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„Eine unvergessliche Zeit“: Volles Haus beim letzten Konzert des MGV Obernkirchen

Kein Abschied ohne Tränen

Fast alle Plätze waren in der Stiftskirche besetzt, als die „Sangesbrüder“ ihr letztes Lied anstimmten: „So stehen wir noch einmal vor Euch als ein Männerchor …“

veröffentlicht am 16.06.2016 um 18:26 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 12:45 Uhr

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Autor:

von Michael Grundmeier

OBERNKIRCHEN. Es war ein schöner, ein würdiger Abschluss für den MGV Obernkirchen – und das nicht nur, weil die Sänger noch einmal zu Hochtouren aufliefen. Viel wichtiger war, dass drei eng befreundete Chöre (der evangelische Kirchenchor „St. Marien“, Leitung: Regina Ackmann, der katholische Kirchenchor „Cäcilia“, Leitung: Antje Kronenberg und der Schütte-Chor, Leitung: Jürgen Schütte) beim letzten Gang dabei waren.

Diese Chöre hatten den Männerchor seit vielen Jahren begleitet, sagte der 1. Vorsitzende des MGV, Klaus-Dieter Scheithauer. „Es ist schön, dass Ihr heute mit dabei seid.“ Dass der Chor jetzt nicht „in Trauer verfällt“ (Scheithauer), zeigte auch das Programm, das durchaus fröhlich daherkam. Schon das erste Lied des evangelischen Kirchenchors – „Jauchzet und lobet den Herrn“ – gab hier die Richtung vor. Der Chor agiert kraftvoll und ausdrucksstark. Ähnlich jubilierend gibt sich das „Lobet den Herrn“ zur Melodie von Purcells „Trumpet Tune“. Die leicht dahingetupften Töne (diesmal des Katholischen Kirchenchors) machen das schön intonierte Werk besonders reizvoll.

Noch eine Schippe drauf legt an diesem Abend der Schütte-Chor unter Jürgen Schütte. Sein starker Beitrag beginnt mit „O Täler weit, o Höhen“, einem Sehnsuchtslied, und endet mit „Weit, weit weg“, einem Cover des Pop-Barden Hubert von Goisern. Fast hat man den Eindruck, dass „Weit, weit weg“ eigentlich für einen Chor komponiert worden ist, so schön sind die Harmonien, so vielfältig die Melodie. Ein echter Ohrwurm, den man immer wieder gerne hört. Zum Schluss gibt’s noch ein Liebeslied: „The Rose“ von Bette Midler. Wer da keine Gänsehaut kriegt …

Der MGV selbst begann seinen letzten Auftritt mit dem bekannten „Frisch gesungen“ von Friedrich Silcher. Dort heißt es: „Hab oft im Kreise der Lieben, im duftigen Gras geruht. Und mir ein Liedlein gesungen. Und alles war hübsch und gut. Nur frisch, nur frisch gesungen. Und alles wird wieder gut.“ Ein Lied, dass die Stimmung der Sänger wohl am besten ausdrücken dürfte. Der musikalische Leiter des MGV, Werner Hobein, erklärt das so: „Allein zu singen ist schön, noch schöner ist es mit mehreren und im Chor zu singen – das ist Lebensqualität.“

Was vor 146 Jahren mit einem gemeinsamen Singen begonnen hatte, endete auch so: Chöre und Zuhörer sangen „Kein schöner Land“ und „Der Mond ist aufgegangen“. Bevor „wir das endgültig letzte Lied singen und die Segel streichen“, verabschiedete sich Klaus-Dieter Scheithauer stellvertretend für den gesamten MGV. Es sei eine „sehr schmerzliche Entscheidung gewesen, die wehgetan hat und wir haben auch den ein oder anderen bösen Blick dafür bekommen, aber es war die richtige Entscheidung“, sagte der 1. Vorsitzende. Man habe der Realität ins Auge blicken müssen. Und auch die Frage: „Was machen wir jetzt am Donnerstagabend“?, werde den Chor nicht „in ein tiefes Loch stürzen“. Statt die Ehefrau zu nerven, „gibt es ja viele Hobbys, denen wir nachgehen können, manch einer wird sicher in einem anderen Chor weitersingen.“

Scheithauer riet allen, sich an die vielen „unendlich schönen Ereignisse“ zu erinnern: „Dieses Positive kann uns keiner nehmen.“ Traurig war der Abschied dennoch – für Obernkirchen, das einen traditionsreichen Chor verliert, und für die Sänger, die teils 40, 50 oder, wie Erwin Höhn, sogar 62 Jahre dabei sind. Das die alte Vereinsfahne jetzt eingerollt wird, trifft viele tief, manch einem traten beim „endgültig letzten Lied“ Tränen in die Augen. „So stehen wir noch einmal, vor euch als Männerchor. Das Singen geht doch weiter, auch morgen wie zuvor.“

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