weather-image
25°
Vortrag von Dr. Hubertus Knabe zum Thema „Honeckers Erben – Die Wahrheit über die Linke“

Abweichungen zwischen Inhalt und Verpackung

Bückeburg (bus). Eine von der Konrad-Adenauer-Stiftung aus dem Anlass „20 Jahre friedliche Revolution und deutsche Einheit“ bundesweit organisierte Rednertour hat den Wissenschaftlichen Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Dr. Hubertus Knabe, in den Rathaussaal geführt. Das Vortragsthema der von etwa 300 Interessierten besuchten Veranstaltung lautete „Honeckers Erben – Die Wahrheit über die Linke“. „Es gibt keine andere Partei in Deutschland, bei der Verpackung und Inhalt so stark voneinander abweichen“, betonte der Referent gleich zu Beginn seiner Ausführungen.

veröffentlicht am 27.08.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 03:41 Uhr

Dr. Hubertus Knabe

Für Bahro eingesetzt

Knabe, 1959 in Unna geboren, war 1978 an der Gründung eines Komitees für die Freilassung des DDR-Dissidenten Rudolf Bahro beteiligt; 1983 war er Pressesprecher der Partei Die Grünen in Bremen. Von 1992 bis 2000 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes (Stasi) der ehemaligen DDR, der sogenannten Gauck-Behörde. Seit 2001 ist er Leiter der im früheren Untersuchungsgefängnis der Stasi untergebrachten Gedenkstätte.

Die aus der Fusion der PDS (davor SED) mit der WASG entstandene Partei „Die Linke“ hat sich vornehmlich in den ostdeutschen Bundesländern etabliert und schneidet dort in vielen Umfragen als stärkste Partei ab. Nachdem sie in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin bereits in Koalitionen vertreten war respektive ist, will sie nach den Landtagswahlen 2009 in Thüringen, Sachsen und Brandenburg erstmals einen Ministerpräsidenten stellen.

Der Referent nutzte einen großen Teil der Zeit, um die Geschichte der früheren DDR zu erhellen. So erfuhren die Zuhörer, dass der Staatssicherheitsdienst bereits 1953 über mehr Mitarbeiter als die Gestapo verfügte. „Man brauchte diesen gigantischen Überwachungsapparat mit zum Schluss 91 000 hauptamtlichen Mitarbeitern, um jeden Protest und jedes unkonventionelle Verhalten vorbeugend festzustellen und auszuschalten“, erläuterte Knabe.

Gleichwie habe am Ende der 40-jährigen Geschichte ein „Lebensstandard auf unterstem Niveau“ geherrscht und sei der ostdeutsche Staat zahlungsunfähig gewesen – die „Diktaturpartei SED“ unterdessen steinreich. Das Geldvermögen allein hätte sich auf mehr als sechs Milliarden belaufen.

„Die Erblast haben wir heute noch zu tragen“, führte der Redner aus. Umso erstaunlicher mutete es ihn an, „dass die Partei, die das zu verantworten hat, völlig ungeschoren davonkommt“. Die 42 000 hauptamtlichen Mitarbeiter hätten einfach weitergemacht und die Zeit genutzt, um Spuren zu verwischen. Namentlich der aktuelle Co-Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, habe seinerzeit eine Auflösung der SED verhindert. Das Parteivermögen sei „mit krimineller Energie beiseitegeschafft“ worden.

„Radikaler geworden“

Knabe beleuchtete zahlreiche weitere Facetten über „Honeckers Erbe(n)“. Die (einst von der DDR alimentierte westdeutsche) Partei DFU fand ebenso Erwähnung wie die (1990 auf der Hannoveraner Cebit mit 80 000 Mark in bar bezahlte) „größte Aktenvernichtungsmaschine Europas“ und „wirklich unangenehme Figuren, die charakterlich in der Politik nichts verloren haben“. Der Referent verneinte, dass die PDS durch ihre Westausdehnung demokratischer geworden sei. Im Gegenteil. „Sie ist deutlich radikaler geworden.“

Die Ausführungen bescherten Knabe mehrfach Zwischen- und kräftigen Schlussapplaus. Was nicht zuletzt an der subtilen Vortragsweise des Redners gelegen haben mag. Der Gedenkstättendirektor sprach sehr bedächtig, sehr überlegt und beinahe aufreizend leise. Und bewirkte damit im Publikum eine bei vergleichbaren Veranstaltungen selten zu erlebende Aufmerksamkeit. Widerspruch war nicht zu vernehmen. Dass Knabe Reklame für sein jüngst zum Vortragsthema veröffentlichtes Buch machte, versteht sich von selbst.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare