weather-image
24°
×

Was nicht im Prüfbericht steht

Kommentar zu Prüfbericht im Fall Lügde: Warum?

HAMELN-PYRMONT/LÜGDE. Der Prüfbericht zum Fall Lügde ist am Mittwoch im Kreis-Jugendhilfeausschuss vorgestellt worden. Ein deprimierendes Dokument von behördlichem Versagen, findet unsere Kommentatorin - doch der Erkenntnisgewinn bleibt gering:

veröffentlicht am 10.09.2020 um 11:30 Uhr

Juliane Lehmann

Autor

Reporterin (Pyrmonter Nachrichten) zur Autorenseite

Zunächst einmal ist es gut, dass es den Bericht von Christa Frenzel gibt. Denn die Prüferin hat die Versäumnisse der mit dem Fall Lügde betrauten Stellen im Hameln-Pyrmonter Jugendamt sehr genau aufgelistet. Streckenweise erscheint das nun vorgelegte Ergebnis ihrer Untersuchung als deprimierendes Dokument des Versagens in der Behörde. Der Erkenntnisgewinn ist indes nicht übermäßig groß. Denn wirklich Neues, was noch niemand irgendwo gesagt oder geschrieben hätte, bringt der Bericht nicht ans Licht. Aber er bestätigt immerhin schwarz auf weiß die Sicht vieler Menschen auf das Thema. Und diese offizielle Gewissheit wird nicht ohne Folgen für die künftige Arbeit der professionellen Kinderschützer bleiben.

Die Antwort auf eine drängende Frage bleibt das gründlich erarbeitete Schriftstück aber schuldig. Die Frage nach dem Warum. Aus welchem Grund haben die zuständigen Jugendamts-Fachkräfte des allgemeinen Sozialdienstes (ASD) und des Pflegekinderdienstes (PKD) gleich vier sehr eindeutige Hinweise auf die mutmaßliche Pädophilie Andreas V.s falsch eingeschätzt, heruntergespielt oder komplett ignoriert? Warum blieb die Mutter des Pflegekindes außen vor, und warum wurde kaum mit dem Pflegekind geredet? Dass es eine Mischung aus Überforderung, fehlender Erfahrung, Inkompetenz oder auch Anmaßung gewesen sein dürfte, bleibt Spekulation.




Anzeige
Anzeige
Anzeige