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Jochen Lange blickt auf fast fünf Jahrzehnte als Spieler, Trainer und Vorsitzender zurück

Als Sportsmann beliebt – als Mensch geachtet

veröffentlicht am 15.09.2017 um 15:18 Uhr

1984: Jochen Lange wird von den SCR-Spielern nach dem Aufstieg in die Bezirksliga vom Platz getragen. Fotos: peb

Autor:

Peter Blaumann

RINTELN. Wer kennt ihn nicht: Jochen Lange als Spieler, Jochen Lange als Trainer, Jochen Lange als Vorsitzenden. Über drei Jahrzehnte prägte er den Fußball in Rinteln und Möllenbeck entscheidend mit, feierte Meisterschaften und Pokalsiege mit seinen Mannschaften. Was er anfasste, war meistens von Erfolg gekrönt. Durch seine hohe soziale Kompetenz und seinem Geschick in Sachen Menschenführung war er stets als Sportsmann beliebt, als Mensch geachtet und erwarb sich als „Leader“ hohe Anerkennung.

Hans-Joachim Lange, aber fast allen nur als Jochen bekannt, wurde im Februar 1936 in Namslau in Schlesien geboren. Sein Vater war dort als Offizier stationiert. Nur wenige Monate nach seiner Geburt siedelte die Familie nach Hannover um. Dort wuchs Lange auf und ging dort auch zur Schule. Nach Absolvierung der höheren Handelsschule begann er eine Lehre bei der AOK Hannover, durchlief dort eine Verwaltungsausbildung und wurde auch übernommen. Der Liebe wegen verschlug es Lange 1961 nach Rinteln.

Im Jahr 1963 suchte die Glashütte Stoevesandt einen Geschäftsführer für die Betriebskrankenkasse. Lange bewarb sich und wechselte von der AOK Hannover zu Stoevesandt. Sieben Jahre lang leitete er die Betriebskrankenkasse, ab 1970 bis zu seiner Verrentung 1999 war er Leiter der Personal- und Lohnabteilung bei Stoevesandt.

1954: Lange (links) auf Tour mit der Niedersachsenauswahl.
  • 1954: Lange (links) auf Tour mit der Niedersachsenauswahl.
19:77: Lange (Dritter von links) im Vorstand des SC Rinteln.
  • 19:77: Lange (Dritter von links) im Vorstand des SC Rinteln.
Als kleiner Spross: Der fünfjährige Jochen mit seinem treuen Begleiter.
  • Als kleiner Spross: Der fünfjährige Jochen mit seinem treuen Begleiter.
Der 81-Jährige verfolgt auch heute noch das Geschehen im heimatlichen Fußball sehr intensiv.
  • Der 81-Jährige verfolgt auch heute noch das Geschehen im heimatlichen Fußball sehr intensiv.
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1954: Lange (links) auf Tour mit der Niedersachsenauswahl.
19:77: Lange (Dritter von links) im Vorstand des SC Rinteln.
Als kleiner Spross: Der fünfjährige Jochen mit seinem treuen Begleiter.
Der 81-Jährige verfolgt auch heute noch das Geschehen im heimatlichen Fußball sehr intensiv.
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Auch im Job war Lange ein echter „Kumpeltyp“, hatte Verständnis für den Kummer und die Sorgen der Angestellten, kehrte selten den Chef heraus und begegnete seinen Mitarbeitern stets auf Augenhöhe. „Ich weiß noch, es gab eine Phase, da musste ich als Personalchef die Belegschaft stark abbauen. Da saßen mir Mitarbeiter gegenüber, die jahrzehntelang im Betrieb waren, und ich musste ihnen nun mitteilen, dass sie entlassen werden. Das ging mir so ans Herz, dass wir uns schweigend anschauten und Tränen in den Augen hatten“, blickt Lange zurück.

Seine sportliche Karriere begann spät. Erst mit zwölf Jahren kam Lange 1948 zum Fußball. Schulkameraden nahmen ihn mit zum Training. Kurze Zeit später schloss er sich dem SV Kleeblatt Stöcken an. In der Schülermannschaft und später im B-Junioren-Team entwickelte sich Lange zu einem überragenden Fußballer. Als Mittelstürmer zeigte er echte Torjägerqualitäten, verlor selten den Überblick vor dem Tor und netzte oft nervenstark und kaltschnäuzig ein. Das blieb auch den Spähern nicht verborgen. In der A-Jugend wurde er aufgrund seiner konstant guten Leistungen 1954 in die Niedersachsenauswahl berufen. „Im Nachhinein betrachtet war das mein schönstes fußballerisches Erlebnis. Wir spielten damals unter anderen gegen die Auswahlteams von Berlin, vom Mittelrhein und Niederrhein. Ein besonderer Höhepunkt war das Spiel gegen eine Auswahl aus London“, erinnert sich Lange.

