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Kieswerk Reese will das Pampel-Gebiet erweitern / Stadt pokert um Verzicht auf die „Ellerburg“

Schürfrechte über die Landesgrenze hinaus

Rinteln (wer). Das Kieswerk Pampel will expandieren, weitere acht Hektar Acker sollen nördlich von Stemmen unter die Baggerschaufel kommen. Rechtlich gesehen könnte die Stadt Rinteln das Vorhaben problemlos zu Fall bringen. Die Frage ist nur: Eignet sich die Fläche nicht als Tauschobjekt, um das ungeliebte Vorranggebiet an der „Ellerburg“ aus den Plänen zu tilgen?

veröffentlicht am 18.08.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 08:21 Uhr

Nördlich von Stemmen will das Kieswerk Reese expandieren: Die ac

Diesen Vorschlag jedenfalls unterbreitet die Stadtverwaltung, die eine Änderung des Flächennutzungsplans – die Voraussetzung für weiteren Abbau an dieser Stelle – ablehnt. Es sei denn, andere potenzielle Kiesflächen in Rinteln würden reduziert oder gestrichen. Gemeint ist vor allem die Ellerburg südlich von Eisbergen: Direkt an der Weser, in bisher unberührter Landschaft, ist ein Neuaufschluss von 111 Hektar möglich. Und im Gegensatz zu Stemmen unumgänglich: Zwei Plangebiete (mit nur zeitlich minderer Priorität) sichern die Möglichkeit zum Kiesabbau im Weserbogen.

Das Pikante für die Stadt: In beiden Fällen hat das Kieswerk Reese (das vor Jahren Pampel übernommen hat) seine Claims abgesteckt. Zunächst will Reese mit Pampel expandieren: Der Kiesabbau reicht hier inzwischen vom Möllenbecker Sportplatz bis zur Landesgrenze und nach Vorstellungen des Unternehmens bald darüber hinaus. 5,85 Hektar der Erweiterungsfläche liegen auf Kalletaler Gebiet, 3,15 Hektar in Rinteln. Zunächst hatte Reese einen Abbau ausschließlich im Kreis Lippe geplant, doch die Planungsbehörde in Detmold brachte die länderübergreifende Variante ins Spiel.

Die Erweiterungsfläche ragt zudem ins Naturschutzgebiet „Ostenuther Kiesteiche“ – eine zusätzliche Genehmigungshürde für das Kieswerk. Allerdings kann der Kiesabbau hier gewissermaßen das Urheberrecht für den Naturschutz beanspruchen, denn ohne Abbau gäbe es auch kein Schutzgebiet.

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Für Reese ist es vor allem die „Mächtigkeit“ der Lagerstätte, die für neue Schürfrechte spricht: Kies findet sich hier in Tiefen bis zu 25 Metern (offenbar als Relikt eines früheren Weserbettes), während an der Ellerburg zwischen sechs und zehn Metern erreicht werden. Im Verhältnis zum Ertrag wäre der Flächenverbrauch im Pampel-Revier deutlich geringer.

Anders als bei der umstrittenen Erweiterungsfläche im Möllenbecker Wald, die Reeses starke Marktposition auf Jahrzehnte hinaus sichert, fehlt dem Unternehmen für fortgesetzten Nassabbau im Pampel-Gebiet die rechtliche Grundlage. Die Stadt hält alle Trümpfe in der Hand. Ohne einen positiven Beschluss endet der Abbau in wenigen Jahren, mit dem Placet des Rates könnte er noch über 15 Jahre andauern. Insgesamt 900 000 Kubikmeter Sand und Kies sollen hier nach Angaben des Unternehmens bis ins Jahr 2026 gewonnen werden.

Bleibt die Genehmigung aus, will Reese „kurzfristige Interessengegensätze mit der Stadt“ im Bereich der Ellerburg ausdrücklich nicht ausschließen. Soll heißen: Das Kieswerk würde alternativ so schnell wie möglich mit dem Abbau im Weserbogen beginnen. Erhält man die Genehmigung für Pampel, soll die Ellerburg-Fläche dagegen „frühestens in 15 Jahren“ abgegraben werden.

Fakt ist aber auch: Die geringere „Mächtigkeit“ an der Ellerburg ist für Reese weniger lukrativ als die Pampel-Erweiterung, und der Weg zur Genehmigung äußerst steinig: Die „Zeitstufe II“ in der Raumordnung und die fehlende F-Plan-Ausweisung durch die Stadt würden das Verfahren hier in die Länge ziehen. Fraglich, ob Reese an der Weser im Konfliktfall innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre zum Zug kommen könnte.

Was also würde die Stadt gewinnen, wenn sie die Genehmigung für Pampel erteilt? Reese ist bereit, im Gegenzug für den Rintelner Anteil an der Erweiterungsfläche auf rund drei Hektar an der Ellerburg zu verzichten. Angesichts des immensen Ausmaßes dieses Gebietes und des höheren Ertrags bei Pampel wird ein solches Angebot in der Ratspolitik aber bestenfalls als vorsichtiger Einstieg in Verhandlungen gewertet.

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