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Naturschützer weisen Vorwürfe der Sportfischer zurück: Gefahr für Artenvielfalt geht von Fischerei aus

Nabu: „Kritik der Angler ist bloße Polemik“

Hohenrode (pk). Nachdem der Landesportfischerverband Niedersachsen die Pläne des Naturschutzbundes (Nabu) für die Auenlandschaft Oberweser in Hohenrode scharf kritisiert hat (wir berichteten), meldet sich nun der Nabu zu Wort und weist die „Kritik der Sportfischer als bloße Polemik“ zurück.

veröffentlicht am 25.04.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 18:41 Uhr

Die Kritik der Angler sei für den Nabu, der derzeit Spenden für den Kauf der Kiesseen sammelt, „nicht nachvollziehbar“, heißt es in der Pressemitteilung. „Woher die Sportfischer ihre unberechtigte und harsche Kritik nehmen, ist uns nicht erklärlich“, schreibt Nick Büscher, der Vorsitzende der Nabu-Gruppe in Rinteln.

Vielmehr sieht der Nabu in der vom Landessportfischerverband geäußerten Absicht, die Kiesseen zu kaufen, „eine Gefahr für die heimische Artenvielfalt“.

„Die Erfahrung zeigt vielmehr, dass eine fischereiliche Nutzung, wie sie von den Sportfischern angestrebt wird, alles andere als ökologisch vertretbare Folgen hat“, meint Nick Büscher. Die „ökologische Entwertung durch die drohende Angelnutzung und den Besatz von Fischen unterschiedlichster Herkunft“ werde durch den Kauf der Kiesseen durch den Nabu vermieden.

Die „bestehende Ruhe und Störungsfreiheit“ zu gewährleisten und „störende Nutzung“ zu verhindern, habe daher „größte Bedeutung“. „Das heißt, dass keine fischereiliche Nutzung stattfinden darf, sondern lediglich die gesetzlich vorgeschriebene Hege durchgeführt werden soll“, stellt der Landesvorsitzende des Nabu, Dr. Holger Buschmann, in der Pressemitteilung klar. „Auch der Fischbestand soll sich in der Auenlandschaft natürlich entwickeln dürfen – ohne unsachgemäßen Fischbesatz und ohne selektiven Fang.“

Von Fischen als „Vogelfutter“, wie es der Landessportfischerverband nannte, könne daher keine Rede sein. Die Beute reguliere den Beutegreifer, nicht umgekehrt. „Denn nur dort, wo auch eine vitale Fischfauna ihr Zuhause hat, können Fischadler, Fischotter & Co. ein Zuhause finden“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

„Die natürlichen Fischvorkommen der Auenlandschaft sind gleichrangiges Ziel unserer Artenschutzmaßnahmen“, erklärt Diplom-Biologe Thomas Brandt, der die Umsetzung der ökologischen Ziele des Nabu fachlich begleitet, in der Presseerklärung.

Dem Nabu gehe es bei seinem Konzept für die Auenlandschaft um einen „ganzheitlichen Schutz der Flora und Fauna“, so wie vom Landessportfischerverband gefordert. „Zu einem ausgewogenen Naturhaushalt gehört eine gesunde Fischfauna – dies weiß der Nabu“, heißt es im Pressetext.

Zudem gehe es den Naturschützern nicht darum, die Menschen aus der Auenlandschaft auszusperren. Im Gegenteil: Die schützenswerte Natur solle dem Menschen nahegebracht werden. Denn: „Wir wissen aus jahrelanger Naturschutzerfahrung: Man kann nur schützen, was man kennt“, meint Büscher. Auch hätten bereits Menschen „aus dem ganzen Bundesgebiet“ Unterstützung signalisiert und Interesse für die Auenlandschaft bekundet.

Dennoch, räumt der Nabu ein, reichten die bisher eingegangenen Spenden noch nicht für den Kauf der Kiesseen aus und erklärt deshalb: „Die Avancen der eigennützigen Sportfischer, die bereits den Großteil der Kiesseen an der Weser unter ihren Fittichen haben, machen deutlich, wie wichtig es ist, dass noch mehr Menschen dem Nabu spenden, um die Auenlandschaft für die Natur zu retten“, so Buschmann.




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