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Der Tod kann zu Hause bleiben

Wir leben in Corona-Zeiten – merkwürdige Zeiten sind es, in denen Grundrechte per Federstrich außer Kraft gesetzt, Senioren über Monate in Heimen und Pflegeeinrichtungen weggesperrt und wir alle zum zeitweiligen Tragen eines Mundschutzes verdonnert werden.

veröffentlicht am 08.07.2020 um 16:21 Uhr
aktualisiert am 08.07.2020 um 17:00 Uhr

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Merkwürdig auch Regeln für Restaurantbesuche, fürs Einkaufen, für Kinobesuche und die Durchführung von Veranstaltungen. Fußball mit ohne Zuschauer, kein Sport im Freien dann doch, aber nur unter Einhaltung bestimmter Regeln. Keine Konzerte, keine Jahrmärkte, keine Theatervorstellungen, keine Vorträge und was der Dinge mehr sind.

Umso erstaunlicher, was im schönen Bückeburg möglich werden soll: An elf Wochenenden die Durchführung einer Veranstaltung namens Mittelalterlich Spektakulum, bei der bis zu 6000 Menschen gleichzeitig auf der Veranstaltungsfläche flanieren können, bei der sogenannte Aktionsflächen zum Verweilen laden, bei der eine Attraktion die nächste jagen soll. Gepaart mit dem Hinweis: Corona-Regeln seien selbstverständlich einzuhalten. Einmeter-fünfzig Abstand wenn die mittelalterliche Band aufspielt? Wenn Gaukler ihre Künste präsentieren? Wenn Kinder sich im Spielbereich tummeln? Maske auf am Töpferstand? Wer, bitte schön, soll das überwachen?

Hintertürchen, um Corona-Regelungen zu umgehen

Liest man die vollmundigen Ankündigungen des umtriebigen Veranstalters, so drängt sich ein Verdacht auf: Das angepriesene Programm mit vielen Höhepunkten jenseits mittelalterlichen Inhalts unterscheidet sich nicht wesentlich vom ,,echten“ Spektakulum. Mit dem Verweis auf den sogenannten Skulpturenpark wurde lediglich ein Hintertürchen gefunden und geöffnet, um Corona-Regelungen zu umgehen. Ein Schlag ins Gesicht für die Veranstalter etwa von Jahrmärkten, die mit Fug und Recht ebenfalls auf die Zulassung ihres Events pochen.

Wie gesagt: Wir leben in merkwürdigen Zeiten. In Zeiten, in denen klare Normen offenbar fehlen. Der eine darf, der andere nicht. Letztendlich wird das dazu führen, dass das Verständnis in der Bevölkerung für die pandemiebedingten Beschränkungen abnimmt. Vor diesem Hintergrund sollten die Genehmigungsbehörden noch einmal gründlich über ihre Entscheidung nachdenken. Anders gesagt: Der im Trio ,,Die Heilige drei Scheußlichkeit“ in Bückeburg beim Spektakulum auftretende Tod kann getrost zu Hause bleiben.