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Der SZ/LZ-Faktencheck - was heimische Bundestagsabgeordnete machen

3000 Termine, 245 Sitzungen, 104 Reden

RINTELN/BERLIN. Am 24. September wird ein neuer Bundestag gewählt. Das bedeutet auch, dass sich die 18. Legislaturperiode für die zwei heimischen Abgeordneten Maik Beermann (CDU) und Katja Keul (Grüne) dem Ende neigt.
Zeit für eine Bilanz: Wer hat wie viel vor dem Parlament geredet?

veröffentlicht am 15.09.2017 um 18:22 Uhr
aktualisiert am 15.09.2017 um 22:50 Uhr

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Autor:

LEONHARD BEHMANN und MICHAEL ZIMMERMANN
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RINTELN/BERLIN. Wer hat wie oft abgestimmt? Und wie viel verdient ein Bundestagsabgeordneter? Ein Blick in die Datenbanken des Bundestags und auf die Websites der Abgeordneten offenbart spannende Zahlen und Fakten zur vergangenen Wahlperiode.

80Sitzungswochen standen von Herbst 2013 bis heute auf dem Kalender des Bundestages. In dieser Zeit waren die zwei Abgeordneten in der Regel in Berlin.

310Kilometer lang ist laut Google Maps die Zugstrecke von Nienburg nach Berlin über Hannover. Gut drei Stunden dauert die Zugfahrt. Angenommen, die beiden Abgeordneten sind zu den Sitzungswochen je einmal hin und zurück gefahren, haben sie in den vergangenen vier Jahren jeweils 49 600 Kilometer allein hierfür auf der Schiene zurückgelegt und rund 480 Stunden im Zug verbracht. Katja Keul hat sich wohl auch aus diesem Grund eine Wohnung in Berlin genommen, wie der Mitarbeiter der Bundestagsabgeordneten, Thomas Künzel, berichtet. Mit dem Zug von Nienburg nach Berlin muss sie aber dennoch des Öfteren fahren.

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245Sitzungen fanden in dieser Legislaturperiode statt.

120namentliche Abstimmungen verzeichnet Internetplattform abgeordnetenwatch.de. Katja Keul hat an 112 davon teilgenommen. 54-mal hat sie dabei mit „Ja“ gestimmt, 43-mal mit „Nein“. 15-mal enthielt sich die Politikerin und acht Mal stimmte sie nicht ab.

Maik Beermann nahm an insgesamt 114 Abstimmungen im Deutschen Bundestag teil. Davon stimmte er 91-mal mit „Ja“ und 22 Mal hingegen mit „Nein“. Einmal hat er sich enthalten. Sechsmal fehlte Beermann bei Abstimmungen. Ein Grund dafür sei unter anderem die Geburt seiner Töchter gewesen, teilte MdB Beermann auf Anfrage der Schaumburger Zeitung mit.

427,3Minuten haben die beiden Abgeordneten in insgesamt 104 Reden im Plenum des Bundestages gesprochen. Die Redeanteile sind sehr unterschiedlich verteilt. Maik Beermann sprach insgesamt 75,19 Minuten lang in neun Reden vor dem Parlament. Die Redezeit auf den öffentlichen Veranstaltungen in Berlin und im Wahlkreis sei nicht zu bemessen, sagt Beermann.

Katja Keul sprach deutlich länger und öfter. Die Bilanz: 352,11 Minuten, 95 Reden.

In der Rednerstatistik des Deutschen Bundestages belegt Keul damit Rang drei. Beermann hingegen liegt mit neun Reden deutlich weiter hinten auf Rang 482. Doch warum ist das so? „Katja Keul ist nicht nur Abgeordnete sondern auch parlamentarische Geschäftsführerin (PGF) und rechtspolitische Sprecherin der Grünen. Schon allein durch diese besonderen Funktionen muss sie öfter im Bundestag für ihre Fraktion zu Themen Stellung nehmen“, erklärt Thomas Künzel, Mitarbeiter der Bundestagsabgeordneten.

3000Termine hatte Maik Beermann allein im Wahlkreis. Hinzu kämen die eng getakteten Sitzungswochen in Berlin, die gewöhnlich von 8 Uhr bis 22 Uhr, jedoch häufig bis spät in die Nacht dauern würden, sagt Beermann. Katja Keul teilt auf Anfrage der Schaumburger Zeitung mit, dass sie „über einzelne Termine keine zahlenmäßige Statistik führe".

2dienstliche Auslandsreisen machte Beermann. Ziele der Reisen waren die Schweiz und Estland. „Beide Dienstreisen waren im Rahmen meiner Tätigkeit als Berichterstatter für E-Health im Ausschuss für Digitale Agenda und hatten die Digitalisierung, insbesondere des Gesundheitswesens, im Fokus“, erklärt Beermann.

Die Grüne Katja Keul ist Vielfliegerin: Im Rahmen ihrer Abgeordnetentätigkeit und Funktion als PGF, Wahlbeobachterin, Mitglied in Parlamentariergruppen habe die Abgeordnete im Zeitraum März 2010 bis März 2017 27 Länder bereist, erzählt Thomas Künzel.

98parlamentarische Initiativen hat Katja Keul eigenen Informationen zufolge eingereicht.

Mike Beermann hingegen: „Ich habe fünf parlamentarische Initiativen in den Deutschen Bundestag eingebracht".

3 -mal – so oft ist Beermann eigenen Angaben zufolge von der Parteilinie abgewichen. „Ich bin ein Gegner des unkonventionellen Frackings“, erklärt Beermann der SZ. Aus diesem Grund sei er einem Antrag seiner Fraktion nicht gefolgt und habe gemeinsam mit den Grünen dagegen gestimmt, um sich für Nachbesserungen im Antrag einzusetzen. Bei der Ehe für alle habe er mit „Ja“ gestimmt und sich beim Tarifeinheitsgesetz aufgrund von Bedenken enthalten, so Beermann.

Katja Keul sagt, sie sei nicht ein einziges Mal von der Parteilinie der Grünen abgewichen. „Bisher konnte ich mich immer mit meiner Fraktion auf eine Linie verständigen.“

0 Euro Nebeneinkünfte haben beide Bundestagsabgeordneten.

9541,74Euro erhält ein Bundestagsabgeordneter seit dem 1 Juli als „Abgeordnetenentschädigung“, wie die Diäten offiziell heißen. Diese muss voll versteuert werden. Dazu kommt eine Aufwandspauschale die derzeit bei 4318,38 Euro monatlich liegt.9541,74

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