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Landessportfischerverband kritisiert Naturschutzbund und will Hohenroder Kiesseen selbst kaufen

Angler: „Nabu degradiert Fische zu Vogelfutter“

Rinteln (pk). Rund vier Wochen nach der öffentlichen Absichtserklärung des Naturschutzbundes (Nabu), die Kiesseen in Hohenrode zu kaufen (wir berichteten), meldet sich der Landessportfischerverband Niedersachsen mit einer Pressemitteilung öffentlich zu Wort. Der Verband interessiere sich „ebenfalls für einen Kauf der Auenlandschaft“. Auch wenn außer dem Nabu bislang „offenbar keinem weiteren Naturschutzverband die Möglichkeit zur Beteiligung geboten worden“ sei. „Die Pläne des Nabu könnten sich zu einem ökologischen Bumerang mit fatalen Folgen für die Artenvielfalt entwickeln“, heißt es in der Presseerklärung von Thomas Klefoth vom Landessportfischerverband weiter.

veröffentlicht am 24.04.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 19:21 Uhr

Das Vorhaben des Nabu sei „innerhalb und außerhalb der Anglerschaft“ auf „scharfe Kritik“ gestoßen. Der Nabu verfolge „fast ausschließlich Schutzziele für wenige prestigeträchtige Vogel- und Säugetierarten“. Die Auenlandschaft sei besonders wertvoll, da sie ein Zusammenspiel vieler hoch gefährdeter Tiere und Pflanzen erlaube. „Dies gilt insbesondere auch für bedrohte Fischarten“, schreibt Klefoth.

Bei einseitiger Fokussierung auf den Schutz einzelner Arten sei die Biodiversität gefährdet, da nur begrenzt vorhandene Ressourcen unausgewogen verteilt würden. „Kurzerhand degradiert man bedrohte Fische und Amphibien zu Vogelfutter“, so Klefoth. Die Pläne des Nabu könnten sich daher zu einem „biologischen Bumerang mit fatalen Folgen für die Artenvielfalt entwickeln“. Die Nabu-Pläne für die Kiesseen würden der Bedeutung einer so wichtigen Auenlandschaft nicht gerecht.

Dagegen verfolge der Landessportfischerverband „einen ganzheitlichen Ansatz im Naturschutz“, bei dem „der Mensch als Teil der Natur behutsam in die Ökosysteme integriert“ und ein „gesundes und artenreiches Zusammenspiel mit gegenseitigem Nutzen angestrebt“ werde.

Würden die Kiesseen jedoch an den Nabu verkauft, werde sich das Ökosystem einseitig entwickeln, zumal „wichtige Ökosystemdienstleistungen“ nur „wenigen Mitgliedern des Naturschutzbundes vorbehalten“ blieben. „Ein solch elitäres Verhalten ist aus Sicht des Landessportfischerverbands weder aus ökologischer noch aus gesellschaftlicher und sozialer Sicht tragbar“, schreibt Klefoth. „Die durch den Nabu vorgetragenen Risiken für die Auenlandschaft durch angelfischereiliche Nutzung entbehren jeder fachlichen Grundlage.“

Abgesehen davon verfüge der Nabu derzeit nicht über die finanziellen Mittel, die Auenlandschaft, wie von Eigentümer Dieter Eggersmann von AHE Schaumburger Weserkies veranschlagt, für 350 000 Euro zu kaufen. Wie unsere Zeitung berichtete, sammelt der Nabu gegenwärtig noch Spenden für den Erwerb der Kiesseen.

Neben der Kaufabsicht fordert der Landessportfischerverband „eine enge Einbeziehung in die Planungen zur neuen Landschaftsschutzgebietsverordnung, um eine ausgewogene inhaltliche Gestaltung ganzheitlicher Naturschutzziele für die Auenlandschaft nicht zu gefährden“. Laut Klefoth beabsichtigt der Nabu derzeit, die Freizeitnutzung auf dem 115 Hektar umfassenden Gelände auf nur vier Hektar zu beschränken.

Wie Landkreis-Dezernentin Ursula Müller-Krahtz gestern auf Anfrage bestätigte, überarbeite der Landkreis Schaumburg derzeit die Verordnung zu den Landschaftsschutzgebieten.

Weil die Hohenroder Kiesseen laut Thomas Klefoth auch „fischereilich sehr interessant“ sind, möchte der Landessportfischerverband darin auch berücksichtigt werden. „Für die Folgenutzung dürfen die Fischer nicht ausgeschlossen werden“, zitiert Klefoth ein Gerichtsurteil von vor etwa 15 Jahren. Für die Abwägung zwischen Naturschutz und Fischerei seien im Rahmen der Landschaftsschutzplanungen jedenfalls noch Gespräche nötig, so Müller-Krahtz.

Eine konkrete Kaufanfrage an AHE Schaumburger Weserkies hat der Landessportfischerverband hingegen noch nicht gestellt. Klefoth: „Das wird in den nächsten Tagen noch passieren.“




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