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Kleine Rätsel Schaumburgs: Warum ein Rintelner Lehrer den Kölner Zoo gründete

Mathematiker, Erfinder, Zoo-Gründer

Rinteln/Köln (mld). Wer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Rintelner Gymnasium Ernestinum besuchte, konnte sich noch glücklicher als heute schätzen, dort Schüler zu sein: Das Ernestinum war eines von wenigen wissenschaftlich ausgerichteten Gymnasien in Hessen, an dem keine „gewöhnlichen“ Lehrer, sondern Forscher und Doktoren lehrten: „Der Musiklehrer war Komponist, der Biolehrer Doktor der Medizin“, nennt Rintelns Museumsleiter Dr. Stefan Meyer Beispiele. Und da gab es Dr. Johann Caspar Garthe, Doktor der Philosophie und Erfinder des Kosmoglobus, der in Rinteln Mathematik und Physik unterrichtete. Und im Jahr 1860 den Kölner Zoo gründete.

veröffentlicht am 03.12.2010 um 17:38 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 22:41 Uhr

Caspar Garthe

Geboren ist Garthe 1796 in der Nähe von Magdeburg, studierte dort Mathematik und Naturwissenschaften und erwarb 1817 dort auch seinen Doktortitel. Alles lief auf eine Karriere an der Hochschule hinaus – als er plötzlich die Hochschulkarriere aufgab und an die Schule wechselte, und zwar nach Rinteln, das damals zu Hessen gehörte. Die Entscheidung traf Garthe, so ist es überliefert, aus Liebe zu seiner Frau.

Von 1817 bis 1831 lehrte Garthe am Ernestinum. Untätig war er in dieser Zeit nicht: Mit einem selbst gefertigten Fernrohr entdeckte er zwei Kometen, er schrieb drei anerkannte Lehrbücher und werkelte an seiner „Weltmaschine“, auch Kosmoglobus genannt: ein gläserner Himmelsglobus, in dessen Innern eine hölzerne Erdkugel angebracht ist. Bei der Vorstellung dieser Erfindung in Berlin im Jahr 1827 soll sogar Alexander von Humboldt zugegen – und begeistert – gewesen sein und auch Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. bekam die Erfindung zu sehen.

Auch in Köln war die große Ära der Naturwissenschaften angebrochen und man versuchte, dem durch besonders gut ausgestattete Schulen nach der Schließung der Universität im Jahr 1798 gerecht zu werden. 1825 wurde in Köln eine neue Schulform, die „Höhere Bürgerschule für den Nähr-, Handels- und Verkehrsstand“, gegründet. Garthe wurde als Schulleiter vorgeschlagen – da er aber Protestant war, einigte man sich im katholischen Köln darauf, dass Garthe erster Oberlehrer werden sollte. Damit Garthe zu einem passenden Zeitpunkt von Rinteln nach Köln wechseln konnte, wurde der Schulanfang im Jahr 1831 sogar von Herbst auf Ostern verlegt.

14 Jahre lang war er Lehrer am Rintelner Gymnasium Ernestinum. Später wurde Dr. Johann Caspar Garthe Oberlehrer an der Höheren B
  • 14 Jahre lang war er Lehrer am Rintelner Gymnasium Ernestinum. Später wurde Dr. Johann Caspar Garthe Oberlehrer an der Höheren Bürgerschule in Köln – und gründete dort den Zoo. Foto: pr.
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Nicht nur war Garthe in Köln erster Oberlehrer, erfand eine Urform des Streichholzes, des Aquariums und wiederholte den Foucault’schen Pendelversuch vom Kölner Dom aus mit einem gut 50 Meter langen Pendel – nein, er regte auch an, dass sich wohlhabende und tierliebe Bürger der Stadt zu einer Aktiengesellschaft zusammenschließen sollten, die am 22. Juli 1860 einen Zoologischen Garten gründete.

Bei der Zoo-Gründung halfen Garthe übrigens unter anderem ehemalige Rintelner Schüler wie etwa die Brüder Wilhelm Ludwig und Adolf Deichmann, beide Bankiers, sowie der Zeichner Georg Osterwald, denen Garthe in Köln wieder begegnete.

Heute ist der Kölner Zoo der drittälteste in Deutschland. Seinen Gründer haben die Kölner nicht vergessen: Neben einem Denkmal auf dem Friedhof und im Zoo gibt es auch die Garthestraße ganz in der Nähe des Zoos.

Bei seinen Rintelner Schülern hat Garthe übrigens Eindruck hinterlassen: So erwähnen ihn der Publizist und Politiker Friedrich Oetker und der Dichter Franz Dingelstedt in Briefen.

Sie kennen auch kleine Rätsel Schaumburgs? Schreiben Sie uns: sz-redaktion@schaumburger-zeitung.de oder rufen Sie an unter (0 57 51) 4000-526.




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