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„Nathan der Weise“ zum 70.

Aktueller denn je

BÜCKEBURG. Der Kulturverein Bückeburg wird 70 Jahre alt. Aus diesem Anlass kehrt das erste am 12. September 1947 aufgeführte Theaterstück „Nathan der Weise“ zurück. Das Ideendrama von Gotthold Ephraim Lessing, das ein lebendiges Zeichen für eine tolerante Gesellschaft gesehen wird, wird vom Theater Poetenpack aus Potsdam aufgeführt. In die Inszenierung werden Schüler des Gymnasium Adolfinums integriert.

veröffentlicht am 08.02.2017 um 12:30 Uhr
aktualisiert am 08.02.2017 um 16:51 Uhr

Schülerinnen und Schüler aus der Sprachlernklasse zu Beginn der Probe zu Nathan der Weise“ in der Inszenierung des Theaters Poetenpack auf der Bühne des Rathauses. Foto: vhs
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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BÜCKEBURG. Der Kulturverein Bückeburg wird in diesem Jahr 70 Jahre alt. Aus diesem Anlass kehrt das erste am 12. September 1947 aufgeführte Theaterstück „Nathan der Weise“ zurück in den Rathaussaal. Das Ideendrama von Gotthold Ephraim Lessing, das ein lebendiges Zeichen für eine tolerante Gesellschaft gesehen wird, wird vom Theater Poetenpack aus Potsdam unter der Regie von Andrea Hueck aufgeführt. In die Inszenierung werden Schülerinnen und Schüler der Theatergruppen und Sprachlernklassen des Gymnasiums Adolfinum integriert. Derzeit laufen im Rahmen eines Workshops im Rathaussaal und im Forum des Adolfinums die Proben. Die Aufführung ist am Dienstag, 21. Februar, um 19 Uhr im Rathaussaal. Karten gibt es ab sofort beim Kulturverein in der Touristinfo.

„Die gesellschaftliche Relevanz des Dramas um die Verständigung der Weltreligionen ist aktueller denn je“, stellten Kulturvereins-Geschäftsführerin Johanna Woydt und die 2. Vorsitzende des Kulturvereins, Ute Mai, im Rahmen eines Pressegesprächs fest, in dem Regisseur Hueck, die Schauspielerin Sylvia Rentmeister sowie der Direktor des Adolfinums, Michael Pavel, und Theaterkoordinator Volkmar Heuer-Strathmann die Inszenierung erläuterten, deren Ursprungsidee noch vor der Flüchtlingswelle 2015 in Potsdam hochkochte, als „Stimmen der Intoleranz“ wie etwa jener der Pegida in Dresden immer lauter wurden, wie Hueck erläuterte. In Potsdam konnten 30 000 Euro an Spenden gesammelt werden, um „Nathan“ in der neuen Inszenierung und mit Flüchtlingen als Schauspieler auf die Bühne zu bringen. Eine Inszenierung, die sich anbot, auch an anderen Orten aufgeführt zu werden – was nun in Bückeburg geschieht. Die Schülerinnen und Schüler des Adolfinums, 18 insgesamt, darunter sechs aus der Sprachlernklasse, werden in das Stück integriert. Sie erweitern das Stück aus der Sicht der Jugendlichen um spirituelle, kulturelle und machtpolitische Elemente. Sie spielen Szenen ihrer Religionen wie Erstkommunion, muslimisches Morgengebet oder Waschungen oder die jüdische Hochzeit und Beerdigung. „Wir haben Formen gefunden, wie es mit ,Nathan‘ zusammengehen kann“, ist sich Huecks sicher.

Wie Adolfinum-Theaterkoordinator Volkmar Heuer-Strathmann sagte, sei „Nathan der Weise“ in dem betreffenden Jahrgang mit einiger Unruhe aufgenommen worden: „Ein Reclamheft, das nicht auf der Abiliste steht.“ Die Unruhe sei aber inzwischen einer großen Neugierde gewichen: „Ein neuer Zugang, keine Parodie, das Stück bleibt erhalten, ein ganz anderes Erlebnis und die Frage, wer spielt welche Rolle. Die Befreiung aus dem Reclam-Heft.“

Kulturverein, Theatermacher, Vertreter des Adolfinums und der fördernden Institutionen freuen sich auf ein hoffentlich ausverkauftes Haus am 21. Februar. Foto: rc
  • Kulturverein, Theatermacher, Vertreter des Adolfinums und der fördernden Institutionen freuen sich auf ein hoffentlich ausverkauftes Haus am 21. Februar. Foto: rc

Wie Johanna Woydt und Ute Mai sagten, habe es sich der Kulturverein von Anfang an auf die Fahnen geschrieben, Schüler und jugendliche zu unterstützen, um sie mit „wertvollem Kulturgut“ vertraut zu machen. Ein Ansinnen, das im Paragraf 3 der Vereinssatzung festgehalten wurde, der als einziger bis heute unverändert übernommen worden ist.

Ein Anliegen, das auch von Förderern unterstützt wird, die dem Kulturverein bei der Finanzierung des Workshops unter die Arme greifen: die Bürgerstiftung Schaumburg in Person des Vorstandsmitglieds Walter Ostermeier, die Stadt Bückeburg in Person der Wirtschaftsförderin Bettina Remmert und der Schaumburger Landschaft in Person der Geschäftsführerin Dr. Lu Seegers.

Mit „Nathan der Weise“ schlägt der Kulturverein den großen Bogen über seine Geschichte. Neben der ersten Vorstellung im Gründungsjahr wurde das Stück auch im 50. Jubiläumsjahr aufgeführt, damals wurde zuvor ein modernes Musical aufgeführt – um Schüler und Jugendliche einzubinden. Bei der ersten Vorstellung vor 70 Jahren, die übrigens noch von der Britischen Militärregierung genehmigt werden musste, wurden die Besucher in Bussen aus dem gesamten Landkreis nach Bückeburg gefahren. Ute Mai: „Ein Stück, das schon damals anregte und hoffen ließ.“

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