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In Röhrkasten können jetzt drei Häuser gebaut werden

„Überfrachtung auf dieser kleinen Ecke“

OBERNKIRCHEN. Kein Bebauungsplan war in den letzten Jahren umstrittener: Auf dem Gelände der ehemaligen Gärtner Loges sollen in Röhrkasten Wohnhäuser gebaut werden. Drei Häuser will der Investor bauen lassen, für ein Haus weniger plädierten Grüne und CDU. Die SPD-Mehrheit segnete im Rat jetzt die Pläne ab: Drei Häuser werden es werden.

veröffentlicht am 16.02.2017 um 12:54 Uhr
aktualisiert am 16.02.2017 um 16:50 Uhr

Kann jetzt bebaut werden: Mit Wohnungen in Kliniknähe haben weder Verwaltung noch Politik ein Problem. Umstritten ist nur die Zahl der Gebäude, die dieses Areal verträgt. Die Mehrheit setzt sich im Stadt durch. Foto: af
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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OBERNKIRCHEN. Vor der Abstimmung gibt es eine Einschätzung des Bürgermeisters, und auch der Ortsvorsteher wird sich zu Wort melden. Denn der Bebauungsplan „Bombeeke“, der für Röhrkasten verabschiedet werden soll, ist zwar unumstritten, aber die Art seiner Bebauung nicht.

Während Bürgermeister Oliver Schäfer also von „adäquatem neuem Wohnraum“ spricht, der auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Loges in drei Häusern entstehen soll, macht Heinrich Struckmeier (CDU) eine andere Rechnung auf. 300 Bürger wohnen, so über den Daumen gepeilt, in Röhrkasten, sagt der dortige Ortsvorsteher, und keiner sei gegen eine Bebauung an sich, im Gegenteil: Alle, mit denen er gesprochen habe, seien dafür, aber wenn 30 Wohneinheiten für ein bis zwei Personen entstehen würden, dann wären das auch 40 Menschen, die neu im Ort wären. Struckmeier spricht von einer „Überfrachtung auf dieser kleinen Ecke“. Keiner der Ortsbewohner, mit denen er gesprochen habe, habe gemeint, da würden drei Häuser bequem hinpassen. CDU und Grüne hatten für zwei Gebäude plädiert.

Dazu, so Struckmeier, würden noch 40 Parkplätze kommen, die auf dem Gelände angelegt werden müssten. Und, so Struckmeier weiter, es würde der Bach umgelegt und 15 Meter von ihm verrohrt, und dass ein Bach zur „Gewinnoptimierung“ umgelegt werde, davon habe er noch nie etwas gehört.

Das kann man so nicht gelten lassen, entgegnet SPD-Fraktionsvorsitzender Jörg Hake, über diesen Bebauungsplan habe man ja lange gesprochen, jetzt habe man einen Kompromiss gefunden. Man habe in den Verhandlungen mit dem Investor auch nicht „überreizen“ wollen: „Springt er vielleicht ab, wenn wir nur zwei Wohnblocks zugestehen? Wir wollen Zuwachs in der Stadt“, sagt Hake unmissverständlich, und in Röhrkasten gebe es eine Baulücke, die jetzt genutzt werde: „Da kommt was Vernünftiges hin.“

Das sah Fraktionskollege Wilhelm Mevert ganz genau so. Er erinnerte an den Grundsatzbeschluss, der sei damals einstimmig erfolgt, und der einzige, der damals gemeckert habe, „das war ich“, sagte Mevert: Nach der Ortsbesichtigung habe man noch lange diskutiert, ob man das linke der drei Häuser nicht um ein Stockwerk reduzieren müssen, ehe man es in den hinteren Bereich des Grundstückes zurückgenommen habe, „relativ weit in die Böschung“. Jetzt habe man zwei kleinere Gebäude und ein größeres in der Mitte, sowohl Planer als auch Landkreis hätten bestätigt, jawohl, das ist eine verträgliche städtebauliche Entwicklung, „und wir sollten froh sein, dass wir eine Entwicklung haben“. Mevert sprach von einem zentralen Bereich in Röhrkasten, der durchaus noch entwickelt werden könne, etwa die Eilser Straße durch rückwärtige Entschließungen.

Thomas Stübke (Grüne) verwies auf unterschiedliche städtebauliche Vorstellungen und darauf, dass der Bereich rund um die ehemalige Gärtnerei Loges vor dem Abriss des Gebäudes und der Rodung des Waldes ein Biotop für die dort lebenden – und unter Artenschutz stehenden – Feuersalamander war. Sie wurden, bedauerte Stübke, bei Rodung und Abriss mit entsorgt, denn der viel zu spät eingeschaltete Gutachter habe nur noch eine sehr geringe Population feststellen können. Darüber – und über das Auftreten des Planers – sei er wie viele Anlieger „sehr verärgert“ – auch wenn jetzt eine Feuersalamanderschutzzone eingerichtet werde und eine Baubegleitung durch eine Biologen stattfinde.

Ortsvorsteher Struckmeier bat anschließend noch einmal um das Wort und erhielt es auch: „Ihr habe die Mehrheit“, sagt er in Richtung SPD, das müsse man in einer Demokratie akzeptieren, „aber meine Meinung habe ich dargestellt.“

Zehn Gegenstimmen reichten dann gegen diese Mehrheit nicht.

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