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Chancen im Handwerk

Problem Mobilität: Ausbildungsmöglichkeiten im ländlichen Raum

RINTELN. „Was möchtest du später mal werden?“ Das ist eine Frage, mit der jeder schon einmal konfrontiert war. Die Realität ist aber die: Wer auf dem Land groß wird und nicht wegziehen will, der kann nicht automatisch alles lernen, was er möchte.

veröffentlicht am 11.01.2018 um 16:36 Uhr
aktualisiert am 11.01.2018 um 17:10 Uhr

Bus oder Motorroller sind Alternativen für Mika Kuhlmann (17) aus Krainhagen. An der BBS in Rinteln möchte er die Fachhochschulreife erlangen, mit dem Auto darf er schon ab und zu selbst nach Hause fahren, allerdings nur am Steuer eines Fahrschulwage
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Marieluise Denecke Redakteurin / Online zur Autorenseite
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93 Ausbildungsbetriebe gibt es im Bereich der Agentur für Arbeit Rinteln, zu dem nicht nur die Weserstadt, sondern auch Bad Eilsen und das Auetal zählen. Dies sind Betriebe aus so unterschiedlichen Bereichen wie Einzelhandel, Lebensmittelhandwerk, Zahnmedizin, Mosaikleger oder Elektronik. Ausbildungsplätze gibt es noch viel mehr, denn viele Betriebe bieten mehr als einen Platz an.

Stand heute gibt es im Raum Rinteln etwa 160 Bewerber. Diese Zahl kann täglich schwanken. Das heißt allerdings nicht, dass alle Bewerber einen Ausbildungsplatz bekommen, schließlich spielen die Ansprüche des Betriebes und die Wünsche des Bewerbers eine Rolle.

„Exoten sind sehr beliebt“, verrät Cornelia Kurth, Leiterin der Agentur für Arbeit Rinteln. Exoten wie Tierpfleger, Goldschmied oder Fotograf. Aber diese Ausbildungsplätze gebe es hier in der nahen Umgebung nun einmal nicht. „Dann muss man sich darauf einstellen, dass man pendeln muss“, so Kurth. Oder, andersherum gesagt: Wer vor Ort bleiben will, der muss sich auf Kompromisse einlassen.

Eines der gravierendsten Probleme im ländlichen Raum ist die Mobilität. Wer etwa um 8 Uhr auf der Arbeit sein müsse und um 15 Uhr wieder zurückkönne, für den sei das kein Problem, denn dann fahren Schulbusse. Aber wer hat schon solche Arbeitszeiten? „Wer nach 16 Uhr Feierabend hat und auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen ist, hat ein Problem“, sagt Matthias Voges, Berufsberater bei der Agentur für Arbeit.

Wer beispielsweise im Auetal wohnt und bis nach Hameln pendeln muss, der ist außerdem auf Anschlüsse angewiesen. Zudem solle man im Hinterkopf behalten, dass öffentlicher Nahverkehr Geld koste. „Ein Führerschein ist wichtig hier auf dem Lande“, bestätigt Kurth.

Der Trend sei klar: Junge Menschen gehen lieber weiter zur Schule als sich für einen Ausbildungsberuf zu entscheiden. Sie wollen die Berufswahl hinauszögern. Eines der Probleme dabei sei, die richtige Schule zu finden. Oft mangele es an Teilzeit-Berufsschulen; für manche Bereiche lägen die erst in Hannover oder Springe.

Gerade junge Schulabgänger im Alter von 15, 16, 17 Jahren, die eine Ausbildung beginnen möchten, sind ins soziale Umfeld eingebunden, hängen an Familien und Freunden. Daher werde oft der Weg gewählt, den Freunde eingeschlagen haben: Eine bestimmte Ausbildung oder weiter zur Schule gehen. „Wir fragen aber: ‚Liegt dir das?‘ Und wir fragen nach dem Plan B“, so Kurth. Denn oft sei überhaupt nicht bekannt, welche anderen Möglichkeiten es gebe – und was sich konkret hinter einer bestimmten Berufsbezeichnung verbirgt. „Wir Berufsberater sind deshalb nicht beliebt“, sagt Kurth. „Wir stellen auch unangenehme Fragen. Und wir machen manchmal Träume kaputt.“

Doch im Beratungsgespräch versuche man auch, die positiven Seiten herauszuarbeiten. „Man spricht in der Familie selten über das, was man gut kann“, sagt Kurth. Auch dazu diene Berufsberatung: Nicht nur das herausarbeiten, was man nicht machen wolle, sondern die Stärken betonen.

Die Möglichkeiten vor Ort bekannt machen, das wollen Stadt und Agentur für Arbeit gleichermaßen erreichen. So gibt es online auf www.rinteln.de das „Ausbildungsportal“, außerdem den „Tag der Ausbildung“. Im Januar schreibt die Agentur die Betriebe an und wirbt dafür, Ausbildungsplätze anzumelden, sodass diese über die Agentur vermittelt werden können. Ende Februar findet außerdem die „Woche der Ausbildung“ statt, in der Berufsberater wie Matthias Voges in die Betriebe gehen und sich nach Ausbildungsplätzen erkundigen.

Welche Chancen man durch eine gute Ausbildung haben kann, unterstreichen Kurth und Voges: Früher gab es eine Drittel-Aufteilung zwischen Abgängern aus Gymnasium, Realschule und Hauptschule. Das habe sich stark verschoben.

„Aber wir brauchen keinen 40-Prozent-Anteil an Akademikern“, so Kurth. Auch wenn sie derzeit nicht beliebt seien: Handwerksberufe seien diejenigen mit Zukunft.

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