschten, knapp 50 Millionen Einwohner zählenden Burma gemacht haben. Jenem Land, das auch unter dem Namen Birma weitläufig bekannt ist, 1989 aber von den militärischen Machthabern aus außenpolitischen Gründen in Myanmar umbenannt worden ist.

„Burma, das ist das zweitärmste Land der Welt“, berichtet die Krankenhagenerin. „Die Armut dort ist die Schlimmste, die wir bis jetzt erlebt haben.“ Ein Taxifahrer beispielweise verdient gerademal einen Dollar am Tag. Die vorgefundenen Straßenverhältnisse sind „nicht mal das Wort wert“. Und die Kinder in den Dörfern, die haben sich schon wegen eines geschenkten alten Apfels so sehr gefreut, dass es ihr und ihrem Ehemann selbst fast schon peinlich war.

Trotz der schwierigen Lebenssituation der Burmesen und den Repressalien durch das Militärregime, ist das Reisen auf eigene Faust in diesem buddhistischen Land anscheinend längst nicht so gefährlich, wie man gemeinhin annehmen könnte: „Wir haben uns da total sicher gefühlt“, berichtet die 35-jährige Betriebswirtin. „Man muss sich halt nur an gewisse Regeln halten – wie in Berlin und Frankfurt auch.“

Beispielsweise sollte man Wertsachen nicht offen zur Schau tragen und auch sonst eine gesunde Vorsicht walten lassen, wenn man unterwegs ist. Und ein ausreichender Impfschutz dürfe selbstverständlich ebenfalls nicht fehlen. Belohnt wurden die beiden Rucksackreisenden auf der anderen Seite mit einem Gefühl von Abenteuer und vielen persönlichen Kontakten zu der burmesischen Bevölkerung. Mehrere Male waren sie sogar bei Einheimischen in deren Strohhütten zu Gast. Besonders tief berührt wurden Fanny Schmidt und ihr Ehemann aber durch den Besuch zweier Waisenheime in dem im Norden des Landes gelegenen Ort Mandalay, der – so die beiden Krankenhagener – den bekannten Literaten Rudyard Kipling seinerzeit zu dessen Gedicht „The road to Mandalay“ inspiriert hatte: Bei der Vorbereitung ihrer ersten Burmareise im Jahr 2008 war sie in einem Reiseführer auf einen Reisebuchautor namens Klaus Schröder gestoßen, der zugleich Vorsitzender des Vereins „Myanmar Kindernothilfe e.V.“ ist, erzählt Fanny Schmidt. Per E-Mail hatte sie daraufhin Kontakt zu ihm aufgenommen, um zu erfahren, wie sie selbst den Menschen vor Ort helfen könne, wenn sie in Burma sind.

Das Ergebnis sah dann so aus: Im Bekannten- und Kollegenkreis sammelten die Krankenhagener vor ihren beiden Burmareisen jeweils eine große Menge an Sachspenden sowie das erste Mal circa 700 Euro und das zweite Mal rund 1000 Euro an Geldspenden, die allesamt armen burmesischen Kindern beziehungsweise den beiden im Schröder’schen Buch beschriebenen Waisenheimen zugute kommen sollten. Das Geld tauschten sie zu diesem Zweck in US-Dollar um. Zusätzlich kauften sie mit eigenem Geld noch preiswerte Zahnbürsten und Kinderspielzeuge in einem Ein-Euro-Laden, um auch diese Dinge mitzunehmen. Unterm Strich summierte sich dieses zusätzliche Gepäck bei den Reisen schließlich auf jeweils gut 20 Kilogramm.

In Burma angekommen, brachten sie dann einen kleinen Teil der Sachspenden bereits auf dem Weg nach Mandalay unters Volk. Von den Spielzeugflummis beispielsweise seien die Kinder dermaßen begeistert gewesen, wie man es sich in diesem Maße vorher habe gar nicht vorstellen können, berichten die beiden Asienreisenden. Den Großteil der Sachspenden und das komplette Spendergeld gaben sie dann bei den Mönchen und Nonnen ab, die sich um die ungefähr jeweils 200 Waisenkinder der zwei Heime kümmern: „Mit 200 US-Dollar können die einen Monat lang 200 Kinder ernähren“, erklärt Fanny Schmidt.

Dreimal am Tag gebe es dort meist Reis und Gemüse, wenn mehr Geld zur Verfügung stehe, aber auch mal Fleisch oder Fisch. Als Dank für die großzügige Spende aus Deutschland gabe es seitens der Waisenkinder einen vielstimmigen Chorgesang für die beiden Überbringer, denen diese Situation insofern ein bisschen unangenehm war, weil sie „nicht gönnerhaft dastehen“ wollten. Kleines Kuriosum am Rande, das sich auf einer der Burmareisen ergeben hatte: „Die Nonnen haben sich außerdem total über die für sie mitgebrachten Parfümproben und roten Lippenstifte gefreut, die ich ebenfalls im Ein-Euro-Laden gekauft hatte“, berichtet die 35-Jährige, die sich angesichts dieser Erfahrungen auch schon einige Gedanken über die Zukunft ihres karitativen Engagements gemacht hat.

„Ich würde schon gerne etwas Richtiges daraus machen und einen eigenen Hilfsverein gründen, aber ich kann das nicht alleine“, verrät Fanny Schmidt. Von daher würde sie sich freuen, wenn sich auf diesen Zeitungsbericht hin interessierte Leser bei ihr melden würden, mit denen sie ihre Idee vielleicht umsetzen kann.

Kontakt: Kontakt per E-Mail an justbelieve@gmx.net.

Von ihren beiden Burmareisen hat Fanny Schmidt aus Krankenhagen unzählige Digitalfotos mitgebracht, von denen auch viele über das Leben der Kinder in den Mandalay’schen Waisenhäusern (Bild) berichten. Foto: wk




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