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Neues Angebot kommt gut an – und bald kommt ein beheizbarer Bauwagen

Neu in Rinteln: Eine Kita im Wald

veröffentlicht am 05.10.2016 um 18:49 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:29 Uhr

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STRÜCKEN. Mittwoch, der zweite Tag im neu eröffneten Waldkindergarten in Strücken. Man muss die Kinder nicht fragen, ob es ihnen gefallen hat. Als die Eltern nämlich am Mittag zum Aufbruch mahnen („Emma und Jonas, wir müssen jetzt aber los“), wollen Emma und Jonas wissen: „Kommen wir morgen auch bestimmt wieder?“ Klar kommen sie morgen wieder. Mit drei Kindern hat der Waldkindergarten begonnen, doch gestern war eine große Gruppe im Wald, denn auch Geschwister durften mit und vor allem die Eltern waren dabei. „Zum Eingewöhnen“, erklärte Kiga-Leiterin Milena Branahl.

17 Kinder haben Eltern bisher für den neuen Waldkindergarten in Strücken angemeldet. „Und wir haben weitere Anfragen“, schilderte Branahl. Noch läuft alles etwas provisorisch mit einem kleinen Bauwagen am Waldrand und dem Dixiklo am Taubenbergweg. Doch ein Wasser- und Stromanschluss ist schon verlegt. Bald soll ein großer beheizbarer Bauwagen folgen. Auch die Kinder haben ihr Revier erobert, eine „Schutzhütte“ aus Zweigen gebaut, Bucheckern, Nüsse und Eicheln gesammelt, Trampelpfade entdeckt, die von Eltern teilweise frei geschnitten worden sind, wo Brombeeren in den Weg ragten.

Branahl wie ihr Kollege Antonio Clavin sind glücklich, dass sich nicht nur die Eltern für den neuen Waldkindergarten engagieren, sondern auch die Nachbarn: „Die haben uns schon angeboten, mit den Kita-Kindern Apfelmus zu machen, mit Äpfeln, die die Kinder selbst im Garten sammeln können. Ideen sind außerdem Kartoffelpuffer backen, Schafwolle färben, beim Honigschleudern zuschauen.“ Auch Revierförster Stefan Körbel, Nachfolger von Thorsten Buchholz im Forsthaus Doppelstein, hat schon vorbeigeschaut und mit den Erziehern besprochen, wo es noch mögliche Gefahrenstellen rund um den Bauwagen gibt – beispielsweise morsche Äste in den Baumkronen, die beseitigt werden. Und Körbel will mit den Kindern Weißtannen pflanzen und eine Futterstelle für den Winter anlegen.

Die Logistik ist in Strücken kein Problem. Eltern können die Wald-Kita auf einer Asphaltstraße erreichen, es gibt sogar einen kleinen Schotterparkplatz. Bei Dauerregen ziehen die Kinder ins Dorfgemeinschaftshaus Strücken um.

Eltern, die sich entscheiden, ihr Kind in einen Waldkindergarten zu schicken, sind Überzeugungstäter. Denn hier gibt es nur eine Betreuung von 7.30 bis 12.30 Uhr, mehr lässt das Landesjugendamt nicht zu. Eltern müssen das Frühstück fertigmachen und mitgeben und man braucht ein paar wetterfeste Kleidungstücke mehr. Dafür kümmern sich hier jeweils zwei Erzieherinnen oder Erzieher um je vier Kinder.

Mit dem Konzept „Waldkindergarten“ hat man in Rinteln inzwischen 13 Jahre Erfahrung. So lange gibt es die „Waldzwerge“ in der Nordstadt. Auch Branahl wie Calvin haben bereits Erfahrungen mit Kindern im Wald gesammelt, kennen den Waldkindergarten in der Nordstadt und bringen damit das notwendige Know-how mit. Branahl hat im Kiga „Gänseblümchen“ in Engern gearbeitet, war dann im Familienzentrum in Rinteln für das Projekt Sprachförderung zuständig. Einen neuen Waldkindergarten in Strücken zu eröffnen, war Ende vorigen Jahres erstmals im Gespräch, weil es für die „Waldzwerge“ in der Nordstadt eine lange Warteliste gibt. Nachdem Mareen Fennert vom Familienzentrum bei einem ersten Vorbereitungstreffen im Strückener Dorfgemeinschaftshaus festgestellt hat, wie groß das Interesse der Eltern ist, fasste der Rat den entsprechenden Beschluss. Eltern der „Waldzwerge“ haben im Lauf der Jahre vor allem zwei Dinge erfahren: Ihre Kinder sind fit. Ein Spaziergang zum Klippenturm ist nichts Ungewöhnliches und sie sind seltener erkältet als Kita-Kinder, die die meiste Zeit in geschlossenen Räumen verbringen.




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