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Mit Millionen-Förderung ist ein kleiner Froschlurch im Weserbergland wieder heimisch geworden

Allen Unkenrufen zum Trotz

WESERBERGLAND. Unscheinbar mögen sie Spaziergängern am Wegesrand gar nicht groß auffallen: Gelbbauchunken geben sich normalerweise nur dann zu erkennen, wenn sie sich angegriffen fühlen. Dann werfen sie sich auf den Rücken und warnen ihre potenziellen Gegner mit der schwarz-gelb gefleckten Bauchseite: Gefahr in Verzug! Werden sie bedroht, dann sondern die Amphibien ein Hautgift ab. In unsere Serie „Einfach tierisch“ geht es heute um die Gelbbauchunke – für den Menschen ist sie nicht lebensgefährlich, aber immerhin schleimhautreizend.

veröffentlicht am 17.05.2018 um 15:14 Uhr
aktualisiert am 17.05.2018 um 17:32 Uhr

In verschiedenen Gebieten des Weserberglands wieder heimisch geworden: die Gelbbauchunke. Foto: Bruno Scheel/Nabu
Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite
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Ihr Gift hat die Gelbbauchunken nicht davor bewahrt, lange Zeit als vor dem Aussterben bedrohte Art zu gelten. Dass die Gelbbauchunke wieder im Weserbergland heimisch geworden ist, beruht auf großen Anstrengungen, die Naturschützer in den vergangenen Jahren unternommen haben.

Im nördlichen Weserbergland, einer grenzübergreifenden Projektregion des Naturschutzbundes Nabu, konnten die Tiere in mehreren Gebieten neu angesiedelt werden. In den Steinbrüchen von Segelhorst und Rohden, in Bernsen im Auetal sowie in den Steinbrüchen bei Obernkirchen sind die Gelbbauchunken erfolgreich angesiedelt worden. Auch bei Pötzen gibt es Initiativen, dem kleinen Froschlurch auf dem ehemaligen Standortübungsplatz vermehrt Lebensraum zu bieten.

Die Tiere, die im Weserbergland leben, gelten als die nördlichste Population überhaupt. Die größten Vorkommen der Unken leben für gewöhnlich im Süden Deutschlands. Das Problem, was sich aus Sicht des Nabu im Weserbergland deutlich machte: Die bis dato verbliebenen Populationen waren isoliert – ein Grund für die kritische Situation, die sich für die Amphibien hierzulande bot.

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An der Vernetzung der Lebensräume wird seit 2011 unter Federführung des Nabu in Niedersachsen gearbeitet. Es ist ein Millionenprojekt: Mit knapp 3,2 Millionen Euro wurden seither in 122 Gebieten bundesweit mehr als 7000 Kleingewässer angelegt, um die Population des Froschlurchs zu stärken oder Tiere neu anzusiedeln. 2,6 Millionen Euro wurden über Fördermittel des Bundes durch das Programm „Biologische Vielfalt“ finanziert. Die Förderung ist Anfang dieses Jahres ausgelaufen. Doch seit wenigen Wochen ist ein neues EU-Förderprojekt für Amphibien gestartet. Bis zum Jahr 2026 sollen noch einmal insgesamt rund 4,6 Millionen Euro in die Hand genommen werden, um den Bestand der Gelbbauchunken zu sichern und zu stärken.

Wie vom Nabu in Schaumburg zu erfahren ist, sei die Gelbbauchunke früher verbreitet im Wesertal und ihren angrenzenden Hängen vorgekommen. Das sei bis in die 1950er Jahre so gewesen. Die Amphibien seien jedoch mehr und mehr verschwunden, weil landwirtschaftliche Flächen trockengelegt und Flussauen begradigt wurden.

Zu Beginn des Nabu-Projekts lebten sie nur noch in Steinbrüchen oder Kiesgruben. Das Grundproblem war: Zwischen diesen Lebensräumen waren die Entfernungen zu weit oder sie waren durch Straßen getrennt. Ein Austausch zwischen den Populationen gab es dem Nabu zufolge nicht. Über eine Distanz von gut 18 Kilometer haben die Natürschützer wieder vernetzte Wege für die Unken im nördlichen Weserbergland geschaffen. Dazu wurden unter anderem mit Baggern und Radladern Rohbodenflächen und Kleinstgewässer angelegt sowie Landlebensräume in Form von Steinschüttungen und Totholzhaufen errichtet.

Nicht nur die Gelbbauchunke würde von diesen Maßnahmen profitieren, sagt der Nabu, auch andere Amphibienarten wie Teichmolch, Bergmolch, Kreuzkröte, Feuersalamander sowie viele Insekten fänden aufgrund der neuen Strukturvielfalt Rückzugsmöglichkeiten.

Der Nabu wertet indes das abgelaufene Projekt für als „Nabu-Vorzeigeprojekt für die Rettung der Gelbbauchunke“. In den acht deutschen Projektregionen vom Weserbergland über das Bergische Land bis an den Oberrhein seien 2011 67 Gebiete mit Gelbbauchunkenbestand nachgewiesen worden; heute sind es laut Nabu 81. Die Förderung habe darüber hinaus viele wissenschaftliche Erkenntnisse über die Amphibien herbeigeführt.

Doch trotz dieser messbaren Erfolge dürfe nicht darüber hinweggesehen werden, dass die Gelbbauchunke bundesweit weiter stark gefährdet und in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sogar vom Aussterben bedroht sei, heißt es weiter.

Das nächste millionenschwere Förderprogramm für die Gelbbauchunke ist seit März 2018 angelaufen. Es ist dieses Mal ein EU-Projekt über 4,6 Millionen Euro, in dessen Rahmen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden sind noch einmal 35 Projektgebiete auserkoren worden sind. 60 Prozent der Fördersumme werden von der EU beigesteuert, den Rest übernehmen verschiedene Naturschutzverbände, Stiftungen sowie Kommunen, darunter auch die Landkreise Hameln-Pyrmont, Holzminden und Schaumburg.

Um welche genauen Gebiete es sich im Weserbergland handelt, will der Nabu Niedersachsen Mitte Juni bekanntgeben.

Am Samstag lesen Sie: Wie gefährlich ist das Wildschwein?

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