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Eigentümer Heinrich Gruber bietet die Immobilie im „Notverkauf“ an / Anwohner in Sorge

Arensburg: Bordell oder Zentrum für Rechte?

Steinbergen (wm). Ein gelbes Schild mit schwarzer Umrandung verwirrt zurzeit die Steinberger Bürger. Es ist weniger die Ankündigung eines „Notverkaufs“ von Schloss Arensburg, was niemand wirklich wundert, denn das Schloss hat schon öfter den Besitzer gewechselt, als der mögliche Kundenkreis, den der derzeitige Eigentümer Heinrich Gruber ausdrücklich willkommen heißt. Das sind unter anderem auch „Rechte, Rotlicht, Rocker und Sekten“.

veröffentlicht am 06.02.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 03:21 Uhr

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Wenn man mit Gruber telefoniert, der zurzeit in Königsdahlum wohnt, kann man zumindest den Zorn begreifen, der diesen Mann bewegt und zu solch ausgefallenen Formulierungen greifen lässt.

Gruber ist Metallbauer und nennt sich freier Erfinder, unter anderem einer Ankertechnik, die vor allem im Tunnelbau verwendet wird. Darauf habe er Patente, wie auch auf andere Erfindungen, erklärte Gruber am Freitag am Telefon. Eigentlich müsste er Millionär sei, seine Mitarbeiter bis zur Pension ausgesorgt haben. Ist er aber nicht. Nach eigener Aussage hat er 1,5 Millionen Euro Außenstände und will deshalb das Schloss Arensburg verkaufen.

Firmen, mit denen er zusammengearbeitet habe und die laufend Gesellschaftsform wie Besitzer wechselten, hätten ihn „über den Tisch gezogen“: „Nadelstreifenverbrecher”, die „Patentdiebstähle” begangen hätten, wie er das für jedermann lesbar auf seinem großen Plakat vor der Arensburg formuliert hat.

Gruber, der aus Kärnten in Österreich kommt, gibt im Gespräch zu, er sei nun mal ein „rustikaler Typ”. Er habe als Landwirt und Bergmann unter Tage angefangen und da pflege man einen deutlichen Umgangston.

An den haben sich die Steinberger von Anfang an gewöhnen müssen: „Patententwicklungsbereich” steht am Eingangstor „Freilaufende und kriechende Wildtiere, völlig durchgeknallte Mitarbeiter von 1 – 99 Jahre”.

Er habe beim Atomlager Konrad mitgearbeitet und der ICE-Strecke Hannover-Würzburg und sei deshalb nach Norddeutschland und schließlich auf die Arensburg gekommen, schildert Gruber. Vor zwei Jahren hat er das Schloss mit dem Park gekauft, sechs Hektar davon stehen unter Naturschutz mit seltenen Bäumen wie Edelkastanien, Hängebuchen und einer Riesen-Thuja.

Gruber hatte Großes vor. Er wollte dort nicht nur seinen eigenen Altersruhesitz einrichten, sondern auch rüstigen Senioren im Schloss mit den 85 Zimmern ein Heim anbieten, in dem sie noch selbst wirtschaften sollten. Dazu den Park herrichten und praktisch nutzen. Die Bäume dort, das sei sein Hobby, sagt Gruber. Weil die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises ein Wort mitzureden hatte, engagierte Gruber Diplom-Ingenieur Andreas von Hoeren aus Bad Salzdetfurth, der ihm ein Gutachten zur Parkbewirtschaftung erstellt hat. Von Hoeren kann nichts Nachteiliges über seinen Auftraggeber sagen. Der sei vielleicht exzentrisch, aber seine Ideen hätten Hand und Fuß gehabt. Gruber meldete eine Landwirtschaft an, auf dem Parkgelände grasen heute Highland-Rinder und zwei Esel.

Wer im Internet recherchiert, begreift schnell, dass der Erfinder nicht in die klassischen Schubladen der Industrietechnik passt. Gruber hat neben einem selbstbohrenden Injektionsanker für den Tunnelbau auch so profane Dinge wie Lagergrillöfen, Messestände und einen Geschossfang für Klein- und Großkaliberschützen im Angebot. Gruber sagt dann auch von sich „ich bin ein normaler Handwerker”, der leider Managern getraut habe.

Auf seinem Schild an der Arensburg stehen Namen: DSI International und IBO Anker GmbH, die er für schuldig hält an seiner finanziellen Misere. Von beiden Firmen war am Freitag keine Stellungnahme dazu mehr einzuholen.

Wer Schloss Arensburg im Internet eintippt, wird auch auf die Homepage der Firma Internationale Rendite Investments in Donaueschingen geführt. Dort wird die Arensburg für 3,93 Millionen Euro angeboten. Gruber betont aber ausdrücklich er kenne die Offerte nicht, habe damit auch nichts zu tun. Er habe das Schloss keinem Makler übergeben.

In Steinbergen hat man jetzt Sorgen, das Schloss könnte in „falsche Hände” geraten, äußerte der stellvertretende Ortsbürgermeister Artur Böker (WGS) seine Bedenken. Es habe schon einmal das Gerücht die Runde gemacht, eine politisch rechts stehende Gruppierung habe ihr Interesse am Schloss bekundet, um dort ein Schulungszentrum einzurichten.

Voreigentümer Dieter F. Kindermann, der fast sechs Jahre lang einen Käufer hatte suchen müssen, bestätigte, bei ihm sei damals auch ein Belgier aus dem Rotlichtmilieu vorstellig geworden. Da er nicht gewollt habe, dass aus dem Schloss ein Bordell wird, habe er trotz des lukrativen Preises damals sofort abgewinkt. Gruber kann darüber nur lachen, vielleicht wird ja Realität, was er ebenfalls auf seinem Plakat empfiehlt, die „Gründung eines Mikrostaates”. Der Regierungssitz dafür ist ja da: das Schloss!

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