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Anwohner wollen Rundwanderweg weiter voll nutzen / Angler fürchten um Fischerei an der Weser

Droht an Kiesteichen ein Interessenkonflikt?

Hohenrode (pk/who). Die Freude bei den Naturschützern über ihren in Aussicht gestellten Kauf der Kiesteiche in Hohenrode ist sicher groß. Der Naturschutzbund (Nabu) sieht in dem 115 Hektar umfassenden Areal eine „Auenlandschaft von internationaler Bedeutung“ (wir berichteten). Doch in der Bevölkerung Hohenrodes und Rintelns gibt es auch Bedenken in Bezug auf das bevorstehende Naturschutzgebiet.

veröffentlicht am 02.04.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 21:21 Uhr

Karl Tiedermann etwa, der Vorsitzende des Fischereivereins Rinteln, ist „nicht begeistert, das ist klar“. Bislang dürfen die Angler im Weserbereich des Kiesabbaugebiets von Weserkies AHE fischen. „Aber ob das noch weiter möglich ist, wenn der Nabu das Gebiet kauft, steht noch in den Sternen“, sagt Tiedermann besorgt.

Hinsichtlich der seitens des Nabu angedachten Nutzung des künftigen Naturschutzgebiets werde Tiedermann zufolge offenbar mit zweierlei Maß gemessen. „Es ist doch komisch: Besucher des Badestrands und Spaziergänger sollen zugelassen werden, aber Angler nicht“, gibt er zu bedenken und kündigt an: „Wenn man uns das Angeln im Weserbereich verbieten will, dann werden wir uns das nicht einfach gefallen lassen!“

Achim Heger (CDU), Ortsbürgermeister von Hohenrode und Strücken, könne an der Kaufabsicht des Nabu bislang zwar „nichts Schlimmes“ erkennen. „Wir hoffen allerdings, dass der Rundwanderweg weiterhin voll begehbar sein wird“, so Heger. Darüber hinaus hoffe man, dass sich der Nabu weiterhin mit dem Freizeitverein, der sich um den Badestrand gebildet hat, einvernehmlich arrangieren wird. Zudem hat Heger auch durchaus Verständnis für die Angler. „Ich fände es schön, wenn die alteingesessenen Angler aus Hohenrode und Strücken weiterhin dort fischen dürften“, erklärt er.

Aus der Bevölkerung hätten ihn noch nicht viele Reaktionen auf die Kaufabsicht des Nabu erreicht, die Meinungsbildung sei noch im vollen Gang. Der Ortsrat wolle das Thema aber in der nächsten Sitzung am 24. April auf die Tagesordnung setzen und außerdem das Gespräch mit Nick Büscher, dem Vorsitzenden des Rintelner Nabu, suchen.

Ortsratsmitglied Gerlinde Göldner-Dorka (SPD) ist selbst passives Nabu-Mitglied und hält die Idee der Rintelner Ortsgruppe zwar für gut. Gleichwohl sei es „wichtig, ein Einvernehmen zwischen Naturschützern und Bevölkerung herzustellen“. So sei der Rundwanderweg gerade für die älteren Dorfbewohner unentbehrlich, sei es doch in Hohenrode der einzige Spazierweg in der Ebene, während alle anderen Wege zwangsläufig bergauf führten. Auch hoffe sie, dass die angekündigten zwei Aussichtstürme auch wirklich gebaut werden. Andernfalls könne man von der Tier-, Pflanzen- und Wasserwelt spätestens dann nichts mehr sehen, wenn die Weiden eine Höhe von drei bis vier Metern erreichen.

Außerdem hofft sie auf ein unproblematisches Verhältnis zwischen Nabu und Freizeitverein. Immerhin sei denkbar, dass sich die Naturschützer an Kinderlärm und Grillfeuern stören könnten, da dadurch womöglich die Tiere gestört würden.

„Mensch und Tier sollen sich im friedlichen Miteinander und bei gebührendem Abstand an der entstehenden Landschaft mit Auenland-Charakter erfreuen können“, betonte Nick Büscher am Samstag bei einer Begehung der Auenlandschaft unserer Zeitung gegenüber.

Der Artenschutz und das ungestörte Leben der Tiere vor allem während der Aufzucht des Nachwuchses habe jedoch oberste Priorität, so Büscher weiter. Dieser Rahmen lasse aber dennoch viel Freiheit für Naturfreunde und Naturbeobachter.

Der Rundwanderweg, ausgehend vom Badestrand des Freizeitvereins mit dem abzweigenden Stichweg ins Naturschutzgebiet, soll Grundlage dafür sein. Ebenso zwei bis drei hölzerne Aussichtsplattformen.

Eine charmante Lösung dabei für den Nabu ist laut Büscher: Die Stadt Rinteln ist als Eigentümerin der Wege für deren Unterhalt verantwortlich und die Aussichtspunkte werden wahrscheinlich durch Leader-Plus-Mittel finanziert. Der Hintergrund: Die Stadt möchte über die Rundwanderwege das Naturschutzgebiet zur Attraktion für Fahrradtouristen auf dem Rad-Erlebnisweg im Zuge des Rad-Fernwanderweges Weser machen, die damit auf die Nebenstrecke auf dem linken südwestlichen Weserufer gelockt werden sollen.

Konfliktpotenzial mit Nachbarn beziehungsweise anderen Interessengruppen sieht Naturschützer Büscher nicht. Im Gegenteil, denn es gebe sogar Schnittmengen gemeinsamen Interesses, etwa mit den Mitgliedern des Freizeitvereins. Deshalb stelle sich der Nabu unter anderem vor „am Rundwanderweg mit Tafeln über die Natur zu informieren“.

Seitens der Angler und Jäger sei sogar noch weniger Konfliktstoff zu erwarten, ist sich der Nabu-Vorsitzende sicher. Denn: Der Naturschutzbund wird, wenn alles läuft wie geplant, über 75 Hektar eigener Fläche verfügen, was das Recht beinhaltet, eine Eigenjagd zu betreiben beziehungsweise an entsprechende Partner zu verpachten. Das Gleiche gelte für die Befischung des Gewässers, die gesetzlich vorgegeben ist.

Nabu-Vorsitzender Nick Büscher sieht hinsichtlich des Naturschutzes in Hohenrode äußerst optimistisch in die Zukunft. Konfliktpotenzial kann er jedenfalls nicht ausmachen.

Foto: who




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