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Beifall für virtuose Leistung: Klaus Wilmanns Süskind-Solo im Brückentorsaal

Über das Leben am dritten Pult – der Kontrabass wird zum Hassobjekt

Rinteln (dis). Zu einem dichten Schauspielabend hat sich die Aufführung von Patrick Süskinds Alltagstragödie mit Komödienhang, „Der Kontrabass“, am Dienstag im Brückentorsaal entwickelt. Es gab Beifall für ein virtuoses Solostück, aber vor allem für den Mann, der da auf der Bühne in einem Zimmer mit dem Charme eines Schuhkartons stand und sich hoffnungslos in seinem Leben verhedderte: Klaus Wilmanns.

veröffentlicht am 11.11.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 17:41 Uhr

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Virtuos, wie Süskind hier die Demontage eines Kontrabassisten im Staatsorchester betreibt, die Fassade, mit der er ihn anfänglich umgibt, in einem großen Monolog abbröckeln lässt, bis dahinter ein desillusionierter, gebeutelter Mensch zum Vorschein kommt, den nur ein Rest Hoffnung, Gewohnheit und die Aussicht auf eine Pension aufrechterhalten.

Ein Einsamer, gekettet an den Kontrabass, der sein Dasein dominiert, erzählt sich das Elend von der Seele. Süskind gibt dem Theater, was Theater ist – Komödiantik und sprachlichen Witz, gesteigert bis zur Skurrilität. Nebenher übermittelt der Autor den Werdegang des Kontrabasses.

Klaus Wilmanns fügte sich prima ins Dichter-Konzept ein, er ließ nichts aus, trieb die Person genetisch und sprachlich bis an die Grenze, ohne sie jemals zu verraten und seine Aktionen zu schauspielerischem Selbstzweck werden zu lassen. Pedanterie und Unsicherheit, mit denen er Gesagtes wegwischte – die unterkühlte Lust an der Weitergabe von Wissen, seine Abfälligkeit und Arroganz gegenüber Wagner, den Dirigenten und seinen Orchesterkollegen, die Hoffnungslosigkeit der Liebe zur Mezzosopranistin Sarah – schier unerschöpflich die Mosaiksteine, aus denen Wilmanns die Person zusammensetzen durfte.

Ob spöttisch überlegen, voll Selbstmitleid, agil oder schläfrig, akkurat, schlampig, hinterhältig, verzweifelt und angriffslustig – das Schlimmste an diesem Kontrabassisten am dritten Pult: Die Selbstverständlichkeit, mit der er seine Geschichte zelebrierte und sein Wissen um die Mittelmäßigkeit, die er allzu gern ignorierte.

Mit Klaus Wilmanns erlebten die Zuschauer aber nicht nur einen wandelbaren Protagonisten vom „Theater 3 Hasen oben“ aus Immichheim, sondern in der selben Person steckte zudem ein toller Instrumentalist, der mit dem kurvenreichen Kontrabass bestens umzugehen wusste.

Klaus Wilmanns spöttisch überlegen, voll Selbstmitleid, agil oder schläfrig, akkurat, schlampig, hinterhältig, verzweifelt oder angriffslustig – die Zuschauer waren begeistert.

Foto: pk

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