weather-image
17°

Monika Ebeling rüttelt in der Gleichstellungspolitik an feministischen Grundsätzen – und wird sofort abberufen

Job verloren, weil sie sich um Männer sorgt

Rolfshagen. Am Schluss haben sie ihr auch noch den Job genommen: Wer so radikal denke, der könne doch keinen Kindergarten leiten, hieß es in Verwaltung und Politik, fleißig flankiert von der dortigen Presse. Also wurde Monika Ebeling nach ihrer Abberufung aus dem Amt der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Goslar im Mai 2011 auch als Leiterin der Kita entlassen. Dabei hatte sie nur gefordert, dass in der Gleichberechtigung auch die Männer mit einzubeziehen seien. Der Vorwurf: Sie habe sich zu sehr um benachteiligte Männer gekümmert – und zu wenig um benachteiligte Frauen.

veröffentlicht am 15.01.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 29.05.2017 um 17:24 Uhr

270_008_6102613_a_ebeling_5_.jpg
4301_1_orggross_f-westermann

Autor

Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Was nach der Abberufung folgte, glich einem medialen Tsunami: Stern, Focus, Spiegel, Süddeutsche, NDR – die Medien pilgerten scharenweise in den Harz und schrieben über die angeblich männerfreundliche Gleichstellungsbeauftragte und das städtische Umfeld, der gesamte Vorfall wurde zu einem bundesweiten Politikum.

Irgendwann, so hoffte Monika Ebeling, irgendwann müsse er doch nachlassen, dieser Wirbel. Aber das tat er nicht. Die Dramatik und auch die Tragweite des Themas hätten ihre Gegner damals nicht erkannt, sagt sie heute: „Sie haben gedacht, dass die frauenbewegte Szene weiß, was sie da tut.“ Denn es ist eine durchaus mächtige Szene, mit der sich Monika Ebeling in Goslar angelegt hatte: die feministische Szene.

Die von Ebeling geforderte Einbeziehung von Männern in die Gleichstellungsarbeit ist nicht nur vom Gesetzgeber so verlangt, sondern ergab sich für sie aus der alltäglichen Arbeit. Und wo die Männer bessergestellt werden müssten, das hat sie in ihrer letzten Rede vor dem Rat der Stadt Goslar noch einmal ganz deutlich formuliert: „Da ist der Vater eines nicht ehelichen Kindes, dem das Sorgerecht vorenthalten wird. Nicht, weil er der schlechtere Elternteil ist, sondern weil er ein Mann ist. Da ist der geschiedene Vater, dem seine ehemalige Frau das Leben zur Hölle macht, indem sie gezielt sein Umgangsrecht sabotiert. Das geht an den Kindern nie spurlos vorbei. Da ist der Mann, der an den etablierten Parteien verzweifelt, weil sie die notwendigen Reformen für die familiäre Gleichstellung nicht angehen mögen und den Schwarzen Peter bei den Jugendämtern und Gerichten belassen. Da ist der Mann, der psychisch und physisch gedemütigt wird und weiß, dass er nur belächelt wird, aber keine Hilfe erfährt. Und da ist der Vater, der Zweifel an seiner biologischen Vaterschaft hat. Er braucht aber für den notwendigen DNA-Test die Zustimmung der Mutter oder einen richterlichen Beschluss.“ Und dann hat den letzten Fall in einem Satz zusammengefasst, der richtig wehtut, weil er so unfassbar gut sitzt. Also: „Jedem Hundehaufen kann man problemloser seinem Erzeuger zuordnen.“

Monika Ebeling forderte daher die Abkehr von der jahrzehntelangen einseitigen Frauenförderung hin zu einer fairen Gleichstellung. Das will in Goslar niemand hören, Benachteiligungen von Vätern im Sorge- und Umgangsrecht, Nachteile und Benachteiligungen von Jungen im Bildungswesen, die mangelnde Berücksichtigung von Männergesundheit in der geschlechterspezifischen Gesundheitspolitik - das soll einfach nicht diskutiert werden. Die Folge: SPD, Grüne und Linke berufen sie mehrheitlich ab.

