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Archäologische Ausgrabung im Möllenbecker Wald

Baumsarg gesucht, Urnengrab gefunden

veröffentlicht am 13.09.2016 um 17:10 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:37 Uhr

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Die Hügelgröße von 16 Metern Durchmesser und anderthalb Metern Höhe und die runde Form ließen die Archäologen zunächst vermuten, dass es um einen Grabhügel aus der Zeit zwischen 2200 und 1100 v. Chr. Solche Gräber wurden damals künstlich angelegt für die Bestattung von einer einzelnen Person.

Die exponierte Lage auf dem Großen Nottberg mit Blick auf die Porta Westfalica und weit in das Wesertal hinein schien wie für einen Bestattungsplatz geschaffen. Üblicherweise wurden die Leichname dann in einem Baumsarg auf einer mit Steinen gepflasterten Fläche im Inneren des Hügels bestattet. Nun hofften die Archäologen, auf eben so einen Baumsarg zu stoßen. Ohne Erfolg.

Stattdessen wurde festgestellt, dass der Hügel wesentlich älter und natürlichen Ursprungs ist. Es handelt sich um eine natürliche Erhebung, entstanden während der letzten Eiszeit. Erst die Menschen der jüngeren Bronzezeit oder der vorrömischen Eisenzeit, also zwischen 1100 v. Chr. und Christi Geburt, erhöhten die Erhebung dann künstlich mit Bodenmaterial aus der unmittelbaren Umgebung. In dem Hügelmantel legten sie trichterförmige Urnengräber an, umgeben von einem Steinschutz.

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  • Die Skizze zeigt, wie ein Hügelgrab sowohl für die Beisetzung von Baumsärgen als auch von Urnen diente.
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  • So kann man sich die Bestattungen der Menschen in vorgeschichtlicher Zeit in etwa vorstellen.

Darüber hinaus stellten die Forscher zu ihrem Bedauern fest, dass die besondere Lage des Denkmals nicht nur den vorgeschichtlichen Menschen aufgefallen war. Auch Hobbyforscher vor und nach dem dem Zweiten Weltkrieg hatten es auf den Hügel abgesehen. Einer von ihnen war der Rintelner Gymnasiallehrer Paul Erdniß.

Der Hobbyarchäologe grub sich in den 1920er-Jahren durch den Hügel: Ausgrabungen, die darauf hinweisen, dass er mehrere der Urnengräber entdeckt und ausgenommen hat.

Die Funde sind zwar im Rintelner Heimatmuseum gelandet – allerdings, ohne professionell dokumentiert zu werden. „Deshalb lassen sich die Funde heute leider nicht mehr zuordnen“, sagt Simone Arnhold. Heute spricht man von Grabplünderung.

Mehr noch: „Leichenbrandreste und Holzkohlestücke, die von einem Scheiterhaufen stammen, weisen auf die Zerstörung mindestens eines Grabes hin“, so Arnhold.

Die Grabungsstelle befindet sich auf dem Gelände des Kiesabbauunternehmens Reese. Als sogenannter „Verursacher“ war das Unternehmen verpflichtet, die Ausgrabung zu gestatten und die Kosten zu tragen.

In Anbetracht des Hügelgrabes sei im Umkreis von etwa 300 Metern mit einer Siedlung der Menschen zu rechnen, die einst das Grab anlegten, merkt Friedrich-Wilhelm Wulf, der zuständige Bezirksarchäologe vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Hannover, an. Die Wahrscheinlichkeit, noch Überreste der Siedlung zu finden, dürfte allerdings nicht sonderlich groß sein. Schließlich ist ein nicht unbeträchtlicher Teil der Umgebung bereits dem Kiesabbau zum Opfer gefallen.pk




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