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AKW-Betreiber planen bereits Rückbau

GROHNDE. Für das Kernkraftwerk Grohnde, das spätestens Ende 2021 endgültig vom Netz soll, planen die Betreiber bereits den Rückbau. Kraftwerksleiter Michael Bongartz und Sprecherin Almut Zyweck von der Eon-Tochter Preussen Elektra als Betreiber begründeten dies mit dem aufwendigen mehrjährigen Genehmigungsverfahren.

veröffentlicht am 17.08.2017 um 16:50 Uhr

Als Mammutaufgabe galt der Bau des Kernkraftwerkes Grohnde – auch für den Rückbau werden die gewaltigen Dimensionen deutlich: Allein schätzungsweise 300 000 Tonnen Gebäudemasse müssen laut Unternehmen beseitigt werden. Zehn bis zwölf Jahre kalkuliert
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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GROHNDE. Der Antrag für die erste Teilgenehmigung „soll höchstwahrscheinlich“ im letzten Quartal dieses Jahres beim niedersächsischen Umweltministerium als Atomaufsichtsbehörde eingereicht werden, sagte Bongartz. Damit bestünde die Chance, bereits zum Zeitpunkt der Abschaltung im Besitz einer Stilllegungs- und Rückbaugenehmigung zu sein, um mit den ersten Arbeiten beginnen zu können.

Und das sei im Interesse des Kraftwerkes, „um die Expertise der Mannschaft zu nutzen“, meint Bongartz unter Hinweis auf das spezielle Fachwissen der Beschäftigten. Das sei auch eine Motivation für die Mitarbeiter, eine Perspektive am Standort zu haben. Eines ist klar: Die Zahl der Mitarbeiter schrumpft nach dem Ende der Laufzeit, wie an anderen abgeschalteten AKW-Standorten bereits deutlich geworden ist. Aber, so sagt Bongartz: „Wir haben eine anspruchsvolle Aufgabe bis Ende 2021 – und darüber hinaus.“ Denn auch in der sogenannten mehrjährigen Nachbetriebsphase müsse die Aufsichtsbehörde überzeugt werden, die abgeschaltete Anlage sicher zu betreiben, sagt der Kraftwerksleiter.

Die Öffentlichkeit soll bei den Planungen für den anschließenden Rückbau einbezogen werden. „Vom Betrieb zum Rückbau des Kernkraftwerks“ lautet das Thema eines Informationstages am 9. September, zu dem neben Politikern auch Anwohner eingeladen sind (siehe Kasten). Was interessiert sie? Welche Sorgen beschäftigen sie mit Blick auf die bevorstehenden Arbeiten? Zum Beispiel die Dekontamination und Freigabe der Materialen aus dem Nuklearbereich? Und wie sieht es mit dem Strahlenschutz aus? „Uns ist es wichtig, das Ohr nah am Nachbarn zu haben“, sagt Zyweck, die regelmäßige Informationsveranstaltungen für die nächsten Jahre ankündigt.

Denn das steht fest: Der Rückbau – Erfahrungen damit sammelt der Betreiber Preussen Elektra bereits bei seinen Anlagen in Würgassen an der Weser und Stade – gilt als längerfristige Aufgabe. Zum Beispiel hat am Kernkraftwerk Stade an der Unterelbe, das bis 2003 in Betrieb war, im Oktober 2005 der Rückbau begonnen. Nach letzten Schätzungen soll der Abriss bis zum Jahr 2023 dauern.

Zyweck spricht von der Hoffnung, dass für den Rückbau weiterer Kernkraftwerke in der Verantwortung des Unternehmens zehn bis zwölf Jahre veranschlagt werden können. Sie begründet diese kürzere Zeitspanne „mit der Erfahrung und dem Wissen“, die der Betreiber in anderen Anlagen gewinnen könne. Neben den Rückbauprojekten in Stade und Würgassen befinden sich die Preussen-Elektra-Anlagen Unterweser, Isar 1 und Grafenrheinfeld im Genehmigungsverfahren zu Stilllegung und Rückbau. Gerade aus dem Verfahren für die Anlage im unterfränkischen Grafenrheinfeld wollen die Grohnder Rückschlüsse ziehen. Quasi die „Schwesteranlage“, sagt Bongartz über die vergleichbaren Bautypen. Mit Interesse verfolgen die Verantwortlichen außerdem das Verfahren für das Kraftwerk Unterweser, da es sich um dieselbe Atomaufsichtsbehörde handelt.

Die Dimensionen des Aufwandes für den Rückbau beschreibt das Unternehmen auf seiner Internetseite am Beispiel von Stade und Würgassen. Auf Grundlage von Angaben aus Grafenrheinfeld geht Bongartz davon aus, dass es sich allein um 300 000 Tonnen Gebäudemasse handelt, die in Grohnde beseitigt werden müssten. Zyweck nennt Kosten von rund einer Milliarde Euro für jedes Kraftwerk, für die das Unternehmen Rückstellungen gebildet habe.

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