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Kampfflugzeuge steigen auf /Lufthansa-Pilot sendet falschen Code

AKW Grohnde geräumt - Tippfehler löst Luftalarm aus

HAMELN/FRANKFURT. Wegen eines unterbrochenen Funkkontakts zu einem Flugzeug im deutschen Luftraum ist am Montagvormittag das Atomkraftwerke Grohnde geräumt worden. Es wurde Luftsicherheits-Alarm ausgelöst. Nach wenigen Minuten stellte sich heraus, dass der Pilot einen falschen Alarm-Code gesendet hatte.

veröffentlicht am 19.02.2018 um 16:14 Uhr
aktualisiert am 19.02.2018 um 16:49 Uhr

Lufthansa-Flugzeug vom Typ Embraer. Eine solche Maschine war von Aberdeen nach Frankfurt unterwegs, als das Notsystem eine Entführung anzeigte. Symbolbild: pixabay
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Nach einem sogenannten Renegade-Fall im deutschen Luftraum ist am Montagvormittag in Hameln der Führungsstab der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden zusammengetreten. Der englischsprachige Begriff Renegade (für abtrünnig, Überläufer) ist der Nato-Code für ein Verkehrsflugzeug, das im Verdacht steht, von Luftpiraten als Waffe für einen terroristischen Angriff verwendet zu werden. Die Hamelner Polizei war involviert, weil sie für die Sicherheit des Kernkraftwerks Grohnde, das ein potenzielles Ziel darstellt, zuständig ist.

Im Kernkraftwerk wurde Voralarm ausgelöst. „Die Räumung der Anlage ist angeordnet worden. Sie wurde auch vollzogen“, bestätigte Preussen-Elektra-Sprecherin Almut Zyweck auf Nachfrage. Das bedeutet: Alle Mitarbeiter, die keine sicherheitstechnisch relevanten Stellen besetzen müssen, verlassen in einem solchen Fall umgehend ihre Arbeitsplätze. Die übrigen Angestellten bleiben in der Warte oder besetzen zusätzlich die Notsteuerstelle. Derzeit halten sich auf dem Kraftwerksgelände 200 Fremdkräfte auf – wegen der bevorstehenden Revision, die am Wochenende beginnt.

Nach Informationen der Dewezet war zu einer Linienmaschine der Lufthansa, die am Morgen im schottischen Aberdeen gestartet war, plötzlich der Funkkontakt abgerissen. Als der Pilot wieder erreichbar war, soll seine Stimme so geklungen haben, als stünde er unter großem Druck. Kampfflugzeuge einer Alarmrotte der Luftwaffe sollen aufgestiegen sein. Das Flugzeug vom Typ Embraer 90 mit 44 Gästen und mehreren Besatzungsmitgliedern sei später sicher in Frankfurt gelandet, hieß es.

Die Lufthansa bestätigte den Vorfall auf Anfrage der Dewezet. Es habe sich um ein Versehen gehandelt, sagte Sprecher Michael Lamberty. Flug LH 975 habe Funkprobleme gehabt. „Deshalb hat der Kollege im Cockpit – wie es üblich ist – manuell einen Zahlencode in das Bordkommunikationssystem des Flugzeugs eingegeben. Dabei hat er sich vertippt.“ Das blieb nicht ohne Folgen: Statt „Funkproblem“ strahlte die Maschine deshalb das Notsignal „Entführung“ aus. Eine einzige Zahl habe den Unterschied gemacht, sagte Lamberty.

Ob die Passagiere etwas von dem Missverständnis mitbekommen haben, konnte die Fluggesellschaft nicht sagen. Möglich wäre, dass Abfangjäger zu sehen waren.

Am 10. März 2017 hatte es in Deutschland einen ähnlichen Zwischenfall gegeben. Ein indisches Verkehrsflugzeug, dessen Pilot den Funkverkehr für mehr als eineinhalb Stunden hatte ruhen lassen, sorgte seinerzeit im europäischen Luftraum für Alarmstimmung. Etliche Atomkraftwerke – darunter die in Grohnde und Brokdorf sowie Grafenrheinfeld in Bayern – waren wegen des womöglich „abtrünnigen“ Fliegers geräumt worden. Im Nationalen Lage- und Führungszentrum für Sicherheit im Luftraum wurde der Jet als Renegade-Fall eingestuft. Der Passagierjet war nördlich von Frankfurt von zwei Eurofightern abgefangen worden. Auch vor knapp einem Jahr hatte man Grohnde für die routinemäßigen Revisionsarbeiten heruntergefahren. Wegen der Prüfungen und Instandhaltungsmaßnahmen sollen dort über 1000 Menschen tätig gewesen sein.

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