Die politischen Parteien haben es nicht besser gewusst, der Klüngel von Goslar wird bundesweit bekannt, Goslars Frauenpolitikerinnen beobachten mit wachsendem Entsetzen eine Internetdebatte, deren Gegenstand sie selber werden, und das Thema „Benachteiligung von Männern“ wird nicht etwa über Nacht wieder vergessen, ganz im Gegenteil: Sehr viele Journalisten werden so auf das Thema überhaupt erst aufmerksam, es folgt Artikel auf Artikel.

Ebenfalls aufmerksam wurde Jürgen Kreth. Der Lipper ist kein Journalist, sondern Vater eines Kindes und Gründer der Kreisgruppe Lippe-Weserbergland „Väteraufbruch für Kinder“, die ein gleiches Recht des Kindes auf Mutter und Vater, ein gemeinsames Sorgerecht auch für nicht-eheliche Väter sowie eine Durchsetzung der Umgangsrechte des Kindes fordern. Kreth und viele seiner Mitstreiter – bundesweit sind rund 3000 Mitglieder bei dem Väterverein registriert – unterstützt Monika Ebeling bei ihren Forderungen. Und dafür ist sie dankbar: „Es gab viele Angriffe, aber dann merkt man auch wieder, wie schön es ist, wenn jemand anmerkt, dass es gut ist, diese Wahrheiten auch mal auszusprechen“, sagt sie im Gespräch im Rolfshäger Restaurant „Salve“, wo sich die Kreisgruppe vom Väteraufbruch für Kinder jeden dritten Donnerstag um 18 Uhr trifft.

Monika Ebeling hat nach ihrer Abberufung ein Buch zum Thema geschrieben, es heißt „Die Gleichberechtigungsfalle“ und erzählt dort nicht nur – sehr sachlich – die Geschichte ihre Abberufung, sondern sie rüttelt darin kräftig an den Grundfesten des geschlechterpolitischen Establishments: Kann die Forderung nach Chancengleichheit ehrlich sein, wenn sie dort aufhört, wo die Nachteile und Benachteiligungen von Männern und Jungen beginnen? Wie glaubwürdig ist eine Gleichstellungspolitik, in der Männer ausgeschlossen werden? Sowohl mit ihrem Anliegen als auch als Agierende, als Handelnde?

Und kann es wirklich sein, dass Gewalt von Männern und Frauen nahezu in gleichem Maße ausgeübt wird, wie Monika Ebeling in einem weiteren Diskussionsstrang erklärt? Denn es gibt eine besonders schmutzige Seite von familiärem weiblichen Terror: Frauen, die in einer Familie andere Mitglieder manipulieren, die Schuldgefühle entstehen lassen und ständig für Aufruhr und Unruhe sorgen – und zudem den Eindruck erwecken, die anderen Familienmitglieder wären das große Problem, während sie sich mit einer Engelsgeduld alles gefallen ließen, wie Monika Ebeling in einem Beitrag für das Magazin „Papa-Ya“ schreibt. Sie hat einen schönen Namen für diese Art Frau gefunden: „Familienterroristin“.

Und diese Familienterroristin hat unzählige Möglichkeiten, die Gerichte, die Anwälte und die Gutachter zu instrumentalisieren und auf Trab zu halten, schreibt Monika Ebeling. Und lässt das bittere Fazit folgen: „Davon lebt leider die sogenannte Scheidungsindustrie und hat aus finanzieller Sicht womöglich kein Interesse, dieser Frau entschlossen zu entgegen.“

Jürgen Kreth, der Vater und Gründer des Väteraufbruchs in Lippe und Schaumburg, könnte sicherlich unzählige Geschichten davon erzählen, wie wahr das alles ist – und wie bitter.

Nicht nur deshalb plädiert Monika Ebeling nach 30 Jahren Geschlechterkrieg für eine Gleichberechtigung der Geschlechter: Immer mehr Menschen hätten eine große „Friedenssehnsucht“, sagt sie – Frieden zwischen Frau und Mann. Und es gebe nur einen Weg zur Gleichberechtigung: „Miteinander, friedfertig und gewaltfrei.“




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare