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EKD-Vorsitzender zu Wahlen, Reformationsjahr und Fusionen

Ökumene hat sich stabilisiert

BÜCKEBURG. Eine Bilanz zum Reformationsjubiläum wollte der EKD-Vorsitzende Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm noch nicht ziehen. Aber insgesamt zeigte er sich zufrieden mit dem Verlauf von 500 Jahre des Anschlags der Thesen Martin Luthers an die Schlosskirche in Wittenberg. Außerdem äußerte er sich im Pressegespräch zur Ökumene, Rassismus in Kirchenvorständen und Fusionen kleinerer Landeskirchen.

veröffentlicht am 13.09.2017 um 13:54 Uhr

Rassismus hat in Kirchenvorständen keinen Platz, sagte der EKD-Vorsitzende, Bischof Heinrich Bedford-Strohm, im Umfeld des Jahresempfangs der Schaumburg-Lippischen Landeskirche. Foto: wk
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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„Uns ist es gelungen, aus dem innerkirchlichen Milieu und den eigenen Mauern herauszukommen“, sagte der Landesbischof im Rahmen eines Pressegesprächs im Vorfeld des Jahresempfangs der Schaumburg-Lippischen Landeskirche zum Reformationsjahr..

Es sei gelungen, „eine Brücke in die Kulturwelt“ zu bauen und die Verbindung zwischen Kirche, der Kultur und der Welt sichtbar zu machen. Viele Vorhaben seien gemeinsam mit dem Staat umgesetzt worden und so die „zentrale Bedeutung der Reformation für das gesamte Land deutlich geworden. Es sei gelungen, dass wieder über Religion gesprochen werde und das Wort „Gott in den Mund genommen werde. Dazu habe es „knackige Aktionen“ wie etwa einen „Segensroboter“ gegeben, der Bibelworte zu Interessierten spricht. „Gott neu denken“, umriss es der EKD-Vorsitzende. Als dritten Bereich nannte er das Christusfest ansich, „den Kern unseres Glaubens, aus dem wir alles sehen.“ Christus sei wieder entdeckt worden.

„Wenn Sie am Anfang herum gefragt hätten, was Reformation ist, hätten Sie häufig ein Kopfschütteln geerntet“, sagte Bedford-Strohm. Das habe sich inzwischen gründlich geändert: „Viele Menschen sind darauf hingewiesen worden, wer Luther war und worum es ihm ging.“ Auch seine Schattenseiten seien thematisiert worden. Wie etwa seine Hassreden gegen Juden, wofür er öffentlich um Entschuldigung gebeten habe, sagte der Bischof.

Spürbar verbessert habe sich im Reformationsjahr auch das Verhältnis zur katholischen Kirche. „Wir sind zusammengewachsen“, unterstrich der EKD-Chef mit Blick auf die Ökumene, die sich „stabilisiert hat“ und zahlreiche gemeinsame Veranstaltungen. „Vorher gab es viel mehr Schielen auf das eigene Profil und mehr Empfindlichkeit. Heute wissen wir, dass wir uns nicht auf Kosten der anderen profilieren wollen.“ Als besonders schmerzlich empfänden es Protestanten und Katholiken, dass sie immer noch nicht gemeinsam das Abendmahl feiern könnten.

Im Hinblick auf die im März 2018 stattfindenden Wahlen zu den Leitungsgremien der Kirchengemeinden sagte der EKD-Chef auch im Hinblick auf die AfD: „Wer rassistische oder antisemitische Thesen vertritt, hat aus meiner Sicht in einem evangelischen Kirchenvorstand nichts zu suchen. „Das kann man nicht auf sich beruhen lassen. “Rassistische Meinungen könne er sich in einem kirchlichen Amt nicht vorstellen. Es gehe in dieser Frage allerdings nicht um Parteinamen, unterstrich Bedford-Strohm: „Es geht um die Sache.“ Die evangelische Kirche sei geprägt von Vielfalt und stehe für Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Parteipolitik dürfe nicht in die Kirche hineingetragen werden.

Im Hinblick auf die Größe der Schaumburg-Lippischen Landeskirche, sie ist die zweitkleinste Deutschlands, sagte Bedford-Strohm, dass die Synodalen über Fusionen zu beraten hätten, nicht der EKD-Vorsitzende. Für ihn hätten aber Kooperationen Vorrang vor Fusionen, so der Bischof weiter. Wenn sich dann herausstelle, dass aus einer Kooperation eine Fusion sinnvoll sei, stehe dem nichts im Wege.

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