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Verteidigung kündigt weiteren Befangenheitsantrag an

Mordprozess vor dem großen Knall

veröffentlicht am 18.10.2016 um 17:27 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 09:34 Uhr

„Jetzt werde ich langsam ein bisschen böse“, sagte Baumann. Sein Eindruck: „Der Kammer ist alles egal, weil sie der Frau glauben will.“ Gemeint ist die frühere Geliebte des Angeklagten. Für Baumann geht es „um die Frage, ob das Gericht seiner Pflicht zur Sachaufklärung nachkommt“.

Abgelehnt wurde beispielsweise der Antrag, einen Knopf, der unter der Leiche lag und zu einer Zirkusuniform gehören soll, näher zu untersuchen. Für die Richter ist dies „ohne Bedeutung“, weil es keine Erkenntnisse gebe, wie der Knopf dorthin gelangt sei. Die Geliebte war früher beim Zirkus.

Aus Sicht der Verteidiger mag der Ärger angebracht erscheinen, weil das Gericht zuletzt reihenweise Beweisanträge abgelehnt hat und nur wenigen nachgegangen ist. Der Vorsitzende Richter Norbert Kütemeyer hatte die Beteiligten bereits vorher wissen lassen, dass er die Beweisaufnahme für abgeschlossen hält.

Hinzu kommt, dass die Kammer bereits im März durchblicken ließ, dass sie nicht abgeneigt zu sein scheint, der Ex-Geliebten zumindest teilweise zu glauben. Damals hatten die Richter eine Haftbeschwerde des Angeklagten zurückgewiesen. Zur Begründung hieß es, der dringende Tatverdacht stütze sich auch auf die Aussage der Ex-Geliebten. Aus alledem zieht die Verteidigung offenbar den Schluss, dass das Gericht voreingenommen ist – ein anderes Wort für befangen.

Die Geliebte will gesehen haben, dass K. im Mai 2015 auf seine Frau Ines eingeschlagen hat. Beide Anwälte halten die Zeugin für unglaubwürdig. Die meisten Beweisanträge sollen daher die Glaubwürdigkeit der 43-Jährigen erschüttern.

Fest steht, dass die Kammer gar kein Geheimnis daraus macht, was sie zumindest von einem Teil der jüngeren Beweisanträge hält. Regelmäßig taucht in ablehnenden Beschlüssen die Anmerkung auf, dass es der Verteidigung um Prozessverschleppung gehe.

Fest steht auch, dass Verteidiger Baumann keinem Konflikt aus dem Weg geht. Vor rund zehn Jahren hatte sich ein Bückeburger Drogenprozess, an dem der Anwalt beteiligt war, nach einer Flut von Beweis- und Befangenheitsanträgen über 40 Verhandlungstage hingezogen, verteilt auf 14 Monate. Der Mordprozess steht vor dem 30. Sitzungstag. Autor: ly




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