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Seltenes Zweiständerhaus

„Das Haus muss erhalten bleiben“

GOLDBECK. Unscheinbar ist es, dieses verfallene Haus in der Meierberger Straße. Dabei verbirgt sich hier eine Besonderheit: ein seltenes Zweiständerhaus. Es sollte erhalten bleiben, plädiert nun Experte Dr. Karl-Heinz Oelkers: „Es ist Kulturgut.“

veröffentlicht am 16.04.2018 um 16:36 Uhr

Unauffällig und doch besonders: Dieses Haus in der Meierberger Straße ist ein Zweiständerhaus. Diese Bauweise kann man nur noch selten entdecken – meist wurden solche Häuser abgerissen oder erweitert. Foto: tol
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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GOLDBECK. Spaziert man die Meierberger Straße im kleinen Ort Goldbeck entlang, fällt ein Haus besonders auf. Die Hausnummer 11 sticht deshalb ins Auge, weil es verfallen wirkt. Ansonsten ist es im Auge des ungeübten Betrachters weder besonders schön noch wertvoll. Experten bewerten dies jedoch anders.

„Man ist immer stolz, wenn man so etwas Seltenes entdeckt“, sagt Dr. Karl-Heinz Oelkers von der „Schaumburger Landschaft“. Er ist Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft „Spurensuche“, die sich zum Ziel gemacht hat, historische Besonderheiten in der Landschaft Schaumburgs festzuhalten und zu publizieren.

Jüngst beschäftigte sich eine Gruppe ausführlicher mit Goldbeck, weil im Rahmen der „Spurensuche“ ein Poster angefertigt wurde (wir berichteten). In diesem Rahmen wurde das Haus mit der Nummer 11 entdeckt.

Hierbei handelt es sich um ein Zweiständerhaus. Die ältesten Gebäudeteile datieren auf 1660/80; die Vorderfront entstand erst um 1900. Nicht nur ist dies also ein Haus, das in einer Art erbaut wurde, die heute kaum noch anzutreffen ist, auch handelt es sich um eines der ältesten Gebäude in Rinteln.

Die Experten Oelkers und Sven-Olav Benkhardt von der Schaumburger Landschaft hätten diese Besonderheit allerdings kaum entdeckt, wäre nicht Architekt und Bauernhausexperte Ulrich von Damaros dazugekommen. „Von außen ist das Zweiständerhaus nicht als solches zu erkennen“, erläutert Oelkers die Schwierigkeit. Denn es sei mehrfach umgebaut worden. Nur von innen sei die besondere Bauweise auszumachen.

Bei einem Zweiständerhaus handelt es sich um ein niederdeutsches Hallenhaus, bei dem die Dachsparren von einem Ständerwerk aus zwei Ständerreihen sowie den aufliegenden Deckenbalken getragen werden. Die beiden Ständerreihen sind der Länge nach angeordnet und bilden so gleichzeitig die Diele. Eine „sparsame Bauweise“, sagt Oelkers. Im Rintelner Raum soll es nur zwei dieser Gebäude geben.

Die Bauart sei deshalb selten geworden, weil viele Häuser später abgerissen oder aber erweitert wurden. Bei den meisten Häusern seien weitere Ständerreihen angebaut worden, um so mehr Raum für Großvieh sowie Kleinvieh zu schaffen, das mit den Menschen buchstäblich unter einem Dach lebte. Oelkers selber lebe beispielsweise in einem Vierständerhaus.

Auf dem historischen Poster, das die „Schaumburger Landschaft“ für Goldbeck vor wenigen Tagen veröffentlicht hat, ist mehr über den Hintergrund des Hauses zu erfahren: „Der Zweiständerbau gehörte zu einer Brinksitzerstelle eines Leinenwebers. Das angewinkelte Dach lässt erkennen, dass das Haus in der Längsachse verbreitert wurde.“

Leinenweberei und Korbflechterei waren besonders bedeutsam für Goldbeck, erläutert Oelkers: Auf dem kargen Boden war an fruchtbare Landwirtschaft – im Gegensatz beispielsweise zu Ortsteilen wie Exten – nicht zu denken.

Was passiert nun mit dem Haus? Eigentlich müsste man es restaurieren, um es zu erhalten, sagt Oelkers. „Aber dafür ist meist kein Geld da.“ Dies sei zudem keinem Privateigentümer zuzumuten: „Hierbei handelt es sich um eine Gemeinschaftsaufgabe. Es ist Kulturgut.“

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