Auch nach dem Wechsel in den Herrenbereich blieb Lange zunächst seinem Verein Kleeblatt Stöcken treu, spielte dort in der Bezirksklasse. Doch eine schwere Verletzung warf Lange entscheidend zurück. „Ein halbes Jahr war mein ganzes Bein eingegipst. Der Traum von einer Karriere in höheren Spielklassen war ausgeträumt.“ Kollegen überredeten ihn im Jahr 1960 zu einem Wechsel zu Hannover 96. Dort spielte er drei Jahre in der Reserve in der Bezirksklasse. Von 1963 bis 1965 schnürte er die Schuhe für den SV Engern.

Mit dem Wechsel 1965 zum SC Rinteln fand Lange eine neue sportliche Heimat. Dort ging er nicht nur in der Bezirksklasse und Bezirksliga auf Torejagd, sondern engagierte sich im Vorstand des Vereins. Im Jahr 1966 wurde er zum Schriftführer gewählt, um dann 1973 für zehn Jahre den Vorsitz des Vereins zu übernehmen.

Im Jahr 1971 beendete Lange seine aktive Laufbahn in der ersten Mannschaft, übernahm sofort für vier Jahre Verantwortung als Trainer. „Danach war ich der Mann für alle Fälle“, erinnert sich Lange. „Ich half in der Reserve aus, lief selbst mit 48 noch einmal in der ersten Mannschaft auf und schoss sogar ein Tor. In der Altherren-Mannschaft absolvierte ich mehr als 300 Spiele. Ende der 70-ziger Jahre übernahm ich einmal mehr das Traineramt.“

Seine größten Erfolge als Trainer beim SC Rinteln feierte er 1984 und 1994. Im Jahr 1984 führte er die erste Mannschaft in die Bezirksliga und der SC Rinteln gewann zum ersten Mal die Stadtmeisterschaft. Im Jahr 1994 wurde die A-Jugend des SC Rinteln unter seiner Regie Kreismeister und Kreispokalsieger.

Dazwischen war Lange sieben Jahre für den SC Möllenbeck tätig. 1985 überredete Klaus Ide mit „Engelzungen“ ihn zum Wechsel in das Klosterdorf. Sieben Jahre leitete er dort als Trainer die Geschicke des Vereins und feierte mit seinem Team 1986 den Aufstieg in die Kreisliga, ein Jahr später den Gewinn des Kreispokals. 1992 beendete er sein Engagement in Möllenbeck.

Nach den Erfolgen mit der A-Jugend des SC Rinteln zog sich Lange mit 58 Jahren als Trainer zurück, übernahm auch keine Vorstandsposten mehr, verfolgte seitdem aber das Geschehen im heimatlichen Fußball sehr genau. „Der Abstieg des SC Rinteln nach fast 70 Jahren aus dem Bezirk in die Kreisliga tat mir richtig weh“, bedauert Lange den Niedergang seines Vereins.

Über 200 Spieler hat er in seiner langen Trainerlaufbahn gefördert und als Menschen geformt. Noch heute hat er regelmäßig Kontakt zu vielen Spielern des SC Rinteln und SC Möllenbeck. „Zu Achim Pieper und Bernd Reinhard pflege ich ein besonderes Verhältnis, treffe mich einmal im Vierteljahr mit den beiden, und dann wird über alte Zeiten geplaudert.“

Der Fan von Bayern München hatte immer eine zweite Leidenschaft und brachte es dabei zu großen Ehren. 1969 wurde er Stadtmeister im Kegeln, 1968 und 1970 Vizemeister. Auch heute noch wirft der rüstige Rentner regelmäßig die Kugel. Sein zweites großes Hobby ist der Garten. Mit viel Hingabe pflegt er die Hecken, den Rasen und die prachtvollen Blumenbeete.

Jochen Lange kann aus seinem Sportlerleben viele Anekdoten erzählen. Ein Ereignis wird er nie vergessen. „In einem Spiel mit dem SC Rinteln schoss ‚Henna‘ Heise zunächst ein Eigentor, später ein richtiges Tor. Nach der Gelben Karte sah er die Rote Karte. Die ließ sich ‚Henna‘ ein zweites Mal zeigen, nahm die Karte, zerriss sie und ging vom Platz.“ Fragt man den 81-Jährigen nach seinen Wünschen für die Zukunft, kommt spontan die Antwort: „Ich möchte mit meiner lieben Frau noch viele Jahre zusammen sein und das Leben genießen!“

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