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Jubiläumsfeier mit vielen Gästen

60 Jahre Heeresfliegertruppe in Bückeburg

BÜCKEBURG. Die Heeresflieger seien ein „wesentlicher und ortsbildprägender Faktor der Stadt“ Bückeburg, weshalb diese auch „die Stadt der Hubschrauber“ genannt werde, sagte Bürgermeister Reiner Brombach, der am Donnerstag zum 60. Jubiläum der Heeresfliegertruppe gratulierte.

Im März 1960 wurde die Heeresfliegerwaffenschule nach Achum verlegt. Unser Foto zeigt ein Bild des Flugplatzes aus den 1970er-Jahren. foto: archiv
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Michael Werk Reporter zur Autorenseite
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BÜCKEBURG. Mit einer – wie es der Brigadegeneral Uwe Klein formulierte – „kleinen Feierstunde aus aktuellem und besonderem Anlass“ hat das Internationale Hubschrauberausbildungszentrum (Int. HAZ) Bückeburg am Donnerstag das 60-jährige Bestehen der Heeresfliegertruppe der Bundeswehr gefeiert.

Dabei war die Veranstaltung in Anbetracht des bis fast auf den letzten Platz mit Bundeswehroffizieren und Schaumburger Prominenz gefüllten großen Lehrsaals der Achumer Schäferkaserne zum einen alles andere als klein aufgezogen. Zum anderen streiten sich die Gelehrten offenbar darum, welches Geburtsjahr genau zugrunde zu legen ist: das Jahr 1956, in dem die Gründung der Heeresfliegertruppe beschlossen wurde, oder das Jahr 1957, in dem diese Truppengattung in Betrieb genommen wurde.

Der Unterschied sei quasi der zwischen „Zeugung und Geburt“, scherzte Klein, der Kommandeur des Int. HAZ Bückeburg. Ergänzend verriet er, dass man das 60-jährige Bestehen daher schon einmal im Sommer 2016 – „kaum bemerkt“ von den Heeresfliegern und den rund 65 000 Besuchern des hiesigen „Tages der Bundeswehr“ – gewürdigt habe. Nun hole man die richtige Feier eben in größerem Rahmen nach; musikalisch umrahmt von einem vierköpfigen Kammerensemble des Luftwaffen-Musikkorps Münster.

Gastredner Istvan Csoboth, Brigadegeneral a.D.
  • Gastredner Istvan Csoboth, Brigadegeneral a.D.
Kommandeur Uwe Klein. Fotos (2): wk
  • Kommandeur Uwe Klein. Fotos (2): wk

Mit Blick auf die Bundeswehr sagte Klein, dass „die Steigerung der Wirksamkeit von Streitkräften bei begrenzter Ressourcenlage“ nicht erst seit gestern auf der Tagesordnung der politischen Leitung und militärischen Führung stehe. Dies habe in der Vergangenheit zu Strukturänderungen bei der Heeresfliegertruppe geführt, die zeitweise zu einem Einbruch des Interesses, Heeresflieger zu werden, geführt haben. Wobei man sich derzeit aber in einer Stabilisierungsphase mit „positivem Aufwärtstrend“ befinde.

Vor diesem Hintergrund betonte Klein, dass der Weg der Heeresfliegertruppe in eine Zukunft führe, in der Hubschrauber des Heeres, bemannt wie unbemannt, „zwar unbedingt selbstverständlicher Träger der Luftbeweglichkeit des Heeres bleiben müssen“. Dieser Grundsatz müsse aber „ebenso überzeugend wie nachdrücklich und nachhaltig“ im Bewusstsein des Führens von Landoperationen sowie unter Einbeziehung des „Operierens im und aus dem bodennahen Luftraum“ verankert sein.

Ohne die Heeresfliegertruppe seien viele Auslandseinsätze gar nicht möglich, unterstrich Wolfgang Hellmich, der als SPD-Bundestagsabgeordneter dem Verteidigungsausschuss im Deutschen Bundestag vorsitzt. Und eine so gute Ausbildung von Militärhubschrauberpiloten, wie sie am Int. HAZ Bückeburg geboten werde, fungiere „als Schmelztiegel für die Zusammenarbeit“, da hieran regelmäßig auch Soldaten verbündeter Nationen teilnehmen.

Brigadegeneral a. D. Istvan Csoboth, einer der ersten Generale der Heeresfliegertruppe, beschäftigte sich in seiner Gastrede indes mit der Frage, warum damals, bei Gründung der Bundeswehr, Männer den Soldatenberuf ergriffen hatten; insbesondere jene, die zuvor einen Zivilberuf gehabt, im Zweiten Weltkrieg als Soldat gekämpft hatten und anschließend mitunter sogar in jahrelange Kriegsgefangenschaft geraten waren. „Die Motivation war sicherlich vielfältig“, meinte er. Aber der dominierende Beweggrund sei wohl der „Wunsch nach Zusammengehörigkeit“ gewesen, wie man sie bei zivilen Berufen selten habe.

Die Heeresflieger seien ein „wesentlicher und ortsbildprägender Faktor der Stadt“ Bückeburg, weshalb diese auch „die Stadt der Hubschrauber“ genannt werde, sagte Bürgermeister Reiner Brombach. Dabei hob er hervor, dass man ein „vertrautes Verhältnis“ miteinander habe. Zudem wirke sich die „Bundeswehr mitten in der Stadt“ auch insofern positiv aus, dass etwa die Gastronomie, die Kultur und die Sportvereine „ihre Vorteile“ aus der Anwesenheit der Soldaten ziehen.

Dass die Jägerkaserne in einigen Jahren aufgelöst werden soll, sei nicht zuletzt deshalb bedauerlich, betonte Brombach. So oder so werde Bückeburg aber „zu seinen Soldaten stehen“ und weiterhin für ein gutes Verhältnis sorgen.

Weitere Redner waren der frühere Kommandeur des Int. HAZ Bückeburg, Generalmajor Reinhard Wolski (jetzt Chef des Amtes für Heeresentwicklung in Köln), und Wolfgang Pech. Letzterer ließ die bewegte Historie der Heeresflieger in einem sehr kleinteiligen, mit einigen persönlichen Anekdoten gewürzten Vortrag Revue passieren.

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