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Kehrtwende am Messingsberg: Gewaltiger Schutzdamm geplant / Antrag auf Abbau des Werkstattfelsens

NNG gibt Pläne für Abtrag des Bergkamms auf

Rinteln/Steinbergen (wer). Die Norddeutsche Naturstein GmbH verabschiedet sich überraschend von ihren Plänen, den Kamm des Messingsbergs abzutragen. Das bestätigte Geschäftsführer Uwe Werner gestern gegenüber unserer Zeitung. Stattdessen sollen ein über 350 Meter langer Schutzdamm und gewaltige Fangzäune abrutschende Gesteinsbrocken aufhalten. Zugleich forciert die NNG die Abbauplanung für den zentral im Steinbruch gelegenen Werkstattfelsen – ein Antrag hierfür wurde an die Gewerbeaufsicht gestellt.

veröffentlicht am 12.06.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 19:41 Uhr

Nach dem Bergrutsch im Dezember 2004 und den ersten gutachterlichen Expertisen des Folgejahres favorisierte die NNG zunächst einen teilweisen, dann vollständigen Abbau des Bergkamms. Jetzt sollen die Pläne zu den Akten gelegt werden. Als Grund für den Kurswechsel nennt Werner fehlende Unterstützung für das Projekt bei kommunalen Instanzen sowie „aus Bereichen des Natur- und Landschaftsschutzes“. Außerdem hätten Untersuchungen der Gutachter zu neuen Sicherheitsbedenken geführt: Für die am Kamm eingesetzten Arbeiter bestünde ein „hohes Gefährdungspotenzial“.

Statt an einer „Sanierungsmaßnahme“, wie der Totalabbau bislang apostrophiert wurde, tüftelt die NNG jetzt an einer „Schutzkonzeption“. Der Bergkamm wird in drei Zonen unterschiedlicher Einsturzwahrscheinlichkeit eingeteilt und jeweils Maßnahmen für einen kurzfristigen wie langfristigen Zeithorizont (10 und 100 Jahre) ersonnen. In einem Schreiben an den Landkreis stellt die NNG klar: „Beide Konzepte weichen von den bisherigen Überlegungen ab, die Schichten des Korallenoolith abzutragen und den Bergrücken mit Abraum wieder aufzubauen.“

Unterhalb der Steilwand soll als Begrenzung des Tagebaubetriebs und zur Abschirmung der Autobahn ein gewaltiger, sechs bis sieben Meter hoher Schutzwall angelegt werden, der abrutschende Gesteinsmassen aufhält. Nach Süden, in Richtung Steinbergen, sind in der Nähe der Rutschzone, wo der Kamm durchbrochen wurde, zudem größere Fangzäune geplant, die auch in dieser Richtung vor Felsbrocken schützen sollen. Außerdem soll das Gelände eingezäunt werden.

„Es gibt bisher nur einen Entwurf, die Gutachter berechnen noch, wie stark der Damm gebaut werden müsste“, äußert sich Werner zum Stand der Planung. In zwei bis drei Monaten soll das Konzept schon ausgereifter sein. Zustimmen müsse jedoch noch der Eigentümer der Tagebauflächen.

Zu der Entscheidung, den Kamm unangetastet zu lassen, hätten auch die Messreihen der letzten Jahre beigetragen. Der Berg sei nahezu zum Stillstand gekommen, die Bewegung nur noch „minimal“. „Das sah am Anfang anders aus“, begründet Werner den Sinneswandel.

Hinter der Entscheidung dürfte aber auch nüchternes betriebswirtschaftliches Kalkül stehen. Eine Genehmigung des Kammabtrags gilt ohnehin als unrealistisch, der NNG fehlt eine politische Mehrheit. Die Aufgabe des Unerreichbaren könnte so wenigstens den Weg für ein anderes Projekt ebnen, das die Betriebslaufzeit ebenfalls verlängert: den Abbau des Werkstattfelsens, den die NNG inzwischen beim Gewerbeaufsichtsamt beantragt hat.

Durch den Abtrag des Felsens und Abbauvertiefungen in bereits genehmigten Blöcken sollen drei Millionen Tonnen Gestein gewonnen und die Betriebsdauer um vier bis fünf Jahre verlängert werden. Ohne Erweiterungsgenehmigung wäre der Steinbruch dagegen in sechs bis sieben Jahren ausgebeutet.

Am Mittwoch stehen beide Themen, der Abbauverzicht und der Abbauantrag, auf der Tagesordnung des Umweltausschusses des Landkreises.

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