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Bohrungen im Wesertal

Auf den Spuren des Flusses

RINTELN. Derzeit sieht man hier und da in Rinteln zwei grüne Lkw mit Bohraufsatz stehen. Dahinter verbirgt sich ein Team des Landesamts für Geologie, das in und um Rinteln Bohrungen vornimmt. Wozu dient das Ganze? Wir haben Geowissenschaftlerin Janine Meinsen bei ihrer Arbeit über die Schulter geschaut.

veröffentlicht am 16.05.2018 um 14:24 Uhr
aktualisiert am 16.05.2018 um 18:00 Uhr

Geowissenschaftlerin Janine Meinsen legt Schlammschichten an der Bohrschnecke frei. Foto: mld
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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RINTELN. „Das hier“, sagt Janine Meinsen, „das ist ungewöhnlich.“ Sie wischt Schlamm von einem Stein ab, der einem Laien nicht ungewöhnlich vorkommt: rundgewaschen, länglich, braun-rot. „Das ist Feuerstein“, erzählt die Geowissenschaftlerin. „Der kann nicht vom Fluss hergetragen worden sein.“ Denn der komme nicht im Flussbett der Weser vor.

Meinsen untersucht weitere Kiesel, alle anderen scheinen aber typisch für die Gegend zu sein. Sie steht mit Sieb und Gummistiefeln am Rande des Rintelner Flugplatzes. Neben ihr parken zwei große Lkw mit Bohraufsatz. Die Mindenerin arbeitet beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) mit Sitz in Hannover. Derzeit ist Meinsen gemeinsam mit Robert Broschinski und Thomas Jelinski als Bohrteam an elf verschiedenen Punkten in und um Rinteln unterwegs.

Warum? Das LBEG entnimmt an verschiedenen Orten entlang der Weser Bodenproben. Hierdurch sollen Fragen geklärt werden wie: Wie sind die geologischen Schichten im Gebiet der mittleren Weser aufgebaut? Wie ist das Flusssystem entstanden? Welche Kiesschichten gibt es?

Erde und Kies werden mithilfe von Bohrschnecken an die Erdoberfläche befördert, wie hier am Rintelner Flugplatz. Janine Meinsen untersucht die Funde vor Ort. Foto: mld
  • Erde und Kies werden mithilfe von Bohrschnecken an die Erdoberfläche befördert, wie hier am Rintelner Flugplatz. Janine Meinsen untersucht die Funde vor Ort. Foto: mld
Geowissenschaftlerin Janine Meinsen siebt den Weserkies aus der Nähe des Rintelner Flugplatzes in einem Wasserbottich aus. Was zurückbleibt, nimmt sie mit nach Hannover ins Labor für weitere Untersuchungen. Foto: mld
  • Geowissenschaftlerin Janine Meinsen siebt den Weserkies aus der Nähe des Rintelner Flugplatzes in einem Wasserbottich aus. Was zurückbleibt, nimmt sie mit nach Hannover ins Labor für weitere Untersuchungen. Foto: mld
Was für den Laien wie bloßer Schlamm aussieht, gibt den Experten des LBEG Aufschluss über Entstehung und Alter der Weser. Foto: mld
  • Was für den Laien wie bloßer Schlamm aussieht, gibt den Experten des LBEG Aufschluss über Entstehung und Alter der Weser. Foto: mld

Das kann auch für Privatleute interessant sein, beispielsweise für Landwirte, die sich für die Güte ihres Bodens interessieren, oder für Bauherren.

Bei den Drillbohrungen werden Kies und Erde mithilfe von sogenannten Endlosschnecken nach oben befördert. Es handelt sich um Trockenbohrungen, also ohne Flüssigkeiten oder Chemikalien. Die Bohrungen kommen bis zu hundert Meter tief.

Hier, im Rintelner Wesertal, kommt das Bohrteam allerdings gerade mal bis 13 Meter. Dann folgt eine harte Schicht, es geht nicht weiter. Heißt aber auch: Man schafft mehrere Bohrpunkte am Tag. In anderen Regionen sieht das anders aus, es gibt Verwerfungen und tiefe Rinnen. „Wir wissen selber nie genau, was kommt“, erläutert Meinsen das Spannende bei den Bohrkampagnen. Bei ihrem letzten Bohreinsatz, in Cuxhaven, habe es marine Ablagerungen gegeben, auch mal Torf – für einen Geologen Abwechslung pur.

Das, was die Bohrschnecke ans Tageslicht befördert, wird mit einer Schaufel ausgelegt, gestaffelt nach Tiefe: Schlamm aus 0 bis 3 Metern, aus 3 bis 6 Metern … Meinsen dokumentiert die Funde vor Ort: Aus welcher Tiefe kommt das Material, welche Korngröße besitzt es, aus welcher Zeit stammt es ungefähr, welche Farbe hat es? „Das ist öfters mal ein Streitthema“, erzählt Meinsen und lacht.

Interessant wird es für das dreiköpfige Team, sobald auf Kies gestoßen wird. Das zeigt, wo der Fluss entlanggekommen ist. Dann siebt Meinsen den ausgelegten Schlamm mit einem Sieb für bestimmte Korngrößen aus. Zurück bleiben grobe Kieselsteine, „in den typischen Farben der Weser“, so Meinsen. Da wäre der „klassische, rote Buntsandstein“, „an dem man immer die Weser erkennt“, oder schwarz glänzender Lydit, auch Kieselschiefer genannt.

Die Steine nimmt Meinsen mit: Sie werden von Spezialisten des LBEG im Labor untersucht. Andere Experten widmen sich der sogenannten Pollenanalyse, da die unterschiedlichen Pollen Aufschluss über das Alter der verschiedenen Erdschichten geben.

Daten online: Nach Abschluss der Arbeiten will das LBEG die Daten in ihrer Bohrdatenbank unter http://nibis.lbeg.de/cardomap3 verzeichnen. Für Rinteln kann das jedoch noch etwas dauern.

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