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Eisfahrt: Start bei tollem Sonnenaufgang, dann nur noch Wind und Regen ins Gesicht

1000 Kanuten kämpfen gegen das Sauwetter

Rinteln (who). Bei mäßigen Minusgraden mit Regen und steifem Westwind auf Wesertour im Boot von Hameln nach Rinteln – schlicht ein Sauwetter, und man muss schon eingefleischter Paddler sein, um sich sowas anzutun. Und das sind faszinierend viele: Fast tausend Kanuten waren am Samstag bei der 38. Eisfahrt des Rintelner Kanu-Clubs dabei.

veröffentlicht am 06.12.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 13:21 Uhr

06. Dezember 2009 23:00 Uhr

Rinteln (who). Bei mäßigen Minusgraden mit Regen und steifem Westwind auf Wesertour im Boot von Hameln nach Rinteln – schlicht ein Sauwetter, und man muss schon eingefleischter Paddler sein, um sich sowas anzutun. Und das sind faszinierend viele: Fast tausend Kanuten waren am Samstag bei der 38. Eisfahrt des Rintelner Kanu-Clubs dabei.

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Als die Paddler-Armada am frühen Morgen startet, verheißt ein toller Sonnenaufgang eine Bilderbuchfahrt. So habe man ihm das übers Handy durchgesagt, berichtet Peter Specht. Dann kam der Regen. Doch die Kanuten behalten ihre gute Laune auch nach 26 Kilometern gegen Wind und Regen. Eisfahrt-Organisator Peter Specht wundert das nicht: „Warum man sich das eigentlich antut, das frage ich mich selber immer wieder, wenn ich nach so einer Tour bei Regen irgendwo an Land gehe.“ Weil es aber einen Grund geben muss, dass sich so viele Paddlerinnen und Paddler auf einmal „sowas antun“, haken wir nach. Und übereinstimmend kommen die Antworten: „Weil es Spaß macht und wegen der guten Gemeinschaft untereinander.“

Die Szenen nach der Ankunft in Rinteln sprechen für sich: Man hilft sich scherzend gegenseitig ans Ufer, die Boote werden an Land aneinander gereiht und alte Bekannte finden sich zum Schnack zusammen über die zurück liegende Saison. Die ist dieses Mal nach allgemeiner Erfahrung bei bescheidenem Paddlerwetter nicht so prall ausgefallen. Aber mit der richtigen Ausrüstung ist das halb so schlimm, erklärt Peter Specht, denn „die meisten tragen unter ihrer Regenkleidung Neopren- oder Trockenanzüge, die weder Kälte noch Nässe durchlassen“.

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Die ersten Eisfahrer reisen schon am Dienstag vor dem Start an und die letzten bleiben bis zum folgenden Montag, berichtet Specht. Die Ersten, das seien insbesondere Rentner, „weil die ja am meisten Zeit haben“, und bekennt, dass er ab sofort auch zu dieser Paddler-Klasse gehört. Überhaupt scheint der Kanusport eine Sache zu sein, die fit hält und die ohne Probleme bis ins Alter betrieben werden kann, denn eben den Paddlern, die schon als Kinder ins Boot gestiegen sind, gibt es viele, die erst kurz vorm Rentenalter den Kanusport für sich entdeckt haben.

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Frank Schneider aus Papenburg vom Kanuclub Bramsche ist pensionierter Berufsschiffer. Ihn reizt am Kanusport, „dass man mit dem Boot hinkommt, wo man mit dem Schiff keine Chance hätte.“

Wenn es nach der Anzahl der Startkarten geht, dann sind zur 38. RKC-Eisfahrt 976 Kanuten gekommen, entnimmt Peter Specht seiner Meldeliste, während die ersten Gäste schon gleich nach dem Mittagessen ihre Boote verladen und abreisen.

„Das ist neuer Rekord“, freut sich der RKC-Chef. Zusammen einigen „Schwarzfahrern“, eigenen Helfern und den Bootsbesatzungen der DLRG-Gruppen aus Rolfshagen, Hessisch Oldendorf und Hameln seien sogar weit mehr als 1000 Teilnehmer dabei gewesen. Darunter so ein prominenter Paddler wie Walter Schwarzer vom Kanuclub Wickede. Schwarzer wird am Abend vom Vizepräsidenten des Deutschen Kanuverbandes, Hermann Thiebes aus Hamm mit einer seltenen Auszeichnung geehrt werden. Er soll das Goldene Wanderfahrerabzeichen der Sonderstufe für 50 Jahre bekommen. Das bedeutet, 8000 erpaddelte Kilometer und für die jährliche Erneuerung jeweils 600 Jahreskilometer. Natürlich ist Walter Schwarzer da und berichtet, dass er bislang unter dem Strich 137 000 Kilometer in seinem Fahrtenbuch stehen hat und dass er damit an zweiter Stelle in Nordrhein-Westfalen rangiert sowie auf Platz sechs im Bundesvergleich.

„Weil man andere Menschen und schöne Landschaften kennen lernen kann,“sind Sigrid Zindler (li.) und Brigitte Kähler vom RSV Braunschweig auf den Kanusport gekommen. Die Architektin und die Lehrerin haben beide den Kanusport als Hobby für ihren Ruhestand gewählt. Brigitte Kähler sitzt erst seit 2006 im Boot, Sigrid Zindler seit 1999.

Fotos: who