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Chordirektorin erklärt, warum gerade Knabenstimmen so viele Zuhörer begeistern

Es ist der „Engelsglockenklang“

Möllenbeck. „Mein Gott, war das schön!“ „Es war einfach wunderbar!“ Wie einen Nachklang des Konzertes hörte man vor dem Kloster Möllenbeck von vielen Seiten solche Aussprüche von Zuhörern, die den Ort des Geschehens noch nicht verlassen wollten. Der „Knabenchor der Jenaer Philharmonie“ hatte in der Klosterkirche gesungen, ein großes Abschiedskonzert, für dessen umfangreiches Programm die etwa 80 Kinder und Jugendlichen eine Chorwoche lang in der Jugendherberge des Klosters gelebt und täglich sechs Stunden geprobt hatten.

veröffentlicht am 24.08.2015 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 14:22 Uhr

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Autor:

von cornelia kurth

„Ja, Knabenchöre klingen anders als normale Erwachsenchöre“, sagt Chordirektorin Berit Walther. „Wenn die Jungs kurz vor dem Stimmbruch sind, dann entsteht dieser Engelsglockenklang, als sei etwa hell Metallisches dazu gemischt. Das ist es, was die Menschen so sehr bewegt.“ Das Geheimnis läge darin, auch die ganz jungen, weichen Knabenstimmen zur Geltung kommen zu lassen, und darauf zu achten, dass die dunklen Stimmen der jungen Männer nicht überwiegen. „Ich liebe ein natürliches Klangbild, also, wenn wir so singen, dass man das Gefühl bekommt: Genau das ist Singen.“

Neun Jahre alt sind die Jüngsten im Chor. Einige von ihnen durften zum ersten Mal an einem Konzert teilnehmen, und natürlich machte es den Zuhörern in der vollen Kirche zusätzlich großen Spaß, diesen kleinen Knaben zuzusehen, wie sie ihre Aufregung in den Griff bekamen und ihre Blicke auf die Chordirektorin richteten. Die wiederum lächelte stets, ermunterte mit Gesten zum vollen Einsatz und zu ebensolchem Lächeln.

Über eine Stunde immerhin dauerte das sehr anspruchsvolle Programm, das leichthin mit dem barocken Komponisten Heinrich Schütz begann und dann einen ersten Höhepunkt mit dem kraftvollen „Cantemus“ des Ungarn Lajos Bárdos setzte. Von Beginn an klatschten die Zuhörer Beifall nach jedem Lied, auch nach den sehr berührenden sakralen Stücken, darunter Bachs „Jesus bleibet meine Freude“, das der junge Organist Malte Klevenow souverän begleitete, oder nach den Kompositionen der Skandinavier Jan Sandström, Knut Nystedt und Ola Gjeilo.

Mit Bedacht wählte Berit Walther Musik aus, die es dem Chor ermöglichte, sein großes Können zu beweisen, ohne in musikalische Klischees zu verfallen oder andererseits die Zuhörerschaft durch zu viel Ungewohntes zu überfordern. Damit den „Kleinen“ auch mal eine kleine Sitzpause gegönnt sei, übernahmen die Männer des Chores das „Laudate Dominum“ des niederländischen Komponisten Hendrik Andriessen.

Ohne die erfahrenen älteren Sänger, die auch während der Tage solcher Chorfreizeiten Verantwortung für die Kinder übernehmen, könnten Chorfreizeiten und Konzerte kaum gelingen. „Manche von ihnen studieren bereits oder haben einen Beruf“, sagte Berit Walther. „Aber sie sind eben selbst schon seit ihrer Kindheit im Chor und nehmen sich bereitwillig frei, um mich und meine beiden Assistenten zu unterstützen.“ Oft werde sie gefragt, wie sie als einzige Frau zwischen all den Jungs und jungen Männern klarkäme. „Dabei spielt das nun wirklich keine Rolle“, meint sie. „In den skandinavischen Ländern ist es ganz normal, dass eine Frau den Knabenchor leitet.“

Als das Konzert mit lebhaften afrikanischen Gesängen beendet wurde und all die Sänger einen Kreis um die Kirchenbänke bildeten, um das sanfte Lied „Evening rises“ anzustimmen, konnte man die Zuhörerschaft nur noch als „hingerissen“ bezeichnen. „Wir kommen im nächsten Jahr wieder“, versprach Chordirektorin Berit Walther. Willkommen!

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