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Ausstellung in der Godehardi-Kirche zeigt das Leben und Leiden des Arztes Ernst Blumenberg

Als Jude gehasst, verfolgt und eingesperrt

Bad Nenndorf (ede). Gehasst, verfolgt und eingesperrt: Ernst Blumenberg, von 1920 bis 1937 praktizierender Arzt in Bad Nenndorf, hat die Gräuel des Nationalsozialismus erlebt. Seit Sonnabend erinnern Bilder und Dokumente in der Godehardi-Kirche an das Leben des jüdischen Mediziners, der nur knapp dem Naziterror entkam. Die Ausstellung, die auf Initiative "Bündnis gegen Rechtsextremismus" zustande kam und die größtenteils von Schülern der Schule am Deister gestaltet wurde, ist bis zum 12. August zu sehen.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 07:00 Uhr

Von 1920 bis 1937 praktizierte Ernst Blumenberg in Bad Nenndorf.

Diese Geschichte geht unter die Haut. Es ist die Geschichte eines jüdischen Arztes, der von Nachbarn wegen "Rassenschande" angezeigt und von den Nazis verfolgt und eingesperrt wurde. Es ist das Jahr 1937: In der Adolf-Hitler-Straße, der heutigen Hauptstraße ist Ernst Blumenberg im Haus Nr. 14 als praktizierender Arzt tätig. Der am 26. Februar 1988 in Einbeck geborene Mediziner ist bei seinen Patienten beliebt. Nicht nur wegen seines Könnens, sondern vor allem wegen seiner "sozialen und menschlichen Seite", wie auf einem Dokument in der Ausstellung nachzulesen ist. Ob arm oder reich, Blumenberg macht keine Unterschiede. Ein Nenndorfer erinnert sich: "Ich habe eine Frau gekannt, die von ihm umsonst behandelt worden ist", sagt Horst Jakobs, Pastor im Ruhestand. Das alles zählt im Jahr 1937 nicht. Die Beziehung zu einer "christlichen Freundin", einer Lehrerin aus Stadthagen, wird dem jüdischen Arzt zum Verhängnis. Ein Nachbar zeigt ihn an - wegen "Rassenschande". Zwei Jahre wird Blumenberg im Zuchthaus in Hameln eingesperrt, fünf Jahre "Ehrverlust" lautet ein zweites Urteil, das über ihn verhängt wird. Doch damit nicht genug: Die Universität Göttingen entzieht Blumenberg den Doktortitel. Die Gestapo setzt ihn 1939 auf die Verfolgungsliste. Dem Mediziner gelingt die Flucht. Kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges erwischt Blumenberg eines der letzten Schiffe nach Shanghai, wo er fast zehn Jahre als Staatenloser lebt und im jüdischen Flüchtlingslager Menschen mit Cholera und Ruhr behandelt. 1949 wandert er in die USA aus. Die Anerkennung seines Medizinstudium bleibt Blumberg dort jedoch versagt. So beginnt er - 61 Jahre alt - mit dem Medizinstudium von neuem. Er wird Chefarzt in einer Klinik in Marion/Virginia. 1959 wird er pensioniert, doch Blumberg denkt nicht daran, kürzer zu treten. Erübernimmt die Leitung der Psychiatrie des Frauenkrankenhauses in Salisbury/North Carolina, wo er bis zu seinem 80. Lebensjahr im Jahre 1968 tätig ist. Ein einziges Mal ist er an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. 1967 kam er, wie in einem Dokument nachzulesen ist, für einige Stunden nachBad Nenndorf zurück. Seine Tochter hat die Augenblicke festgehalten: "Er hat Deutschland geliebt", schreibt sie, "und es war die größte Enttäuschung seines Lebens, dass er seine Praxis dort nicht weiterführen konnte." Blumberg stirbt 1973 mit 85 Jahren an Herzversagen. Fakten

In der Godehardi-Kirche sind Bilder und Dokumenteüber den jüdisc
  • In der Godehardi-Kirche sind Bilder und Dokumenteüber den jüdischen Arzt Ernst Blumenberg zu sehen. Eine Gedenktafel in der Hauptstraße 14 erinnert heute an den jüdischen Arzt. Foto: ede

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